Trend zu größeren Häusern?

148 Kinder unter einem Dach: Warum sich Bruckmühl für so eine große Kita entschieden hat

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Platz für insgesamt 148 Kinder und acht Gruppen bietet die neue Kindertagesstätte auf der Bruckmühler Rösnerwiese. Gemeinde und Träger sehen eine Reihe von Vorteilen in Einrichtungen dieser Größenordnung.
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Eine achtgruppige Kindertageseinrichtung zählt im Mangfalltal bislang zu den großen Ausnahmen. Doch der Markt Bruckmühl hat sich für die Kita auf der Rösnerwiese zu diesem Schritt entschlossen. Und das aus guten Gründen.

Bruckmühl – Vier Kindergartengruppen zu je 25 Kindern, vier Krippengruppen mit je 12 Plätzen – insgesamt Platz für 148 Mädchen und Buben – bietet die neue Kindertagesstätte auf dem knapp 7000 Quadratmeter großen Grundstück auf der Rösnerwiese in Bruckmühl, die in diesen Tagen mit sechs Gruppen gestartet ist. Auf insgesamt 5600 Quadratmeter verteilen sich die Räumlichkeiten. Ein alles andere als alltägliches Projekt für die 17.000-Einwohner-Kommune, die mit Kosten von rund 13 Millionen Euro rechnet.

Projekt mit langer Vorgeschichte

Platz war auf dem Areal, das die Kommune bereits im Dezember 2008 erworben hatte, genügend. Die Weichen dafür, dort einmal eine Kindertagesstätte zu errichten, stellte der Marktgemeinderat 2017, nachdem absehbar war, dass Betreuungsplätze knapp werden könnten. „Eine weitsichtige Entscheidung“, wie der Geschäftsleitende Beamte Rainer Weidner rückblickend sagt. Dadurch konnten im Januar 2019 mit den konkreten Planungen an der Rösnerwiese begonnen werden.

Da das Ausmaß der fehlenden Plätze noch größer war, als zunächst absehbar gewesen sei, habe sich die Gemeinde zugleich dazu entschlossen, mit der Pavillon-Lösung der Kita „Vergissmeinnicht“ an der Gottlob-Weilder-Straße eine Übergangs-Kita zu errichten. Und sei man ursprünglich davon ausgegangen, dass zur Deckung des zu erwartenden Bedarfs auf der Rösnerwiese eine sechsgruppige Einrichtung ausreichen würde, habe der Marktgemeinderat im Januar 2022 beschlossen, eine achtgruppige Einrichtung zu planen. Denn: „Spätestens mit den unvorhergesehenen geburtenstarken Jahrgängen 2021 und2022 war klar, dass bei den Mitarbeiterinnen in der Kita-Verwaltung herausfordernde Zeiten anstehen und die Bedarfe vorübergehend nur schwer zu decken sein werden“, erklärt Weidner.

Mit großer Erfahrung am Werk

Mit den WSB Architekten Würfel Schweinsteiger aus Bruckmühl habe man für das große Vorhaben „sehr erfahrene Kita-Planer an unserer Seite. Die Zusammenarbeit zwischen den Architekten, der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger, der BayernGrund Grundstücksbeschaffungs- und erschließungs GmbH und unseren engeagierten Beschäftigten im gemeindlichen Hochbauamt konnte dieses herausfordernde Projekt sehr gut in die Tat umgesetzt werden“.

Auch bei der Suche nach einem Träger kam man gut voran – mehrere hatte sich laut Weidner beworben. „Der Marktgemeinderat hat sich letztendlich aufgrund eines guten Konzeptes und der bereits vorhandenen positiven Erfahrungen für die AWO entschieden.“, so der Geschäftsführer. Auf die Personalsituation in den Kindergärten angesprochen bestätigt auch er, dass verschiedene Kita-Träger in der Vergangenheit teilweise Probleme bei der Personalgewinnung gehabt hätten und dies bereits zu vorübergehenden Schließungen einzelner Gruppen geführt habe.

Die AWO und ihre Arbeit

„Die eigenen Kitas des Marktes Bruckmühl und das Haus für Kinder in Heufeld mit dem Betreiber AWO wurden bisher von derartigen Problemen verschont. Doch die Situation der Personalgewinnung bleibt herausfordernd. Insbesondere die Personalgewinnung für eine achtgruppige Einrichtung“, ist er sich bewusst. Man sei jedoch zufrieden, dass das Haus für Kinder Bruckmühl an der Rösnerwiese nun mit sechs Gruppen starten konnte und rechne damit, dass spätestens zum Beginn des Kindergartenjahres 2026 eine Vollbelegung möglich ist.

Die Personalsuche bleibt nichtsdestotrotz eine große Herausforderung in diesen Zeiten, insbesondere da in Bruckmühl bereits viele Familien auf einen Kitaplatz warten und mehrere Gruppen komplett personell besetzt werden sollen, sagt Anton Reiserer, Geschäftsleiter des AWO-Kreisverbandes Rosenheim-Miesbach, gegenüber dem OVB. „Wir freuen uns darüber, dass wir jetzt mit sechs Gruppen eröffnen konnten, suchen aber vor allem noch Erzieherinnen und Erzieher.“

Die besondere Herausforderung größerer Einrichtungen wie der auf der Rösnerwiese sieht Reiserer vor allem auch in der Leitungs- und Führungsorganisation. „Diese haben wir jedoch früh durch bewährtes, erfahrenes Leitungspersonal aus unserem sozialen Unternehmen und die notwendige Erfahrung in der Leitung größerer Einrichtungen bewältigt. Größere Einrichtungen sind seit zehn Jahren eher die Regel und wirtschaftlicher zu führen als kleine Einrichtungen“, weiß Reiserer aus Erfahrung. Die Kita an der Rösnerwiese sei „ein tolles, qualitativ hochwertiges Haus, das in Sachen Lärmschutz neue Maßstäbe setzt. Auch die großzügigen Außenbereiche oder schöne Personalbereiche sind bereits nutzbar“.

Im Landkreis gibt‘s bereits mehrere „Große“

Die AWO betreibe langjährig eine Reihe von Einrichtungen mit sechs bis sieben Gruppen. Mittlerweile sei diese Größe für die Region und viele Träger Normalität, erklärt Reiserer. Das bestätigt auch die Sprecherin des Landratsamtes Rosenheim, Sibylle Gaßner-Nickl: „Aktuell gibt es im Landkreis eine Einrichtung mit neun Gruppen in einem Gebäude – in Eiselfing. Auch gibt es mehrere Einrichtungen, die in einem Gebäude sieben bis acht Gruppen haben.“ Besagte Kita in Eiselfing habe 189 Plätze in einem Gebäude. Zudem gebe es im Landkreis auch rund zehn Einrichtungen, die mehr als 150 Plätze haben und auf verschiedene Gebäude verteilt sind. Eine Einrichtung im Landkreis bietet auf verschiedene Gebäude verteilt insgesamt 226 Plätze.

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