VonTobias Gmachschließen
Wie weh tut Netflix dem Filmtheater? Ein Gespräch mit Matthias Helwig, Betreiber der Breitwand-Kinos im Landkreis Starnberg, über Streamingdienste und die Oscars anlässlich des Erfolgs von „Im Westen nichts Neues“.
Landkreis – Das Kriegsdrama „Im Westen nichts Neues“ von Edward Berger hat vier Oscars gewonnen, mehr als jeder andere deutsche Film zuvor. Die Netflix-Produktion steht auch für die Entwicklung, dass das Kino große, weltweit erwartete Filme nicht mehr exklusiv hat. Manchmal sind sie sogar erst bei Streaming-Diensten wie Amazon Prime oder Disney Plus zu sehen. Den Breitwand-Kinos in Starnberg, Gauting und Seefeld verlieh die Oscar-Verleihung heuer Aufwind – und Netflix schadet den Filmtheatern nicht. Das sagt Betreiber Matthias Helwig im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.
Herr Helwig, nach den Oscar-Erfolgen ist „Im Westen nichts Neues“ jetzt wieder in Kinos zu sehen. Warum eigentlich nicht in Ihren?
Ich hatte ihn schon zum Kinostart im Herbst und habe gesehen, dass da jetzt nicht mehr viel drin ist. Und es ist ein sehr harter Kriegsfilm, dafür muss man erst mal das Publikum haben. Aber ich konnte im Vorfeld sehr gut mit anderen für Oscars nominierten Filmen werben. Es liefen mehrere – zum Beispiel „Everything everywhere all at once“. Und es ist schön, dass wieder Filme, die im Kino erfolgreich waren, Oscars gewonnen haben. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Aber dass viele hochklassige Filme parallel oder sogar vorher bei Streaming-Diensten zu sehen sind, kann Ihnen doch nicht gefallen.
Ich sehe das relativ entspannt. Wer das Kino liebt, der kommt trotzdem. Wir können das Rad ja nicht zurückdrehen. Die Problematik ist eher eine andere...
Welche?
Wenn die Macher nur noch für Netflix und Co. und für Serien produzieren, fehlt dem Kino die Ware. Die Kreativkräfte gehen verloren. Netflix hat teilweise irre Budgets, das ist für die Filmemacher natürlich verlockend. Man muss aber auch sagen: Netflix hat der Filmlandschaft hierzulande Beine gemacht. Das hat ihr auch gutgetan.
Nutzen Sie einen der Dienste zu Hause?
Ich streame nicht. Ich habe nicht mal einen Fernseher. In meinen Kinos starten ja jede Woche zehn Filme. Das reicht mir.

