VonElisa Buhrkeschließen
Drei Polizisten stehen unter Verdacht, Waffen aus dem BLKA verkauft zu haben. Ein Mordfall könnte damit zusammenhängen: 2019 wurde eine junge Frau mit einer Waffe aus Bayern erschossen.
Update, 26. Oktober, 13.38 Uhr: Im Zuge von Untersuchungen gegen bayerische LKA-Beamte, die unter Verdacht der Hehlerei stehen, untersucht das Münchner Polizeipräsidium eine mögliche Verbindung zu einem spektakulären Mordfall in Nordrhein-Westfalen. Bei der Bluttat am 26. April 2019 in Neuss wurde das Opfer mit einem Revolver getötet, der ursprünglich aus einer Aufbewahrungsstelle des bayerischen Landeskriminalamts für konfiszierte Waffen stammte und eigentlich schon 2018 hätte vernichtet werden sollen. Dies teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums der bayerischen Hauptstadt mit, nachdem mehrere Medien darüber berichtet hatten.
Anschuldigungen gegen drei Polizeibeamte aus dem BLKA
Das Präsidium hatte am Freitag Untersuchungen gegen zwei aktive und einen bereits im Ruhestand befindlichen Beamten bekannt gegeben, die in der zentralen Waffenverwertungsstelle des LKA tätig waren. Ihnen wird zur Last gelegt, dort gelagerte Gegenstände entwendet und verkauft zu haben. Der strafrechtliche Vorwurf lautet Verdacht des Verwahrungsbruchs – Paragraf 133 des Strafgesetzbuchs. Zudem wird gegen zwei weitere Verdächtige ermittelt, die mutmaßlich Waffen erworben und weiterverkauft haben.
Eine dieser Waffen war demnach ein registrierter Revolver, der aus der Münchner LKA-Verwahrstelle spurlos verschwunden war. Dieser hätte eigentlich 2018 in einem Stahlwerk in Meitingen vernichtet werden sollen, so der Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums. Um die Unparteilichkeit des Verfahrens zu gewährleisten, ermittelt in diesem Fall nicht das LKA selbst, sondern das Polizeipräsidium.
Junge Frau in Blumengeschäft in NRW getötet – Mordwaffe aus Bayern
Die Münchner Polizei machte keine Angaben zur Identität des Mörders in NRW, doch der Fall hatte 2019 für Aufsehen gesorgt. Ein ehemaliger Teilnehmer der Talentshow „Deutschland sucht den Superstar“ hatte seine flüchtende Ex-Freundin in Neuss bis in ein Blumengeschäft verfolgt und mit vier Schüssen ermordet. Die 27-Jährige konnte vor ihrem Tod noch einen Notruf absetzen: „Mein Ex-Freund hat eine Pistole“. Der Mann legte sich danach auf Bahngleise, um Selbstmord zu begehen - verlor jedoch nur beide Beine und überlebte schwer verletzt. Im Dezember 2019 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt, die Anklagepunkte bestritt er bis zuletzt.
Mordfall in NRW könnte in Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen BLKA-Beamte stehen
Es wird nun untersucht, wie der Revolver aus der Münchner LKA-Aufbewahrungsstelle in den Besitz des Mörders gelangte. Die Staatsanwaltschaft München I hatte bereits von 2019 bis 2021 ermittelt, wer die Waffe möglicherweise gestohlen haben könnte, konnte jedoch keinen Verdächtigen ausfindig machen. Der Fall wurde 2023 erneut aufgenommen, nachdem neue Hinweise eingegangen waren.
LKA-Präsident Norbert Radmacher hat die Vorfälle bedauert. Die Waffenverwertungsstelle des LKA wurde daraufhin vorübergehend geschlossen, das für diesen Bereich zuständige Team soll komplett neu aufgestellt werden.
Ermittlungen gegen drei BLKA-Beamte in München
Erstmeldung, 25. Oktober: München - In München ermittelt die Polizei gegen zwei aktive und einen ehemaligen Mitarbeiter des Bayerischen Landeskriminalamtes (BLKA). Ihnen wird vorgeworfen, Waffen und andere Gegenstände aus der dienstlichen Verwahrung unterschlagen und verkauft zu haben. Diese Ermittlungen führt das Kriminalfachdezernat (KFD) 11 des Polizeipräsidiums (PP) München, unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft München I.
