VonStefanie Zipferschließen
Wir haben den fünf Bürgermeisterkandidaten in Dachau, Markus Erhorn, Peter Gampenrieder, Florian Hartmann, Wolfgang Moll und Peter Strauch sechs Fragen, rund um ihre Stadt gestellt.
- In Dachau stehen Markus Erhorn, Peter Gampenrieder, Florian Hartmann, Wolfgang Moll und Peter Strauch zur Wahl des Bürgermeisters.
- Wir haben den Kandidaten sechs Fragen rund um ihre Stadt gestellt.
- Wer ins Rathaus einzieht, entscheidet sich am 15. März.
Dachau - Unsere Redaktion hat die Bürgermeisterkandidaten in Dachau befragt. Gegen Amtsinhaber Florian Hartmann (SPD) treten Markus Erhorn (FW Dachau), Dr. Peter Gampenrieder (ÜB), Wolfgang Moll (WIR) und Peter Strauch (CSU) an. Sechs Fragen - sechs Antworten. Die Kandidaten antworten nach alphabetischer Reihenfolge des Nachnamens.
Markus Erhorn: 31 Jahre, ledig, Verwaltungsinspektor
Peter Gampenrieder: 48 Jahre, verheiratet, Abteilungsleiter eines großen Versicherungsunternehmens
Florian Hartmann: 33 Jahre, verheiratet, Oberbürgermeister
Wolfgang Moll: 55 Jahre, verheiratet, Bauunternehmer
Peter Strauch: 46 Jahre, verheiratet, Vertriebsleiter
Dachau bekommt mit Léognan nun auch eine französische Partnerstadt. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in diese Verbindung?
Markus Erhorn: Dachau liegt im Herzen Europas und hat mit Fondi und Klagenfurt zwei funktionierende Partnerschaften. Ich hoffe, dass die Partnerschaft mit Léognan sich ähnlich positiv entwickeln wird. Langfristig wünsche ich mir eine Partnerstadt in Israel und möchte dies – sollte ich gewählt werden – vorantreiben.
Peter Gampenrieder: Dass eine französische Stadt mit einem Partnerschaftswunsch an uns herangetreten ist, empfinde ich als große Ehre für Dachau. Ich blicke voller Optimismus in die Zukunft und hoffe, dass sich bald noch engere persönliche Beziehungen zwischen Léognan und Dachau entwickeln. Dies ist auch ein gelebter und wichtiger Beitrag zur europäischen Integration.
Florian Hartmann: Mit großer Freude! Die Partnerschaft ermöglicht es Schulen, Vereinen und allen Bürgerinnen und Bürgern mit Unterstützung der Stadt Kontakte nach Frankreich zu pflegen. Léognan ergänzt unsere Partnerschaften mit Klagenfurt und Fondi hervorragend. Auch Oradour hat uns zu dieser Partnerschaft gratuliert.
Wolfgang Moll: Es ist richtig, dass ich mir, gerade als zuständiger Referent im Stadtrat, gewünscht hätte, dass sich die Stadt Dachau mit dieser Städtepartnerschaft, auch und gerade wegen den bereits bestehenden außerordentlichen Beziehungen zu Oradour und dem dortigen Umfeld in Frankreich,noch etwas Zeit lässt. Gleichwohl werde ich die beschlossene Städtepartnerschaft mit Léognan, in welcher künftigen Rolle auch immer, in angemessener Form unterstützen.
Peter Strauch: Ich freue mich natürlich auf die Partnerschaft und bin gespannt, unsere neuen Freunde kennenzulernen. Ich werde mich mit aller Kraft und Freude unserer Freundschaft mit Frankreich annehmen. Ebenso sind mir die gewachsenen Freundschaften im Bereich Zeitgeschichte insbesondere zu Oradour und auch unseren Kulturpartnerstädten ein Herzensanliegen.
