- VonChristof Schnürerschließen
Die Bahnhofsperipherie in Mittenwald wird sich signifikant verändern. Denn östlich der Gleise entsteht nun doch nach langwierigen Planungen ein mehrstöckiger Beherbergungskomplex samt Lebensmittelgeschäft. Der Marktgemeinderat hat zu dem Projekt ohne große Diskussion einhellig ja gesagt.
Mittenwald – Am Mittenwalder Bahnhof entsteht buchstäblich etwas Großes: Der Gemeinderat sagte am Dienstag zu dem Zwei- bis Drei-Sterne-Lifestyle-Hotel nach kurzer Aussprache ohne Gegenstimme (19:0) ja. Es soll bekanntermaßen auf einer 7400 Quadratmeter großen Fläche direkt an den Gleisen auf der sogenannten Ladestraße Ost in die Höhe wachsen.
„Ein sehr schönes und wichtiges Projekt für unseren Ort“, bemerkt Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD). Eines, das mit langer Anlaufzeit im kommenden Frühjahr in die Umsetzungsphase treten soll. So zumindest lautet der Zeitplan der federführenden Projektentwickler der Ten-Brinke-Group, die seit 2019 das verwaiste Areal am Mühlenweg verwerten möchte. Zunächst jedoch stand die Operation Mittenwald unter keinem guten Stern – Corona, Ukrainekrieg, Energiekrise, steigende Zinsen (wir berichteten). Jetzt also wagt Ten Brinke oder vielmehr deren Tochtergesellschaft GH Mittenwald GmbH & Co. KG – GH steht für Geschäftshaus – das Unternehmen Ladestraße. Mit den Namen der Investoren beziehungsweise Betreiber will man zu einem späteren Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gehen.
Nach dem jüngsten Gemeinderatsvotum haben die Projektentwickler schon mal einen genehmigten Bauantrag in der Tasche. Entstehen soll ein Lebensmittelgeschäft im Erdgeschoss mit rund 1325 Quadratmetern Verkaufsfläche samt entsprechenden Lagerräumen sowie einem Backshop (67 Quadratmeter). Die Anlieferung für den Vollsortimenter ist im Westen im Anschluss an die Bahnlinie vorgesehen. Im Osten am Mühlenweg findet man den Eingangsbereich des Budget-Hotels mit Lobby und Check-In. Direkt daneben schließt sich ein absperrbarer Raum für Fahrräder und Skiausrüstungen an.
Die Hotelnutzung erstreckt sich in einem nord-süd-orientierten dreistöckigen Hauptkomplex und zwei ost-west-ausgerichteten Nebenbaukörpern. Es sind insgesamt 130 Zimmer auf drei Ebenen vorgesehen. Diese teilen sich in 80 Standard-, 29 Familien-, 27 Premium- und 4 Zimmer für Gäste mit Beeinträchtigungen auf. Die Zimmergrößen variieren von zirka 15 bis 25 Quadratmeter. Im Dachgeschoss des Haupttrakts befinden sich die Lobby und der Frühstücksraum. In den Nebenbaukörpern soll ein großer Bereich für die Technik entstehen sowie neben weiteren Zimmern eine Dienstwohnung für den Betreiber des Hotels. Auch ausreichend Stellplätze sind geplant – 74 für Supermarkt-Besucher und 40 für Hotelgäste.
Soweit die nackten Zahlen. Marktbaumeister Ralf Bues will nichts beschönigen und spricht von „einem erheblichen Bauvolumen“. Selbst Ursula Seydel (SPD), studierte Architektin und im Gremium eine Art Bauästhetin, hält sich ungewohnt zurück. „Ein großer Block – nicht abstreitbar, aber verträglich.“ Für Seydel wichtig: „Die Grundrisse haben sich deutlich verbessert, sind stringenter und attraktiver.“
Die Freien Wähler halten sich mit einer Bewertung der für Mittenwald untypischen Fassade gänzlich zurück. Vor zwölf Jahren bei der Genehmigung des gegenüberliegenden, ähnlich nüchternen Ärztehauses sah das noch anders aus. „Es ist bestimmt ein Meilenstein“, urteilte seinerzeit der heutige Zweite Bürgermeister Georg Seitz. „Aber wir sollten deshalb nicht alle Augen zudrücken.“ Diesmal also sehen es die Freien Wähler offenbar anders. Keinen Widerspruch gab es zudem von der größten Fraktion, der CSU. Was einen auch gewundert hätte, schließlich ist das Budget-Hotel vom damaligen CSU-Bürgermeister Adolf Hornsteiner in die Öffentlichkeit getragen worden.
Für Bärbel Rauch ist das Hotel, das laut Marktbaumeister Ralf Bues „noch 2025“ eröffnet werden soll, „wirklich zu begrüßen. Allen Unkenrufen zum Trotz ist das ein Schritt nach vorne“. Und das allerbeste für die Verantwortlichen im Rathaus: Mittenwald verfügt bald über 260 Hotelbetten mehr.
