VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Sebastian Grauvoglschließen
Pendler können sich Hoffnungen machen, dass auf den Strecken nach Lenggries und Kochel bald der Halbstundentakt eingeführt wird. Das will zumindest der Verkehrsausschuss des Landtags. Umstritten ist nur noch, welche Partei sich das auf die Fahnen schreiben darf.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Drei Fraktionen, zwei Anträge, ein Ziel: mehr Züge und damit ein möglichst durchgehender Halbstundentakt auf den Bahngleisen im Oberland. Schon ab 2020 soll das Angebot auf den Strecken der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) deutlich ausgebaut werden, hatten CSU und Freie Wähler in ihrem Antrag an den Verkehrsausschuss des Landtages gefordert. Am Dienstag habe das Gremium diesen auch befürwortet, teilt das Büro von Landtagspräsidentin und CSU-Stimmkreisabgeordneter Ilse Aigner mit.
Dass die Grünen einen nahezu gleichlautenden Vorstoß zu ebendieser Sitzung unternommen haben, sei „normale parlamentarische Praxis“, sagt Aigners Pressesprecherin Gabriele Dorby auf Nachfrage unserer Zeitung. Den Pendlern dürfte es egal sein, aus welcher politischen Richtung die Forderung gekommen ist. Für sie zählt das Ergebnis. Und das dürften sie bereits ab 2020 spüren, teilen Aigner und CSU-Stimmkreisabgeordneter Martin Bachhuber mit. „Jeder zusätzliche Zug, der fährt, ist eine Verbesserung für unsere Leute“, sagt Bachhuber. „Ich bin mit dem Beschluss sehr zufrieden.“
Konkret fordern die drei Fraktionen die Staatsregierung dazu auf, im Rahmen des Flottenwechsels bei der BOB im Jahr 2020 zusätzliche LINT-Triebwagen zu bestellen, „um alsbald eine Angebotsausweitung durch höhere Kapazitäten und Taktverdichtungen, auch am Wochenende, zu erreichen“. Für Aigner und Bachhuber ist ein Stundentakt „nicht mehr zeitgemäß“. Nur über eine Stärkung der Schiene könne man die Menschen bewegen, aufs Auto zu verzichten.
Grüne: Vorstoß von CSU und Freien Wählern zum Halbstundentakt „zu vage“
Wie berichtet, hat die BOB angekündigt, die alten Integrale durch 25 LINT-Züge zu ersetzen. Rund 100 Millionen Euro investiert der Mutterkonzern Transdev bis 2032 in das Leasing der neuen Dieselfahrzeuge. Die Kosten für die hinzukommenden Züge trage indirekt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) und damit der Freistaat, erklärt Dorby. „Sie muss zusätzliche Bahnkilometer beim Betreiber bestellen und bezahlen.“ Davon hänge auch ab, wie viel weitere Wagen es am Ende tatsächlich werden.
Lesen Sie auch: Lenggrieser Bürger bitten um Tempo-30-Limit im Ortszentrum
Und doch sind mehr Fahrzeuge noch keine Garantie für einen Halbstundentakt im Oberland. Auch das Schienennetz muss ausgebaut werden, damit mehr Begegnungsverkehr auf den Gleisen möglich wird. Die Grünen fordern dies auch in ihrem Antrag: „Im Rahmen der Neuausschreibung sind zusätzliche Ausweichstrecken zwischen Holzkirchen und Lenggries auszuweisen, damit der Halbstundentakt langfristig reibungslos stattfinden und durch Expresszüge ergänzt werden kann.“ Ferner müsse man die Elektrifizierung auf allen BOB-Strecken „mit größter Dringlichkeit“ umsetzen.
Lesen Sie auch: Kochel will nicht im Verkehr ersticken
Die CSU-Abgeordneten sehen hingegen bereits in den LINT-Fahrzeugen durch deren „erheblich geringere Verbrauchswerte“ einen „Beitrag zum Umweltschutz“. Der Ausbau der Bahnstrecken sei alleinige Aufgabe der Deutschen Bahn, stellt Dorby klar. Allerdings gebe es mit der jetzigen Infrastruktur durchaus Möglichkeiten, „einen Halbstundentakt auf bestimmten Streckenabschnitten und zu bestimmten Zeiten zu realisieren.“
Das sieht Bachhuber auch so. Zur morgendlichen und abendlichen Hauptpendelzeit werde das ja auch schon so umgesetzt, sagt Bachhuber. „Da haben wir einen Halbstundentakt.“ Auch bei der Kochelseebahn scheitere der Halbstundentakt in erster Linie an fehlenden Zügen, sagt der Heilbrunner, der regelmäßig die Bahn nutzt, um zum Landtag zu kommen. Im Zuge der Neuausschreibung dieser Strecke sollen auch hier mehr Züge angeschafft werden, so Bachhuber.
Lesen Sie auch: Lenggries schert beim Tourismus aus: Lieber „Plus“-Karte als Königscard
Kritik an der Entscheidung des Verkehrsausschusses kommt von Grünen-Abgeordnetem Hans Urban aus Eurasburg. Der Antrag sei „nicht mehr als eine Absichtserklärung“. Der Vorstoß der Grünen „wäre deutlich konkreter gewesen“. CSU und Freie Wähler blieben dagegen in allen Punkten vage. „Es ist von einer wenig konkreten Angebotsausweitung und einer eingeschränkten technisch umsetzbaren Angebotsverdichtung die Rede. Konkretes steht da kaum“, heißt es in einer Pressemitteilung von Urban. Erstaunlich sei, dass der Antrag der Grünen im Wortlaut einer Resolution der CSU aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen entspreche, die im Februar im Kreistag beschlossen wurde. Urban: „Dass die Landtags-CSU eine Resolution der eigenen Partei auf Kreisebene nicht annimmt, wirft schon Fragen auf.“