Eine gute Fee schenkt den Dachauern einen neuen Bahnhof samt ansprechendem Umfeld. Wie sollte dieses Ensemble Ihrer Meinung nach aussehen?
Markus Erhorn: Ich würde mir eine Pendler-Tiefgarage wünschen. Der Bahnhof sollte über eine leistungsstarke Verbindungsstraße zur Theodor-Heuss-Straße für alle Verkehrsteilnehmer gut erschlossen sein. Außerdem sollte die Fee dafür sorgen, dass zusätzliche Non-Stop-Züge zum Münchner Hauptbahnhof fahren.
Peter Gampenrieder: Ich wünsche mir einen gepflegten und sicheren Bahnhof, an dem man sich gerne aufhält! Dort gibt es neben einem wettergeschützten Busbahnhof für alle städtischen und überregionalen Linien samt sauberen Toiletten auch eine zweite Unterführung für Fußgänger und Radfahrer. Am neuen Bahnhof werden Dienstleistungen und Produkte des täglichen Bedarfs angeboten – in einem für den innerstädtischen Einzelhandel verträglichen Umfang.
Florian Hartmann: Wir brauchen dort einen größeren Busbahnhof. Und keinen Einzelhandel, der den Geschäften in der Unteren Stadt schadet. Davon konnten wir nun auch die Bahn überzeugen. Sie hat sich unserer Meinung angeschlossen. Deswegen brauchen wir dafür auch keine gute Fee mehr, sondern nur noch etwas Geduld. Das Bebauungsplanverfahren ist auf dem Weg.
Wolfgang Moll: Unser Bahnhof wird auch bis ins nächste halbe Jahrhundert hinein die größte Mobilitätsdrehscheibe im Landkreis und ein Verkehrsnadelöhr sein. Insoweit wäre es in meinen Augen zu kurz gedacht, die Planungen des neuen Bahnhofareals nur auf die Art und das Maß der Nutzung der vergangenen Jahre abzustimmen. Aktuell haben wir mit den angrenzenden Arealen des Postgebäudes, der alten Bahnmeisterei und entlang der Frühlingsstraße auf der Westseite sowie auch auf der Ostseite noch ausreichend Flächen und somit hervorragende Handlungsspielräume, das Projekt zukunftsweisend zu gestallten.
Peter Strauch: Aus meiner Sicht ist der neue Bahnhof in erster Linie ein Verkehrsknotenpunkt und muss diese Funktion erfüllen. Hier müssen alle Verkehrsarten harmonisch nebeneinander genutzt werden können. Als Aushängeschild für die ganze Stadt stelle ich mir eine moderne, helle und freundliche Architektur vor, mit viel Grün. Die Planung sollte eine hohe Aufenthaltsqualität berücksichtigen, die jeden Gast herzlich willkommen heißt.
Bürgermeisterwahl 2020 in Dachau: Fünf Kandidaten wollen ins Amt
Ist Dachau bereit für eine alternde Gesellschaft?
Markus Erhorn: Gerade unsere älteren Mitbürger benötigen eine wohnortnahe Versorgung mit Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten. Dieses Thema muss daher zur Chefsache erklärt werden, da hier noch einiges an Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Gerade die Stadtverwaltung ist noch nicht auf eine alternde Gesellschaft ausgelegt: Ich würde mir daher temporäre, barrierefreie Außenstellen in den Stadtteilen wünschen.
Peter Gampenrieder: Als Meilenstein wird auf Antrag der ÜB Betreutes Wohnen auf dem MD-Gelände als Teil des städtebaulichen Vertrags mit Isaria kommen. Wenn ich mir die Wahlprüfsteine der Landesseniorenvertretung anschaue, gibt es noch einiges zu tun – das will ich anpacken! Ich denke beispielsweise an rollstuhlgerechtes Pflaster samt griffgünstigen Geländern in der Altstadt und einen vollkommen barrierefreien ÖPNV.
