Job-Turbo für Kriegsgeflüchtete

Lohn statt Bürgergeld: Jobcenter startet ungewöhnliche Aktion

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Den „Job-Turbo“ für die Ukrainer will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zünden. Vor Ort verantwortlich dafür ist das Jobcenter. Das startet am 27. März den ersten Jobtag in Peißenberg.

Peißenberg – In anderen Ländern ist die Quote der ukrainischen Kriegsgeflüchteten, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen und so ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten, deutlich höher als in Deutschland. Weil das zunehmend kritisiert wird, kündigte Arbeitsminister Heil an, den „Job-Turbo“ zünden zu wollen. Jan Riediger, Chef des Jobcenters im Landkreis, musste nun Wege finden, das Versprechen des Ministers umzusetzen.

Lohn statt Bürgergeld - den Weg dahin soll der „Job-Tag“ des Jobcenters ebnen.

„Job-Tag“: Regionale Unternehmen sollen mit Kunden aus Jobcentern zusammengebracht werden

Die Idee für den „Job-Tag“ wurde geboren. Unternehmen aus der Region, die Arbeits- und Hilfskräfte suchen, sollen mit Kunden des Jobcenters zusammengebracht werden. Dabei wird besonderes Augenmerk darauf gelegt, die Hürden für beide Seiten so niedrig wie möglich zu bauen. Die Idee war daher, wirklich nur Firmenchefs und Bürgergeld-Empfänger aus einer bestimmten Region zusammenzubringen, um von vornherein weite Wege zu vermeiden.

Die erste Veranstaltung wird dabei auch ein Testballon sein, um zu prüfen, ob das Konzept auch in anderen Städten und Gemeinden des Landkreises erfolgreich angewandt werden kann.

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Anmeldezahlen für den ersten „Job-Tag“ seien ermutigend

Bis jetzt sehe es sehr gut aus, so Riediger gestern im Gespräch mit der Heimatzeitung. Bei seinem Vorgänger im Amt, Peißenbergs Bürgermeister Frank Zellner, sei er offene Türen eingelaufen. Und die Anmeldezahlen für den ersten „Job-Tag“, der am 27. März von 12 bis 16 Uhr in der Peißenberger Tiefstollenhalle stattfinden soll, seien „sehr ermutigend“. Insgesamt 13 Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen hätten sich angemeldet – Autohäuser, Handwerker, Handelsunternehmen, Gaststätten, Solaranlagenbauer, Fitnessstudios und Reinigungsfirmen. Dazu suchte das Jobcenter insgesamt 110 motivierte Kunden aus, die zum „Job-Tag“ eingeladen wurden.

Jan Riediger, Chef des Jobcenters

Geplant ist, kleine Gruppen von acht bis zehn Bewerbern zu bilden, die dann jeweils für 15 bis 20 Minuten an die Stehtische der jeweiligen Unternehmen geführt werden, so Riediger weiter. Dort sollen sich die Unternehmen kurz selbst und die Jobs vorstellen, die im Angebot sind. Anschließend sollen Firmenchefs und Job-Center-Kunden ins Gespräch kommen, bestenfalls gleich feste Termine zum Probearbeiten vereinbaren, so Riediger. Das sei der Unterschied zu „normalen“ Jobmessen, bei denen die Besucher einzelne Stände ansteuern können oder auch nicht, bei denen oftmals wenige konkrete Ergebnisse zu verzeichnen sind.

Keine Fachkräfte, aber dringend gesuchte Helfer vermitteln

Beim Job-Tag gehe es weniger darum, ausgebildete Fachkräfte zu vermitteln, sondern eher Quereinsteiger, die im Helferbereich eingesetzt werden können. Wie gut das funktionieren kann, war schon Thema in der Heimatzeitung. Seit mittlerweile etlichen Monaten sind zwei Ukrainer bei der Solarzentrum Oberland GmbH als Hilfskräfte im Einsatz. Sie hätten sich mittlerweile bestens in dem Unternehmen etabliert, so Riediger.

Mittlerweile versuche das Jobcenter, die Ukrainer deutlich früher in Beschäftigung zu bringen als früher. Sobald erste Deutsch-Grundkenntnisse erworben sind, sollen die Geflüchteten arbeiten gehen. Denn die Erfahrung zeige, dass man am Arbeitsplatz schnell die Sprache lerne, um sich mit den Kollegen verständigen zu können. Gleichwohl ist die Veranstaltung morgen in Peißenberg nicht nur für die Ukrainer, sondern für alle motivierten Kunden des Jobcenters.

