Vorstellung

Buch über das Haspelmoor sorgt für volles Haus

+
Kreisheimatpfleger Toni Drexler stellt, vor vollbesetztem Haus, sein neues Buch über das Haspelmoor vor.

Vor großem Publikum hat Kreisheimatpfleger Toni Drexler sein neuestes Buch vorgestellt: Geschichten rund um das Haspelmoor, einem der ältesten Lebensräume der Region.

Hattenhofen – Der Uneingeweihte kennt das Haspelmoor, wenn überhaupt, als Bahnhaltepunkt auf der Strecke München-Augsburg. Als ein solcher „Banause“ outete sich auch Michael Moratti, Leiter des Augsburger Wißner-Verlags, vor dem brechendvollen Saal des Gasthofs Eberl. Inzwischen weiß Moratti es besser, denn er hat Toni Drexlers Buch „Das Haspelmoor – Geschichte(n) einer Landschaft und ihrer Bewohner“ herausgebracht.

Von Kindesbeinen an kennt der Hörbacher die „unscheinbare Region“, die in keinem Tourismusführer auftaucht und dabei so reich an natürlichen Kostbarkeiten ist. Sein Vater schickte ihn als Heranwachsenden gern zur „Marie“, einem Gemischtwarenladen im Nachbarort, um holländische Zigarillos zu kaufen. Er habe meist den Fußweg durchs Haspelmoor genommen, erzählte Drexler bei der Buchpräsentation den zahlreichen Gästen. Denn dort gab es immer etwas zu entdecken.

„Es gibt wenige Kleinräume, die so reich an Geschichte sind“, schreibt der scheidende Kreisheimatpfleger im Vorwort zu seinem 280-Seiten-Werk. Darin berichtet er unter anderem, wie das Haspelmoor vor rund 10 000 Jahren mit seinem damals noch existierenden See ein idealer Lebensraum für den vorgeschichtlichen Menschen war. Die Beweise dafür hat Drexler vor gut 20 Jahren selbst ausgegraben – über 15 000 Artefakte aus dem Mesolithikum, die das Haspelmoor zu einer der bedeutendsten archäologischen Fundstellen Bayerns machten.

Das Moos, wie es seit eh und je bei den Einheimischen heißt, war immer eine raue Region. „Über Jahrhunderte hinweg lässt sich die Armut dieser Gegend feststellen, sei es am baulichen Zustand der Dörfer, sei es an den vielen Almosenempfängern und Bettlern oder sei es nur an den wirtschaftlichen Erträgen dieser Region“, schreibt Drexler. Einzig in Hattenhofen konnte eine ertragreiche Landwirtschaft etablieren, was mitunter zu sozialen Spannungen mit den armen „Möslern“ führte.

Erfolgreiches Bürgerbegehren

Ende des 18. Jahrhunderts gab es erste Überlegungen zur Trockenlegung des Moores. 1819 sollte es an den Meistbietenden versteigert werden, um dem Staat möglichst hohe Grundsteuereinnahmen zu bescheren. Die sechs Gemeinden Längenmoos, Mittelstetten, Hattenhofen, Luttenwang, Hörbach und Althegnenberg befürchteten, dass ein privater Eigentümer – Interessent war ein gewisser Graf Dux-Hegnenberg – das Weidegeld im Moos auf unerschwingliche Summen anheben würde, und setzten sich gegen den Verkauf zur Wehr. „Man kann von einem ersten erfolgreichen Bürgerbegehren sprechen“, meint Drexler.

Der Eisenbahnbau, die Poststation, die Torffabrik, das staatliche Versuchsgut für Moorwirtschaft – alle Facetten der Geschichte des Mooses hat der 71-Jährige ausgeleuchtet. Da das Haspelmoor auch viele seltene Tiere und Pflanzen beherbergt, nehmen Flora und Fauna einen bedeutenden Teil des Buches ein, illustriert von teils atemberaubend schönen Fotos von Robert Hoiss.

Moorleichen und Spukgeschichten kommen zwar nicht vor, doch Wilderern und Räubern hat Drexler ein spannendes Kapitel gewidmet. Während Wilderer als Sozialrebellen wie Robin Hood verehrt wurden, lösten Banden wie die Rasso-Räuber bei der Landbevölkerung Entsetzen aus. Die Unholde brachen 1867 in die Klosterkirche Grafrath ein und stahlen die Gebeine eben dieses Heiligen. Alle Mitglieder der Bande wurden später gefasst, allein der Anführer schaffte es, in Amerika unterzutauchen.

Dass Drexler zur musikalischen Umrahmung der Buchpräsentation die Rasso-Räuber eingeladen hatte, lag fast schon auf der Hand. Die Blaskapelle kommt, wie der 71-Jährige, aus Hörbach. Der Name geht übrigens auf den mittelhochdeutschen Begriff „horwec“ zurück. Was laut Drexler frei übersetzt soviel bedeutet wie „die, die im Sumpf sitzen“. (Ulrike Osman)

Service:

Das Buch „Das Haspelmoor - Geschichte (n) einer Landschaft und ihrer Bewohner“ von Toni Drexler, einem Beitrag von Siegfried Hagspiel und Naturaufnahmen von Robert Hoiss ist im Wißner-Verlag erschienen. Preis: 18 Euro. ISBN: 978-3-95786-176-4

Auch interessant: Geheimnisse, Mythen, Legenden, Rätsel und verborgene Orte im Landkreis Fürstenfeldbruck

Kommentare