Florian Hartmann: Noch nicht. Wir brauchen Betreutes Wohnen auf dem MD-Gelände und mehr Pflegeangebote. Zudem mehr Barrierefreiheit. Eine barrierefreie Bushaltestelle vor dem Rathaus hat eine Mehrheit abgelehnt, weil ihr vier Parkplätze wichtiger waren. Barrierefreiheit darf aber keine Gnade sein, sondern moralische Pflicht.
Wolfgang Moll: Ja, selbstverständlich, obgleich noch eine Menge, das wird ja auch vom Seniorenbeirat der Stadt mitunter massiv kritisiert, zu verbessern und grundsätzlich anzudenken ist. WIR unterstützen dabei die Forderungen der Landesseniorenvertretung in Bayern. Es gibt in den Bereichen Mobilität, Wohnen und im Bereich organisierter Nachbarschaftshilfe analog dem Vorbild anderer Kommunen (z. B. Vaterstetten) noch viel Luft nach oben, uns für unsere zu schätzende ältere Generation sinnvoll einzusetzen.
Peter Strauch: Heute, nein! Wir brauchen dringend betreutes Wohnen und neue Wohnformen wie Mehrgenerationen- und Senioren-WGs. Außerdem ist die Mobilität von Senioren sicher zu stellen. Das fängt bei Laufstreifen an, geht über ein günstiges Tages-Bus-Ticket bis hin zu verlängerten Fahrzeiten der Linie 719. Außerdem brauchen wir neue Anlaufpunkte für Senioren, zum Beispiel gemeinsame Mittagessensangebote oder ein gemeinsames Frühstück.
Angesichts der Dimensionen fürchten sich viele Dachauer vor der Bebauung des MD-Geländes. Wie wollen Sie den Bürgern diese Angst nehmen?
Markus Erhorn: Diese Angst kann nur mit einem funktionierenden Verkehrskonzept genommen werden. Wir brauchen ausreichend Stellplätze und genügend Platz für alle Verkehrsteilnehmer, damit die umliegenden Wohngebiete nicht belastet werden. Wenn wir einen bunten Mix aus Wohnen und stillem Gewerbe, Kultur, Gastronomie sowie Erholungsflächen hinbekommen, braucht niemand Angst haben.
Peter Gampenrieder: Ich kann die Ängste vor einer zu intensiven Bebauung sehr gut verstehen. Daher war die jüngste Entscheidung des Stadtrats richtig, die Wohnbebauung zu reduzieren, wenn der „normale“ Stellplatzschlüssel zur Anwendung kommt. Weitere Schritte müssen folgen, um das Wachstum bewusst zu steuern. Dies bedeutet etwa einen höheren Gewerbeanteil mit mehr wohnortnahen Arbeitsplätzen sowie ausreichend Kulturräume und Grünflächen.
Florian Hartmann: Ich habe immer gesagt: Dort darf nichts entstehen, was unserer Stadt schadet. Zum Glück konnte ich mit knapper Mehrheit durchsetzen, dass wir die Geschossflächen jetzt nach unten reduzieren. Denn wir müssen auch die Auswirkungen auf die Verkehrswege in unserer Stadt berücksichtigen.
Wolfgang Moll: Vor diesem Dachauer Jahrhundertprojekt dürfen wir keine Angst haben. Das Maß der Bebauung muss auf ein verantwortbares Maß abgespeckt und aufgelockert werden. Baurecht darf erst erteilt werden, wenn die verkehrliche Erschließung gesichert ist. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass zum Zeitpunkt des Bezuges des Gevierts auch die soziale Infrastruktur vorgehalten werden kann. Es muss ein Mehrwert für die Bürger durch die Schaffung von Kultur- und Freizeitangeboten gesichert werden.
