VonKlaus Greifschließen
Die Gewerkschaft Verdi macht Druck gegen die mögliche Ansiedlung des Münchner Briefverteilzentrums der Deutschen Post im Gewerbegebiet Germeringer Norden. In persönlichen Schreiben an alle Stadträte und Umweltbeiräte werden Argumente gegen die Verlagerung des Zentrums aufgelistet.
Germering – Die Deutsche Post hat ihre Briefverteilzentren an der Münchner Arnulfstraße und in Schorn bei Starnberg verkauft. Dies wurde vor kurzem bekannt gegeben. Als neuer und künftig einziger Standort ist das Gewerbegebiet Germeringer Norden im Gespräch. Das notwendige Grundstück hat sich die Post schon gesichert – mit einer Rückgabe-Klausel, sollte die Stadt das Vorhaben ablehnen, wie dem Merkur aus gut unterrichteten Kreisen verraten wurde.
Die Stadt kann das Vorhaben verhindern, weil es für das fragliche Areal zurzeit nur einen so genannten Rahmenplan gibt, der rechtlich unverbindlich ist. Um Baurecht zu schaffen, müsste der Stadtrat erst den Flächennutzungsplan ändern und dann einen Bebauungsplan aufstellen, wie OB Andreas Haas auf Nachfrage erklärt.
Darauf setzt offensichtlich die Gewerkschaft Verdi, die von Anbeginn an gegen die Umsiedlungspläne der Post war. David Merck, Fachbereichsleiter Postdienste, Spedition und Logistik, hat allen Stadträten und Umweltbeiräten „Informationen zukommen lassen, die vielleicht für Ihre Entscheidung hilfreich sein könnten.“ Merck weist dabei darauf hin, dass es wegen der neuen digitalen Angebote immer weniger Briefe gibt. Er glaubt deswegen: „Die Ansiedlung des Briefzentrums wird für den regionalen Arbeitsmarkt kaum positive Beschäftigungseffekte mit sich bringen.“ Bei den möglichen neuen Arbeitsplätzen handle es sich zudem weitgehend um befristete.
Ein drittes Gegenargument betrifft die Belastung durch den Verkehr: „Verdi geht davon aus, dass sich durch den Zuzug des Briefzentrums die Feinstaub- und Schadstoffbelastung in der Region deutlich erhöhen wird.“
David Merck schlussfolgert deswegen: „Sehr geehrter ..., am 25. September haben Sie eine wichtige Entscheidung für ihre Region und die Menschen, die sie gewählt und ihnen damit ihr Vertrauen ausgesprochen haben, zu treffen“. Der Gewerkschaftsvertreter geht offensichtlich davon aus, dass der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag, 25. September, über das Thema berät und abstimmt.
Dem wird aber nicht so sein. Laut OB Haas steht der strittige Punkt weder auf der Tagesordnung der öffentlichen noch auf der der nichtöffentlichen Sitzung. Er habe dies Verdi auch mitgeteilt. Wann die Problematik behandelt wird, wisse er noch nicht. Im Vorfeld wolle er auch nur einen Satz zur Diskussion sagen: „Es geht nur darum, zu schauen, was für Germering gut ist.“