Schluss mit klassischem Wohnen und Hausbau: Acht alternative Wohnformen in Bayern

Der Wohnraum wird knapper und teurer. Hinzu kommt das steigende Bedürfnis der Menschen nach Nachhaltigkeit und Autarkie. Als Lösung entstehen die verschiedensten alternativen Wohnformen – auch in Bayern. Von den auf Nachhaltigkeit und Autarkie ausgelegten Ökodörfern und Earthships über schnell aufgebaute Fertighäuser bis hin zu Tiny House Siedlungen, die Wohnraum maximal effizient nutzen: Hier finden Sie eine Reihe alternativer Wohnformen, die auch im Freistaat am Kommen sind.
Der Wohnraum wird knapper und teurer. Hinzu kommt das steigende Bedürfnis der Menschen nach Nachhaltigkeit und Autarkie. Als Lösung entstehen die verschiedensten alternativen Wohnformen – auch in Bayern. Von den auf Nachhaltigkeit und Autarkie ausgelegten Ökodörfern und Earthships über schnell aufgebaute Fertighäuser bis hin zu Tiny-House-Siedlungen, die Wohnraum maximal effizient nutzen: Hier finden Sie eine Reihe alternativer Wohnformen, die auch im Freistaat am Kommen sind. © Rolf Poss / teamwork / Stephan Görlich / Westend61 / IMAGO / Merkur-Collage
Im Jahr 2022 kam fast jedes vierte Einfamilienhaus vorgefertigt aus der Fabrik (Quelle: Statistisches Bundesamt).
Im Jahr 2022 kam fast jedes vierte Einfamilienhaus vorgefertigt aus der Fabrik (Quelle: Statistisches Bundesamt). Der Trend der Fertighäuser ist damit unverkennbar, er disqualifiziert sie fast für diese Fotostrecke der kuriosen Wohnmöglichkeiten. Aber eben nur fast – denn kurios mutet es noch immer an, wenn das Eigenheim für die Familie aus der Fabrik kommt und zusammengesetzt wird wie die Legosteine in den Kindheitstagen. Doch genau darum geht es bei den Fertighäusern: Sie werden in Einzelteilen zum gewünschten Ort gebracht, dort fix zusammengesetzt – von Vertragsunterzeichnung bis Montage dauert es gerade einmal sechs bis acht Monate – und fertig ist das Haus. Günstiger als die klassische Variante ist es auch noch. Schnell, preiswert und unkompliziert: die beliebten Stichworte des heutigen Wohnungsmarktes. © Rolf Poss / IMAGO
Dieses Haus ist noch schneller fertig als das Fertighaus – denn es kommt direkt aus dem 3D-Drucker. Im schwäbischen Weißenhorn stand 2021 das erste Mehrfamilienhaus Europas, das aus dem 3D-Drucker kam – inzwischen wohnen Menschen darin. Der Vorteil eines Hauses aus dem Drucker ist vor allem, dass es deutlich schneller geht als beim klassischen Bau. Hinzu kommt, dass umständlichere Designs leichter umzusetzen sind und die Isolation für gewöhnlich deutlich besser ist: In Zeiten hoher Energiekosten ein nicht unwichtiger Faktor. Nur beim Preis scheiden sich die Geister – zwar stimmt es, dass ein Haus aus dem 3D-Drucker grundsätzlich kostengünstiger wäre, nur die hohe Nachfrage nach den so notwendigen wie raren Fachkräften treibt die Preise in die Höhe.
Dieses Haus ist noch schneller fertig als das Fertighaus – denn es kommt direkt aus dem 3D-Drucker. Im schwäbischen Weißenhorn stand 2021 das erste Mehrfamilienhaus Europas, das aus dem 3D-Drucker kam – inzwischen wohnen Menschen darin. Der Vorteil eines Hauses aus dem Drucker ist vor allem, dass es deutlich schneller geht als beim klassischen Bau. Hinzu kommt, dass umständlichere Designs leichter umzusetzen sind und die Isolation für gewöhnlich deutlich besser ist: In Zeiten hoher Energiekosten ein nicht unwichtiger Faktor. Nur beim Preis scheiden sich die Geister – zwar stimmt es, dass ein Haus aus dem 3D-Drucker grundsätzlich kostengünstiger wäre, nur die hohe Nachfrage nach den so notwendigen wie raren Fachkräften treibt die Preise in die Höhe. © teamwork / IMAGO
