Stadt verkündet vorläufiges amtliches Endergebnis

Bürgerentscheide zum Marienbrunnen: So haben die Wolfratshauser abgestimmt

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Versetzen oder nicht: Über den Standort des Marienbrunnes haben die Wolfratshauser heute entschieden.
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Am Sonntag entschieden die Wolfratshauser über die Versetzung des Marienbrunnens. Das Ergebnis der Abstimmung ist eindeutig.

Update 22:07 Uhr: Wolfratshausen – Es ist ein eindeutiges Votum, das die Stadt Wolfratshausen am Sonntagabend um 21.07 Uhr verkündet. Fast 90 Prozent der Wähler lehnen die vom Stadtrat beschlossene Versetzung des Marienbrunnens ab. Das Bürgerbegehren „Schutz der historischen Altstadt“ war erfolgreich. Der Brunnen bleibt, wo er steht.

Schon um 18.15 Uhr zeichnete sich das Ergebnis in aller Deutlichkeit ab, konkret nach der ersten Schnellmeldung aus der Grundschule Weidach. Hier waren nur 76 Menschen persönlich ins Wahllokal gekommen – 67 davon stimmten für den Bürgerentscheid 1, also gegen die Verschiebung. So deutlich wie in Weidach ist die Ablehnung der Maßnahme fast überall – in keinem einzigen der zehn Stimmbezirke gibt es eine Mehrheit für die Verschiebung. Überall erreicht Bürgerentscheid 1 Zuspruch von über 80 Prozent. Das Ergebnis ist eine Schlappe für Teile des Stadtrats – und ein Erfolg für die Wolfratshauser Liste.

Der Vorsitzende der Gruppierung Helmut Forster spricht um 21.15 Uhr von einem „wahnsinnigen Ergebnis“. Der Ex-Bürgermeister sieht die Abstimmung als Bestätigung. „Wir haben offensichtlich den richtigen Weg gewählt und die Meinung der Bürger vertreten.“ Er sei zwar optimistisch gewesen, dass das Bürgerbegehren letztlich Erfolg haben würde. „Aber mit fast 90 Prozent Zustimmung habe ich nicht gerechnet. Das ist enorm, darüber sind wir sehr glücklich.“

Rathauschef Klaus Heilinglechner war ein Unterstützer der Brunnen-Verschiebung. „Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht von dem Ergebnis“, sagt er gegen 21 Uhr, als die letzten Stimmen noch ausgezählt werden, das Votum aber schon absehbar ist. „Der Bürger hat sich klar ausgesprochen.“ Das sei anzuerkennen. „Es gibt nichts demokratischeres als einen Bürgerentscheid.“

Im April hatte der Stadtrat die Verschiebung mit 15:5 Stimmen beschlossen. Unterm Strich war die geplante Versetzung des Bauwerks nur ein Puzzleteil im großen Umgestaltungs-Plan, der in der Bürgerbeteiligung entwickelt wurde. Die Wolfratshauser Liste um ihr Stadtrats-Trio Helmut Forster, Dr. Manfred Fleischer und Richard Kugler warben gegen die Versetzung. Die sei nämlich eine „massive Geldverschwendung“ und eine Gefahr für den Brunnen selbst – der „unwiderruflich zerstört“ würde, wie die Gruppierung im Juni erklärte. Damals startete die Liste eine Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren. Zwei Monate später überreichte sie dem Bürgermeister 2500 Signaturen gegen die Versetzung des Brunnens – weit mehr als die 1400 nötigen Unterschriften.

Hans-Joachim Kunstmann, Chef des Werbekreises Einkaufsstadt sieht das Vorgehen der Liste WOR kritisch. „Die Argumente gegen die Brunnenversetzung konnte man in zwei Sätzen zusammenfassen – damit kann man Menschen natürlich einfacher zu einer Meinung bringen als mit einem komplexeren Gesamtbild.“ Wer sich intensiver mit der Thematik auseinandergesetzt habe, „hat bestimmt eine differenziertere Meinung“ zur Causa Marienplatz.

Der Vorsitzende des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen, Ernst Gröbmair ist nach eigenen Worten „überrascht“ davon, „wie einfach in Wolfratshausen eine Mehrheit mit kurzen, fragwürdigen Argumenten zu finden ist“ – Kindern, die direkt an der Bundesstraße spielen würden oder die Sorge, der Brunnen würde „zerbröseln“. Gröbmair hat stets für die Versetzung des Marienbrunnens geworben, weil dann ein zentraler Platz entstehen würde und das Ensemble am Marienplatz sichtbarer würde. Er hat in der Verschiebung einen „kleinen, aber wichtigen Baustein“ gesehen, „im Rahmen der Umgestaltung der Marktstraße mit der Brunnenverschiebung endlich eine deutlich sichtbare Stadtmitte zu bekommen“. Die Wolfratshauser Liste habe „wieder eine Chance für Wolfratshausen verhindert“.

