Otterfing - Der Wähler hat gesprochen: Eine sehr deutliche Mehrheit der Otterfinger wünscht sich das neue Sportzentrum weiter am alten Standort Nordring.
Insgesamt 1580 Bürger, das waren über fast 72 Prozent aller abgegebenen Stimmen, stimmten beim Bürgerentscheid am Sonntag für den Vorschlag der Bürgerinitiative – und damit auch gegen eine Verlagerung an die Kreuzstraße. Nur 620 Otterfinger kreuzten "Nein" an auf die Frage: "Sind Sie dafür, dass das neue Sportzentrum am bisherigen Standort für unsere Gemeinde angemessen und finanzierbar entwickelt wird?".
Lag es an der zuletzt sehr aufgeheizten und emotionalen Debatte um den richtigen Standort für das Sportzentrum oder doch am Thema selber? Die Wahlbeteiligung am gestrigen Sonntag jedenfalls lag vergleichsweise hoch. 61 Prozent aller wahlberechtigen Otterfinger, insgesamt 2200, gaben ihre Stimme ab – ein guter Wert für einen Bürgerentscheid. Zum Vergleich: Bei der Kommunalwahl 2014 waren es 65,3 Prozent.
Das Ergebnis überrascht mit seiner überwältigenden Klarheit. Über zwei Drittel der Otterfinger wollen das Sportzentrum am alten Standort belassen. Der Bürgerinitiative um Josef Killer, Hertha Böhner und Christl Stolz ist es gelungen, mit ihren Argumenten und Berechnungen zu überzeugen. Es ist auch ein Sieg des Parteien- Bündnisses von SPD, Grünen und Freien Wählern, die das Bürgerbegehren unterstützt haben.
Die CSU muss einen schweren Dämpfer hinnehmen. Ihr Trumpf, durch die Wohnbau-Verwertung des alten Standorts eine Gegenfinanzierung aufzustellen, zog ganz offenbar nicht. Schon bei der Bürgermeisterwahl 2014 hatte Amtsinhaber Jakob Eglseder gegen Herausforderer Andreas Eichhorn (SPD) nur vergleichsweise knapp gewonnen. Viele Beobachter waren sich einig, dass Eichhorn besonders mit seinem klaren Nein zum Standort Kreuzstraße gepunktet hatte. Eglseder hatte eine klare Positionierung im Wahlkampf damals vermieden.
Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist mindestens ein Jahr rechtlich verbindlich, es wirkt wie ein Beschluss des Gemeinderats. Nach zwölf Monaten erlischt zwar die formale Bindung; angesichts der deutlichen Mehrheit dürfte es den Gemeinderäten aber schwer fallen, selbstherrlich das Ruder herumzureißen.
Aktuelle Stimmen:
Josef Killer, Hertha Böhner, Christl Stolz (Bürgerinitiative Standortfrage Sportzentrum Otterfing): „Die Vernunft und der gesunde Menschenverstand haben sich durchgesetzt. Wir freuen uns über das eindeutige Abstimmungsergebnis. Wir hoffen, dass der Bürgerwille jetzt zügig umgesetzt wird und dass alle an einem Strang ziehen.“
Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU): „Wir haben ein klares Ergebnis. Wir wissen jetzt, in welche Richtung wir arbeiten müssen. Ich hoffe, dass diejenigen, die Vorschläge gebracht haben, diese jetzt auch schriftlich einbringen und wir nicht wieder Gutachten brauchen, die wieder angezweifelt werden. Wichtig ist, alle Vereine einzubeziehen.“
Wolfgang Troidl (Vorsitzender des TSV): „Wir respektieren das Ergebnis, manche Argumente der Bürgerinitiative können wir nachvollziehen. Jetzt freuen wir uns darauf, dass es mit den Sportanlagen in Otterfing endlich vorangeht. Es gibt akuten Handlungsbedarf, wir bieten unsere Mitarbeit an. Mit einer 400-Meter-Bahn und einem Kunstrasenplatz dürfte es am alten Standort aber wohl sehr schwierig werden. “
Andreas Eichhorn (SPD-Fraktionssprecher): „Das Ergebnis ist klar. Wir als Gemeinderat haben jetzt den Auftrag, die Entwicklung am Altstandort Nordring zu planen und umzusetzen. Wir müssen jetzt alle zusammenarbeiten und gemeinsam diesen Bürgerauftrag vollziehen.“
Charly Einwanger (Grüne und Dritter Bürgermeister): „Ich habe mit einem Ja zum Altstandort gerechnet. Das hat sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Jetzt müssen wir das umsetzen, was planerisch und finanziell möglich ist.“
Ulrike Stockmeier (Freie Wähler und Vize-Bürgermeisterin): „Das Ergebnis ist perfekt und eindeutig. Ich bin zufrieden. Ich freue mich vor allem auch, weil die Beteiligung der Bürger an der Abstimmung so hoch ist. Auf der Basis können wir jetzt arbeiten. Der Bürger hat gesprochen. Das ist gelebte Demokratie.“
Von Andreas Höger