Earthships (hier am Beispiel eines Fotos aus Puerto Rico) ist ein Konzept, wonach die Gebäude völlig autark sind. Sie bestehen ausschließlich aus natürlichen und recycelten Materialien (zum Beispiel Autoreifen) und sind in Bezug auf Wärme, elektrische Energie, Wasser und Abwasser völlig autark. Das Konzept, ursprünglich in den USA aufgekommen, gibt es inzwischen in immer mehr Ländern. Auch im mittelfränkischen Erlangen befinden sich Earthships in Planung.
Earthships (hier am Beispiel eines Fotos aus Puerto Rico) ist ein Konzept, bei dem die Gebäude völlig autark sind. Sie bestehen ausschließlich aus natürlichen und recycelten Materialien (zum Beispiel Autoreifen) und sind in Bezug auf Wärme, elektrische Energie, Wasser und Abwasser völlig autark. Das Konzept, ursprünglich in den USA aufgekommen, gibt es inzwischen in immer mehr Ländern. Auch im mittelfränkischen Erlangen befinden sich Earthships in Planung.  © Pond5 Images / IMAGO
Auch in Bayern gibt es sogenannten Ökodörfer (Foto zeigt die Gemeinde Beetzendorf in Sachsen Anhalt), zum Beispiel die Gemeinschaft Sulzbrunn. Hier bilden Menschen eine Wohngemeinschaft, bei der Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Bei einem Ökodorf ist es zudem wichtig, dass die meisten Lebensbereiche – wenn nicht gar alle – im Rahmen des Gemeinschaftslebens stattfinden. Also zum Beispiel Arbeit, Bildung, Freizeit, soziale Absicherung, Produktion usw. Fast immer sind Ökodörfer daher landwirtschaftlich ausgerichtet und unterscheiden sich stark von den etablierten arbeitsteiligen Gesellschaften der westlichen Welt.
Auch in Bayern gibt es sogenannten Ökodörfer (Foto zeigt die Gemeinde Beetzendorf in Sachsen-Anhalt), zum Beispiel die Gemeinschaft Sulzbrunn. Hier bilden Menschen eine Wohngemeinschaft, bei der Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Bei einem Ökodorf ist es zudem wichtig, dass die meisten Lebensbereiche – wenn nicht gar alle – im Rahmen des Gemeinschaftslebens stattfinden. Also zum Beispiel Arbeit, Bildung, Freizeit, soziale Absicherung, Produktion usw. Fast immer sind Ökodörfer daher landwirtschaftlich ausgerichtet und unterscheiden sich stark von den etablierten arbeitsteiligen Gesellschaften der westlichen Welt. © Wolfram Weber / IMAGO
In den letzten Jahren waren sie so oft in den Medien vertreten, wie kaum eine andere alternative Wohnform: Tiny Houses. Meist gibt es sie im Rahmen ganzer Siedlungen. Sinn und Zweck des Ganzen sind platzsparendes und damit vor allem preiswertes Wohnen, oft verbunden mit weitgehender Energie-Autarkie, beispielsweise durch installierte Solarpanel auf dem Dach. Tiny Houses biten flächenmäßig nur wenig Wohnraum, durch eine effiziente, oft mehrstöckige Aufteilung sowie mittels multifunktionaler Möbel, die sich im Handumdrehen verstellen oder verschieben lassen, holen die Bewohner das Maximum aus dem Platz heraus. Für viele Experten stellen Tiny Houses daher das Wohnen der Zukunft dar.
In den letzten Jahren waren sie so oft in den Medien vertreten, wie kaum eine andere alternative Wohnform: Tiny Houses. Meist gibt es sie im Rahmen ganzer Siedlungen. Sinn und Zweck des Ganzen sind platzsparendes und damit vor allem preiswertes Wohnen, oft verbunden mit weitgehender Energie-Autarkie, beispielsweise durch installierte Solarpanele auf dem Dach. Tiny Houses bieten flächenmäßig nur wenig Wohnraum, durch eine effiziente, oft mehrstöckige Aufteilung sowie mittels multifunktionaler Möbel, die sich im Handumdrehen verstellen oder verschieben lassen, holen die Bewohner das Maximum aus dem Platz heraus. Für viele Experten stellen Tiny Houses daher das Wohnen der Zukunft dar. © Stephan Görlich / IMAGO
