- VonWolfgang Schörnerschließen
Die Penzberger Mittelschule hat eine Bildungspartnerschaft mit den Unternehmen Schleicher Fahrzeugteile und Niebling geschlossen. Die Schule will dadurch ihren Schülern mehr Einblicke in die Berufswelt eröffnen. Die Betriebe erhoffen sich dadurch im Endeffekt, neue Fachkräfte zu gewinnen.
Penzberg – Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Betrieben unter dem Dach der Industrie- und Handelskammer (IHK) gibt es bereits im Weilheimer und Garmischer Raum. Für die Penzberger Region ist es eine Premiere. Die Kooperationsvereinbarung für das kommende Schuljahr unterzeichneten jetzt die Konrektorin der Penzberger Mittelschule, Simone Köppl, sowie die Geschäftsführer Stefan Schleicher (Schleicher Fahrzeugteile) und Christian Drexler (Niebling).
Schleicher Fahrzeugteile hat seine Ausbildungsabteilung 2021 nach Penzberg geholt
Das Unternehmen Schleicher Fahrzeugteile hat, wie berichtet, Anfang des Jahres seine Münchner Zentrale komplett nach Penzberg verlagert, wo es seit 1986 einen Standort hat. Es beschäftigt aktuell rund 220 Mitarbeiter an der Seeshaupter Straße und ist damit – nach Roche – einer der größten Arbeitgeber in Penzberg. Das mittelständische Familienunternehmen produziert für Firmen der Umwelt- und Versorgungstechnik sowie Herstellern von Nutz- und Offroadfahrzeugen. Seit 2021 hat Schleicher Fahrzeugteile seine Ausbildungsabteilung, die vorher in München war, komplett in Penzberg.
Firma Niebling arbeitete bereits mit Mittelschule zusammen
Der Mittelständler Niebling, der seinen Standort an der Oskar-von-Miller-Straße in Penzberg hat, beschäftigt 40 Mitarbeiter. Es stellt Anlagen für die Verformung von Kunststofffolien her, großteils für die Automobilindustrie, und ist ebenfalls Ausbildungsbetrieb. Die Firma arbeitete bereits in der Vergangenheit mit der Mittelschule zusammen. Erst dieses Jahr gab es dort ein Projekt, bei dem Jugendliche eine Visitenkartenbox aus Kunststoff fertigten und so den Betrieb kennenlernten.
IHK-Bildungspartnerschaft soll Schule und Wirtschaft vernetzen
Die IHK-Bildungspartnerschaft soll die Vernetzung von Schule und Wirtschaft verstärken. Bildungsberater Matthias Kaiser von der IHK Weilheim erklärte bei der Unterzeichnung in Penzberg, dass die beiden Firmen laut Vereinbarung Betriebserkundungen anbieten. Ebenso werden sie Mittelschüler über die Ausbildung und die Erwartungshaltung von Unternehmen aufklären. Die Firma Schleicher sagt ferner zu, sich an Berufsmessen zu beteiligen, Betriebspraktika anzubieten und am „Girls’ and Boys’ Day“ teilzunehmen.
Schüler sollen Einblicke in die Berufswelt bekommen
Konrektorin Simone Köppl erzählte bei der Unterzeichnung, sie habe in Weilheim von so einer Partnerschaft gehört und sich gedacht, dass dies eine gute Sache wäre, um an der Penzberger Mittelschule die bereits gut funktionierte Berufsorientierung zu stärken. Von der Bildungspartnerschaft erwarte sie sich einen engeren Kontakt zu den Unternehmen, dass Schüler Einblicke in die Berufswelt erhalten und praktische Erfahrungen sammeln, dass sie ausprobieren können, „ob der Beruf etwas für sie ist oder sie weitersuchen müssen“. Auch die Schule selbst könne ihren Schülern besser helfen, „wenn wir wissen, auf was die Betriebe Wert legen“. Ihr zufolge ist die Schule auch mit anderen Firmen im Gespräch bezüglich einer Partnerschaft.
„Es ist unser Ziel, uns interessant zu machen“
Geschäftsführer Stefan Schleicher sagte über die Bildungspartnerschaft, dass man sich langfristig wünsche, junge Menschen als Facharbeiter zu gewinnen. „Es ist unser Ziel, uns interessant zu machen.“ Früher habe man bei Auszubildenden die freie Auswahl gehabt. „Jetzt muss man was tun.“ Über die Partnerschaft könnten auch neue Ideen entstehen, wie man Zugang zu den jungen Leuten erhält, ergänzte Edith Schleicher, die für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei dem Unternehmen zuständig ist.
„Junge Leute für Technik begeistern“
Geschäftsführer Christian Drexler von der Firma Niebling erhofft sich von der Bildungspartnerschaft ebenfalls, „junge Leute für Technik zu begeistern“ und letztlich Fachkräfte zu gewinnen. Es gebe unzählige Berufe, so Drexler. Man müsse den Kindern helfen, ihre Neigungen zu finden. Früher, erzählte Stefan Schleicher, habe der Sohn mitgeschraubt, wenn der Vater das Auto repariert hat und so unter Umständen einen Berufswunsch entwickelt. Heute ist das nicht mehr so. Das Kind könne seine Neigung nicht mehr erkennen.
Die Bildungspartnerschaft, so IHK-Berater Kaiser, soll Orientierung schaffen. Bei Jugendlichen, sagte er, gebe es viel Ratlosigkeit. Es gehe darum, Klarheit zu schaffen. Man erfinde mit der Bildungspartnerschaft das Rad nicht neu, erklärte er. Die Schulen hätten aber einen festen Ansprechpartner. Und Betriebe, die nicht so bekannt sind, könnten sich sichtbar machen.