„Wir wollen nicht länger bluten“

Brandbrief an Innenminister: Sportvereine fordern Turnhallen zurück

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Angeregte Diskussion: die Vertreter der Sportvereine bei ihrer Sitzung.
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Die Sportvereine im Landkreis Miesbach fordern in einem Brandbrief, Flüchtlinge in Containern statt in Turnhallen unterzubringen.

Landkreis – Mit einem Brandbrief an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sowie die Land- beziehungsweise Bundestagsabgeordneten Ilse Aigner (CSU), Alexander Radwan (CSU) und Karl Bär (Grüne) will die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Miesbacher Sportvereine auf ihre schwierige Lage aufmerksam machen. Wie berichtet, sind die hohen Energiepreise eine finanzielle Bedrohung für die Vereine. Außerdem ist die Belegung zweier LandkreisTurnhallen durch Flüchtlinge für sie nicht länger hinnehmbar.

Arge-Vorsitzender Max Niedermeier sagt: „Uns wurde versprochen, dass die Turnhallen frei gemacht werden, sodass die Vereine sie wieder ohne Einschränkungen nutzen können. Das passiert aber nicht, weil weitere Flüchtlinge kommen.“ Niedermeier fordert, endlich Container für deren Unterbringung aufzustellen. „Schon seit langer Zeit sind die Turnhallen belegt. Bereits in den Jahren 2015 und 2016 hat man sie genutzt, um Flüchtlinge unterzubringen. Das kann und darf kein Dauerzustand sein.“ Es sei Fakt, dass auch künftig immer wieder Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern oder Krisenherden ihren Weg nach Deutschland finden werden. Die Politik müsse diese Tatsache endlich anerkennen und eine entsprechende Infrastruktur schaffen, statt jedes Mal wieder auf Turnhallen zurückzugreifen.

Niedermeier, der zugleich Integrationsbeauftragter des Landkreises ist, findet außerdem, dass Turnhallen menschenunwürdige Unterkünfte seien: „Frauen und Kinder leben dort, nur durch einen Vorhang von anderen Bewohnern getrennt. Es gibt keinerlei Privatsphäre und keinen Rückzugsort.“

An dieser Situation sei keineswegs das Landratsamt schuld: „Das Landratsamt ist bemüht, die Flüchtlinge anders unterzubringen.“ Container-Standorte seien in Planung, etwa am Moarhölzl in Holzkirchen, wo bis zu 300 Flüchtlinge unterkommen könnten. An der Tegernseer Straße in Hausham sei Platz für weitere Container. „Aber es fehlt weiter die Kostenzusage der Regierung“, monierte Niedermeier. Er unterstellt, dass im Haushalt der Regierung von Oberbayern derzeit kein entsprechender Posten vorgesehen ist. „Deshalb müssen wir bluten. Wir wollen aber nicht mehr bluten.“

In ihrer Krisensitzung in dieser Woche haben sich die zwölf Mitglieder der Arge deshalb auf den Brandbrief verständigt – und Argumente für ihren Standpunkt gesammelt. Demnach schadet es der motorischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, wenn ihr Training ständig unterbrochen wird, weil nicht ausreichend Turnhallen verfügbar sind. „Gerade, weil Kinder im Wachstum sind, wirft sie eine monatelange Trainingsunterbrechung erheblich zurück“, erklärt Niedermeier und führt Handball als Beispiel an. „Wenn die Arme plötzlich viel länger sind, wissen die Kinder gar nicht, wie sie ihre Gliedmaßen einsetzen sollen.“ Zudem seien Trainer Bezugspersonen für Kinder und Jugendliche und haben eine Vorbildfunktion. „Die Unterbringung schwer erziehbarer Jugendlicher kostet den Landkreis Millionen“, sagt Niedermeier. Stattdessen solle man auf die Präventionsarbeit setzen, die Sportvereine leisten – und die obendrein kostengünstiger sei: „Die arbeiten alle ehrenamtlich.“ Das Engagement der Vereine sei nicht einfach nur „Gaudi“. Es trage wesentlich zur körperlichen und charakterlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bei.

Außerdem seien Sportvereine eine wichtige Ergänzung des Schulsports. Da die Unterrichtsstunden im Sport aufgrund des Lehrermangels reduziert wurden, komme den Vereinen auch eine kompensatorische Rolle zu.

Vor allem der anstehende Winter bereitet Niedermeier Sorgen. „Die Fußballvereine haben freiwillig darauf verzichtet, nach Allerheiligen in die Halle zu wechseln. Sie trainieren weiter draußen.“ Das erhöhe zugleich die Energiekosten der Vereine, weil die Spieler dann im Vereinsheim duschen.

Anfang November will sich die Arge erneut treffen, um den Brandbrief auszuformulieren. Niedermeier geht zwar nicht davon aus, dass sich das Problem dadurch schnell beheben lässt. „Ich hoffe aber für die Zukunft, dass man Container dauerhaft vorhält, statt immer wieder aufs Neue auf Turnhallen zurückzugreifen.“

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