Über den Seiteneingang ins Rathaus

Blitz-Hochzeit im Zeichen von Corona

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Strahlen vor Glück: Das frischvermählte Ehepaar Michael und Iris Herwagen kurz nach der Trauung im Tölzer Standesamt.
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Nur jeweils fünf Minuten für Trauung, Fotoshooting und Essen: Die Hochzeit von Michael und Iris Herwagen aus Bad Tölz hatte einen ganz speziellen Charakter.

Bad Tölz – Heiraten in Zeiten der Corona-Krise: Das ist ein ganz spezielles Erlebnis. Das wissen nun auch die Tölzerin Iris Herwagen und ihr Ehemann Michael, die sich am 19. März allen Widrigkeiten zum Trotz im Tölzer Rathaus trauen ließen. So richtig feierlich ging es nicht zu: „Fünf Minuten Trauung, fünf Minuten Foto-Shooting, fünf Minuten essen“, umschreibt Iris Herwagen den ungewöhnlichen Ablauf.

Die beiden wollten eigentlich am 30. März heiraten. Doch dann machten ihnen die Nachrichten Sorgen, immer mehr Ausgangsbeschränkungen kamen ins Gespräch. Deshalb bat Herwagen den Standesbeamten Wolfgang Steger darum, die Trauung vorzuziehen: „Er hat am Mittwoch zugestimmt, dass wir am Donnerstag heiraten können“, sagt sie. Binnen 24 Stunden musste alles geplant werden. Herwagen informierte ihre beste Freundin, die zufällig Hochzeitsfotografin ist. Auf Trauzeugen verzichtete das Paar. „Für uns war das keine große Umstellung, weil wir uns sowieso alleine trauen lassen und erst am Abend mit der Familie feiern wollten“, sagt die 51-Jährige. „Drum war für uns alles nicht so schlimm.“

Das Paar musste durch den Seiteneingang ins Rathaus marschieren: „Irgendwie war das leere Rathaus gruslig“, sagt die Fitnesstrainerin. „Wir mussten beim Reingehen über Kisten mit Wahlunterlagen drübersteigen. Ich bin mir mit meinem Hochzeitskleid etwas overdressed vorgekommen.“ Auch die Trauung sei „ganz komisch“ gewesen. „Der Wolfi durfte uns nicht die Hand geben und konnte uns nicht gratulieren.“ Dem Standesbeamten habe man die Anspannung angemerkt: „Für ihn war es die erste Trauung unter diesen Umständen. Er hat nicht so recht gewusst, wie er damit umgehen soll.“

Ein schneller Burger als Mittagessen

Nach der Trauung stiegen die Herwagens in ihr Auto und teilten ihren Familien mit, dass sie in aller Schnelle geheiratet hätten – „und dann haben wir uns schnell einen Burger gekauft“. Nach fünf Minuten war das Mittagessen erledigt. Das Foto-Shooting sollte auch ganz fix über die Bühne gehen, „denn wir nehmen die Ausgangsbeschränkungen schon ernst“. Die Bilder entstanden innerhalb von fünf Minuten im Garten der Fotografin: „Dann sind wir gleich wieder heimgefahren.“

Da ihr Arbeitsplatz im Fitnessstudio derzeit geschlossen ist, verbringe sie mit ihrem Mann derzeit „unfreiwillige Flitterwochen.“ Trotzdem sagt Herwagen: „Die ganzen Umstände haben uns bestärkt, dass wir zusammengehören.“ Momentan wartet sie darauf, dass das Standesamt wieder öffnet, damit sie ihren Ausweis umschreiben lassen kann. Birte Otterbach, Pressesprecherin der Stadt Bad Tölz, weist darauf hin, dass Trauungen weiter stattfinden dürfen, „denn sie gelten als hoheitlicher Akt und nicht als Veranstaltung“. Als Beteiligte seien allerdings nur der Standesbeamte, das Brautpaar, die Trauzeugen und bei Bedarf ein Dolmetscher zugelassen.

Aktuell zwei bis vier Hochzeiten pro Woche in Bad Tölz

Derzeit fänden zwischen zwei bis vier Hochzeiten pro Woche statt: „Die allermeisten Paar halten an dem Termin fest“, sagt Otterbach. Manchmal aus praktischen Erwägungen, da bestimmte Dokumente nach einem halben Jahr ihre Gültigkeit verlieren. Auch Otterbach stellt fest: „Die Trauungen momentan haben schon einen ganz speziellen Charakter.“

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