VonAndreas Steppanschließen
Es klang, als wolle er seinem Nachfolger ein Vermächtnis mit auf den Weg geben. Georg Riesch unterstrich, was er für eines der wichtigsten Themen der nächsten Jahre hält.
Jachenau – Es klang fast, als wolle der Jachenauer Bürgermeister seinem künftigen Nachfolger ein Vermächtnis mit auf den Weg geben. Georg Riesch unterstrich in der jüngsten Gemeinderatssitzung, was er für „eines der wichtigsten Themen der nächsten Jahre“ hält: die Wasserrechte am Walchensee.
Dabei geht es um die vom Staat erteilte Genehmigung, das Wasser rund um den Walchensee ab- und umzuleiten, um es zur Energiegewinnung zu nutzen. Am Krüner Wehr sowie über den Rißbachstollen wird bekanntlich Isar-Wasser abgezweigt, das zunächst die Kraftwerke in Obernach und Niedernach antreibt, dann in den Walchensee fließt und von dort aus über die Turbinen des Walchenseekraftwerks in den Kochelsee stürzt. Als Ausgleich wird über den Loisach-Isar-Kanal bei Wolfratshausen Wasser von der Loisach zurück in die Isar geleitet. Die Rechte für die Eingriffe und die Stromerzeugung wurden bei Inbetriebnahme des Walchenseekraftwerks 1924 vergeben und liegen noch bis 2030 beim Uniper-Konzern.
Wasserrechte am Walchensee: „Es ist unser Wasser, das der Isar entzogen wird“
Damit sich der Vertrag nicht automatisch verlängert, muss der Freistaat 2020 dessen Beendigung ankündigen. Damit eröffnet sich die Gelegenheit, Fragen der Ökologie und des Hochwasserschutzes in dem gesamten Gebiet neu zu regeln.
„Für uns ist das ein ganz wichtiges Thema“, betonte Riesch. „Zum Großteil ist es schließlich unser Wasser, das entzogen wird.“ Der Verein „Rettet die Isar“ führt seit Langem einen Kampf um größere Restwassermengen in der Oberen Isar.
Bei der künftigen Gestaltung der Wasserrechte am Walchensee ist auf Wertschöpfung in der Jachenau zu achten
Auch wirtschaftlich sind die Kraftwerke Obernach und Niedernach für die Kommune vor Ort von entscheidender Bedeutung. „Leidgeprüft“ sei die Jachenau insofern, als Uniper für diese Jachenauer Standorte in manchen Jahren kräftig Gewerbesteuer zahlte, für die dann aber später umso deftigere Rückzahlungen fällig wurden. Den Gemeindehaushalt wirbelte das mehr als einmal kräftig durcheinander.
„Es ist darauf zu achten, dass die Wertschöpfung vor Ort besser gewürdigt wird“, formulierte Riesch ein Ziel für die Neuverhandlung der Wasserrechte. Und dazu müssten die betroffenen Kommunen vor Ort auch die Chance haben, ein Wort mitzureden. „Es darf nicht alles ohne uns am Grünen Tisch entschieden werden.“
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Riesch selbst hat das Thema schon lange auf dem Schirm. So wurde er dazu bereits 2017 im bayerischen Umweltministerium vorstellig. Und auch aktuell suche er im Schulterschluss mit den Bürgermeistern der Nachbargemeinden immer wieder das Gespräch mit der Staatsregierung. Auch mit Vertretern von Uniper habe er sich schon zu einem „sehr interessanten Gespräch“ getroffen.
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Den Jachenauer Bürgermeister treibt dennoch die Sorge um, dass das Thema in der Politik „nicht hoch genug aufgehängt wird“, beziehungsweise dass die Verantwortlichen die notwendigen Entscheidungen „nach hinten schieben“ statt rechtzeitig die Weichen zu stellen.
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Klar ist für Riesch unterdessen: „Es muss sich was ändern, Ökonomie und Ökologie müssen besser im Einklang sein.“ Zu berücksichtigen sei aber auch die Tatsache, dass ein Unternehmer, der wisse, dass er die Wasserrechte in zehn Jahren verliert, wahrscheinlich „nichts mehr investiert“.