Laut Pressemitteilung des BLKA (vom 25. Oktober) durchsuchten die Ermittler am Dienstag, 15. Oktober 2024, sowohl die Räumlichkeiten der Zentralen Waffenverwertung des BLKA, als auch die Wohnungen der betroffenen Beamten. Bereits zuvor war einer der Beschäftigten im Jahr 2023 vom Dienst suspendiert worden, ein weiterer im Zuge der Durchsuchung am 15. Oktober. Ein Disziplinarverfahren gegen den dritten Beamten, der sich bereits im Ruhestand befindet, obliegt der entsprechenden Disziplinarbehörde.
BLKA-Beamte sollen Dienstwaffen verkauft haben – erster Verdacht bereits 2019
Der Fall hat eine lange Vorgeschichte. 2019 gab es bereits Verdachtsmomente bezüglich Unregelmäßigkeiten in der Waffenverwertung des BLKA, doch die Staatsanwaltschaft München stellte ihre Ermittlungen letztendlich ein. Sie hatte keinen konkreten Tatverdacht feststellen können.
(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)
Dennoch richtete das BLKA zwischen 2019 und 2021 eine Arbeitsgruppe (AG) ein, die mögliche Sicherheitslücken in der Zentralen Waffenverwertung prüfen und ggf. schließen sollte. Mit Einrichtung dieser AG wurden umfassende Maßnahmen ergriffen, mitunter die Einführung des Sechsaugenprinzips, eine Anpassung der Zutrittsberechtigungen samt Sichtkontrolle sowie Überprüfung und Anpassung der Schließberechtigungsstruktur.
Polizei München ermittelt – Sicherheitslücken in der Waffenverwertung des BLKA
Im August 2023 kam es zu einem weiteren Vorfall, der zu einem Disziplinarverfahren führte. Bei Durchsuchungen im September 2023 stellten die Ermittler Beweise sicher, die darauf hindeuteten, dass ein Kriminalbeamter regelmäßig Waffenteile entnommen und verkauft hatte. Er wurde daraufhin vom Dienst suspendiert und ein Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft München I gegen ihn eingeleitet. Im Zuge der Ermittlungen ergaben sich der Verdacht, dass die zwei weiteren Beamten ebenfalls an den Taten beteiligt gewesen waren.
Mit der Durchsuchung am 15. Oktober 2024 wurde die Zentrale Waffenverwertung vorübergehend geschlossen. Das BLKA arbeitet derzeit an Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit in der Waffenverwertung, darunter die Installation von Metalldetektoren und Videoüberwachung. Dafür hat es einen neuen Leiter ernannt und baut in diesem Bereich ein komplett neues Team auf. Nach eigenen Angaben will es zudem einen außenstehenden Experten zur neutralen Überprüfung der erweiterten Sicherheitsmaßnahmen heranziehen. Eine Wiedereröffnung der Waffenverwertung werde erst nach der Gewährleistung höherer Sicherheitsstandards erfolgen, teilte das BLKA mit.
„Erschüttert über den Vorfall“: BLKA-Präsident zu den Vorwürfen
Der Präsident des BLKA, Norbert Radmacher, äußerte sich folgendermaßen:
„Ich bin erschüttert über den Vorfall. Wir nehmen diesen in unserer Behörde sehr ernst und bedauern, dass dadurch das Vertrauen der Öffentlichkeit in unsere Behörde beeinträchtigt ist. Mir ist jetzt wichtig, den Vorfall vollständig aufzuklären. Wir arbeiten eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um alle relevanten und benötigten Informationen offenzulegen.
Nach internen Untersuchungen haben wir bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Ursachen des Vorfalls zu identifizieren und sicherzustellen, dass sich ein derartiges Ereignis nicht wiederholt. Mir ist es ein wichtiges Anliegen, das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder vollständig herzustellen und zu erhalten.“
