VonAndreas Högerschließen
Zwischen Holzkirchen und Hartpenning, im Moarhölzl, baut der Landkreis ein Container-Quartier, um dort 218 Flüchtlinge unterzubringen. Etwa 250 Container bilden einen zweigeschossigen Wohnblock mit Innenhof. Der Gemeinderat stimmte dem Bauantrag jetzt zu. Bis zu sechs Jahre darf der Bau stehen bleiben.
Holzkirchen – Wohin mit all den Geflüchteten, die dem Landkreis aus den großen Ankerzentren regelmäßig zugewiesen werden? In Miesbach und Tegernsee werden längst Turnhallen als Notquartiere genutzt. Im Landkreis-Norden setzt der Landkreis auf eine andere Lösung: Im Moarhölzl südlich von Holzkirchen, wo bereits von 2015 bis 2017 eine Traglufthalle für Geflüchtete stand, entsteht ein Container-Quartier für 218 Personen (wir berichteten). Die Gemeinde bot das Grundstück an, die Regierung von Oberbayern zahlt, der Landkreis organisiert.
Das Vorhaben, so dringend es sein mag, muss durch die behördlichen Mühlen laufen. Das Einvernehmen der Gemeinde war das kleinste Problem: Einstimmig votierte der Marktgemeinderat am Dienstag (7. Februar) für die Flüchtlingsunterkunft, die zunächst auf drei Jahre befristet ist, aber um noch einmal drei Jahre verlängert werden kann.
Laut Landratsamt läuft jetzt die europaweite Ausschreibung für die Leihe der Container an. Bis zum Zuschlag und dem Aufbau können noch Monate vergehen. „Ich hoffe, dass der Landkreis Container bekommt“, sagte Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) in der Sitzung. Konkrete Kosten nannte das Landratsamt auf Anfrage nicht. Für drei Jahre dürften fünf bis sechs Millionen Euro anfallen. Ausgangspunkt dieser Schätzung sind die sieben Millionen Euro, die der Markt Holzkirchen für den Interims-Containerbau seiner Mittelschule zahlt.
Zweigeschossig sollen die 250 Container ein 6,50 Meter hohes Karree ausbilden (72 mal 38 Meter), mit einem nach Süden offenen Innenhof. Laut Plan ist eine Umzäunung vorgesehen. Eine Einheit umfasst 16 Quadrameter, was die Unterbringung von zwei Personen ermöglicht. „Die Einheiten sind durch Zwischentüren erweiterbar, damit auch Familien ausreichend Platz haben“, erklärt Landratsamts-Sprecherin Sophie Stadler auf Anfrage. Küchen sowie Ess- und Sanitärbereiche finden sich über das Quartier verteilt. Spielzimmer und Hausaufgaben-Räume sind eingeplant. Der Innenhof soll zur Begegnungsstätte werden.
Da die Unterkunft auch für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine gedacht ist, die oft mit Autos geflohen sind, sollen auf einer bereits asphaltierten Fläche schräg gegenüber 18 Parkplätze ausgewiesen werden. Im Norden und Osten wünscht sich die Gemeinde 109 Fahrrad-Abstellmöglichkeiten. Auch der neue hoki-Rufbus wird das Moarhölzl anfahren.
„Diese Unterkunft wird so etwas wie ein normales Leben ermöglichen“, sagte Simon Ammer (SPD), „ich sehe deutlich mehr Wohnqualität als damals in der Traglufthalle.“ Er bat darum, die Zufahrt auf der B 13 wieder mit einer Tempo-70-Beschränkung zu schützen. Moritz Remuta (Grüne) betonte, dass die Marktgemeinde von sich aus das Moarhölzl angeboten habe. „Das ehrt Holzkirchen und entlastet den Landkreis.“ Man verlange Pacht, erklärte Schmid, „aber die ist nicht überhöht“.
Die Unterkunft werde helfen, die Turnhallen wieder frei zu bekommen, ergänzte Sebastian Franz (CSU). FWG-Sprecher Torsten Hensel verwies darauf, dass Holzkirchen schnell reagiert habe: „Die große Politik hat leider lange gezögert. Es braucht eine europäische Lösung für die Flüchtlinge.“
Schmid kündigte an, bald den Helferkreis zu reaktivieren und mit Sozialverbänden zu sprechen: „So viele Menschen auf so engem Raum, das birgt Konfliktpotenzial.“ Laut Landratsamt steht im Quartier ein Beratungsraum für hauptamtliche Flüchtlings- und Integrationsbetreuung zur Verfügung. Unklar ist, ob ein Sicherheitsdienst engagiert wird.
Die Belegung werde nach und nach erfolgen, sagt Landratsamts-Sprecherin Stadler „Das erfordert Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis.“ Zu berücksichtigen seien etwa Nationalität und Religion. Laut Schmid gibt es die mündliche Absprache, einige Plätze für ukrainische Flüchtlinge zu reservieren, die bisher bei Holzkirchner Privatleuten wohnen.