Auch ein Trend, der gerade auf der Überholspur unterwegs ist: Kleingärten, beziehungsweise Schrebergärten. Die Flucht ins Grüne, auch mitten in der Stadt, ist für viele Menschen verlockend. Hinzu kommt, dass der Garten rund um die Laube feines, selbst angebautes Gemüse ermöglicht. Ein Stück Autarkie im konsumgeprägten Leben. Die Nachfrage nach den Lauben in Kleingartensiedlungen ist daher enorm hoch, da die Pachtkosten meist sehr niedrig sind. Einen Haken gibt es aber: Dauerhaft wohnen dürfen die Besitzer und Mieter in den Schrebergärten nicht – das verbietet das Gesetz. Wie viele Menschen sich daran halten, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier.
Auch ein Trend, der gerade auf der Überholspur unterwegs ist: Kleingärten, beziehungsweise Schrebergärten. Die Flucht ins Grüne, auch mitten in der Stadt, ist für viele Menschen verlockend. Hinzu kommt, dass der Garten rund um die Laube feines, selbst angebautes Gemüse ermöglicht. Ein Stück Autarkie im konsumgeprägten Leben. Die Nachfrage nach den Lauben in Kleingartensiedlungen ist daher enorm hoch, da die Pachtkosten meist sehr niedrig sind. Einen Haken gibt es aber: Dauerhaft wohnen dürfen die Besitzer und Mieter in den Schrebergärten nicht – das verbietet das Gesetz. Wie viele Menschen sich daran halten, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier. © Westend61 / IMAGO
Quadratmeter und Besitz reduzieren und ab auf den Campingplatz – für viele Menschen in Bayern wird dieser Schritt regelmäßig zur Realität. Als Dauercamper leben sie dann neben anderen Dauercampern und Touristen. Auf der einen Seite hat man so das ganze Jahr über ein vielfältiges Freizeitangebot, eine oft eingeschworene Nachbarschaft und lebt meist nah an der Natur. Auf der anderen Seite steht natürlich der Verzicht auf verschiedene Komforts, im Winter gibt es zum Beispiel oft kein fließendes Wasser auf Campingplätzen. Im Gegensatz zum Wohnen im Schrebergarten ist das Dauercamping aber – wenn auch bürokratisch kompliziert – ganz legal.
Quadratmeter und Besitz reduzieren und ab auf den Campingplatz – für viele Menschen in Bayern wird dieser Schritt regelmäßig zur Realität. Als Dauercamper leben sie dann neben anderen Dauercampern und Touristen. Auf der einen Seite hat man so das ganze Jahr über ein vielfältiges Freizeitangebot, eine oft eingeschworene Nachbarschaft und lebt meist nah an der Natur. Auf der anderen Seite steht natürlich der Verzicht auf verschiedene Komforts, im Winter gibt es zum Beispiel oft kein fließendes Wasser auf Campingplätzen. Im Gegensatz zum Wohnen im Schrebergarten ist das Dauercamping aber – wenn auch bürokratisch kompliziert – ganz legal. © Kickner / IMAGO
Auch Hausboote gibt es in Bayern – zwar nicht so verbreitet, wie beispielsweise in Hamburg oder den Niederlanden, doch an den meisten größeren Gewässern sind auch im Freistaat welche zu finden. Meistens werden sie aber als Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber angeboten. Vereinzelt gibt es aber auch Menschen, die dauerhaft in einem Hausboot wohnen. Für sie sind die Nähe zu Natur und Wasser, die gute Luft und die meist preiswerten Miet-/Wohnkosten die Hauptgründe für das Leben im Hausboot.
Auch Hausboote gibt es in Bayern – zwar nicht so verbreitet, wie beispielsweise in Hamburg oder den Niederlanden, doch an den meisten größeren Gewässern sind auch im Freistaat welche zu finden. Meistens werden sie aber als Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber angeboten. Vereinzelt gibt es aber auch Menschen, die dauerhaft in einem Hausboot wohnen. Für sie sind die Nähe zu Natur und Wasser, die gute Luft und die meist preiswerten Miet-/Wohnkosten die Hauptgründe für das Leben auf dem Hausboot. © imagebroker / IMAGO

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Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Bihlmayer

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