Die Planungen zur Aufwertung der Altstadt sollen weitergehen, wie Bürgermeister Heilinglechner betont. Die Entscheidung des Souveräns werde in die Entwurfsplanung aufgenommen, sprich: Der Brunnen bleibt wo er ist. Diese Möglichkeit hätten die Architekten und Planer schon im Vorfeld berücksichtigt.

Heilinglechner dankt im Gespräch mit unserer Zeitung den Wahlhelfern, die im Rathaus beziehungsweise den Wahllokalen ausharrten. „Der dritte Advent ist kein charmantes Datum“, sagt er. Umso größer sei die Anerkennung für die Leistung der Helfer.

Die hatten ab 18 Uhr viel zu tun: Von 14830 wahlberechtigten Wolfratshausern hat fast die Hälfte abgestimmt: 7125 Menschen machten ihre Kreuze – eine Wahlbeteiligung von 48 Prozent. Für das Bürgerbegehren „Schutz der historischen Altstadt“, also gegen die Verschiebung, stimmten 6163 Menschen (88,57 Prozent). Das Ratsbegehren für die Verschiebung unterstützten 1038 Wähler (16,12 Prozent). Eine klare Angelegenheit war auch die Stichfrage: 86,02 Prozent – 6034 Menschen – votierten für die Beibehaltung des Brunnens an seinem jetzigen Platz.

Update 21:28 Uhr:

Das Ergebnis ist eine Schlappe für Teile des Stadtrats – und ein Erfolg für die Wolfratshauser Liste. Der Vorsitzende der Gruppierung, Helmut Forster, spricht von einem „wahnsinnigen Ergebnis“. Der Ex-Bürgermeister sieht die Abstimmung als Bestätigung. „Wir haben offensichtlich den richtigen Weg gewählt und die Meinung der Bürger vertreten.“ Er sei zwar optimistisch gewesen, dass das Bürgerbegehren letztlich Erfolg haben würde. „Aber mit fast 90 Prozent Zustimmung habe ich nicht gerechnet. Das ist enorm, darüber sind wir sehr glücklich.“

Update 21:20 Uhr:

Rathauschef Heilinglechner richtet Worte des Dankes an die Helfer des Tages: „Der dritte Advent ist kein charmantes Datum, um in Wahllokalen oder dem Rathaus mitzuhelfen. Dafür möchte ich mich bei allen bedanken.“

Update 21:12 Uhr:

Das Ergebnis ist jetzt offiziell: 88,57 Prozent der Wähler unterstützen das Bürgerbegehren. Das Ratsbegehren für die Verschiebung des Brunnens wird mit nur 16,12 Prozent Zustimmung abgeschmettert. Bürgermeister Klaus Heilinglechner sagt gegenüber unserer Zeitung: „Es ist eine demokratische Entscheidung, die wir anerkennen. Es gibt nichts Demokratischeres als einen Bürgerentscheid.“

Update - 20:24 Uhr:

Über 3000 Stimmen sind ausgezählt. Auf fast 90 Prozent dieser Zettel wurde das Bürgerbegehren gegen die Brunnenverschiebung unterstützt. Das Ratsbegehren erfährt deutlich weniger Unterstützung: 16,4 Prozent der bisher ausgezählten Stimmen waren dafür. Drei Briefwahlbezirke haben noch keine Meldung abgegeben.

Update - 20:08 Uhr:

Die Tendenz wird immer klarer. Nun ist auch der erste Briefwahlbezirk ausgezählt, erwartungsgemäß mit vielen Stimmen. Von den inzwischen 1777 gültigen Stimmen haben 1561 das Bürgerbegehren „Schutz der historischen Altstadt“ unterstützt. Das sind über 87 Prozent. Das Ratsbegehren erhielt nur knapp 17,5 Prozent der Stimmen - eine deutliche Niederlage für zeichnet sich immer stärker ab.

Ursprungsmeldung

Wolfratshausen - Wird der Marienbrunnen näher an die B11 geschoben oder bleibt er, wo er ist? Das entschieden die Wolfratshauser heute beim Bürgerentscheid. Nach Auswertung der ersten vier (von zehn) Wahllokalen zeigt sich ein klarer Trend.

In der Stichfrage haben 65 Prozent der Wähler gegen die Brunnenversetzung gestimmt. Noch ist das allerdings wenig aussagekräftig: Es wurden 212 gültige Stimmen gezählt - schon Ende vergangener Woche gab es bereits 5.500 Briefwähler. Diese Stimmen werden noch ausgezählt.

Auch nach der Auszählung von insgesamt 319 Stimmen - es sind etwa zwei Prozent der Wahlberechtigten - ist die Stimmung deutlich. Über 85 Prozent haben für das Bürgerbegehren abgestimmt, etwa 18 Prozent unterstützen das Ratsbegehren. In der Stichfrage haben rund 70 Prozent gegen die Verschiebung votiert. Die Auszählung der Briefwahlstimmen könnte das Ergebnis allerdings noch auf den Kopf stellen, weil deutlich mehr Menschen per Brief gewählt haben.

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