Peter Strauch: Die jetzigen Planungen stellen für mich das Maximum an Bebauung dar, sind aber noch nicht zu Ende diskutiert. Wir dürfen hier keine Experimente machen und auch keine Geschenke an den Investor verteilen. Ich meine damit zum Beispiel die 0,8 Stellplätze pro Wohnung, egal wie groß diese ist. Aus Meiner Sicht darf die Bebauung nur Stück für Stück erfolgen und auch nur dann, wenn die verkehrliche Situation vorher geregelt ist!
Bürgermeisterwahl 2020 in Dachau: Sechs Fragen - sechs Antworten
Zuletzt verliefen im Stadtrat viele Entscheidungen entlang der Parteigrenzen. Wird es wieder Zeit für mehr Miteinander in der Dachauer Kommunalpolitik?
Markus Erhorn: Definitiv! Leider versucht insbesondere das rot-grüne Lager regelmäßig Dachaus Bürger gegeneinander auszuspielen (zum Beispiel Fahrradfahrer gegen Autofahrer). Diesen Trend der vergangenen Jahre müssen wir schnellstmöglich stoppen. Ich rufe daher allen Mitbewerbern zu: Lasst die Parteibücher und Ideologien zu Hause, lasst uns gemeinsam die Probleme sachlich diskutieren!
Peter Gampenrieder: Die ÜB trägt den Begriff der Überparteilichkeit bereits seit 60 Jahren in ihrem Namen. Wir streben seit jeher keine festen parteipolitischen Bündnisse an, sondern themenbezogene Kooperationen. Wir freuen uns auf eine rein inhaltlich orientierte Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften in der nächsten Stadtratsperiode und gerne auch auf mehr Miteinander.
Florian Hartmann: Politik lebt vom Miteinander. Allerdings habe auch ich in den letzten Monaten wahrgenommen, dass Entscheidungen weniger zum Wohl der Stadt als zum Vorteil im Wahlkampf getroffen wurden. Mehrmals wurde leider auch mit falschen Zahlen gearbeitet. Das ist nicht mein Stil, und ich gehe davon aus, dass sich das auch bald wieder ändern wird.
Wolfgang Moll: Selbstverständlich haben insbesondere ausschließliche Parteiinteressen oder gar ideologisch geprägte Forderungen gerade in der Kommunalpolitik nichts zu suchen! „Wir“ stehen von Anbeginn für eine bürgernahe, von herkömmlichen Parteistrukturen losgelöste Vertretung und Durchsetzung der Interessen für Stadt und Landkreis Dachau. Ich werde mich dafür einsetzen, dass auch unsere kommunalpolitischen Mitbewerber sich mehr um Themen und konsensfähige Entscheidungen kümmern.
Peter Strauch: Ist das denn so schlimm? Dafür gibt es nun einmal unterschiedliche Parteien und Gruppierungen. Wir haben unsere Überzeugungen, andere haben die ihren. So lange der politische Wettstreit um die besten Lösungen und Konzepte geht und auch Kompromisse möglich sind, profitieren am Ende alle davon. Was mir nicht gefällt, ist, dass die Auseinandersetzung teils recht ideologisch geführt wird. Keiner hat per se das Recht oder die Moral auf seiner Seite.
Oberbürgermeister zu sein ist kein Job, der um 9 Uhr beginnt und um 17 Uhr endet. Warum wollen Sie sich dieses kraftraubende Amt dennoch antun?
Markus Erhorn: Ich wurde ebenso wie meine Eltern und Großeltern in Dachau geboren, bin hier fest verwurzelt und in den unterschiedlichsten Heimat- und Brauchtumsvereinen aktiv. Oberbürgermeister ist in meinen Augen daher kein Job, sondern eine Herzensangelegenheit. Als solcher werde ich versuchen, das Amt ab Mai 2020 auch mit Herz und Verstand bestmöglich auszufüllen.
Peter Gampenrieder: Bereits meine heutige berufliche Tätigkeit spielt sich nicht nur zwischen 9 und 17 Uhr ab. Hinzu kommt mein Stadtratsmandat. Für mich gilt: Wenn Engagement sinnstiftend ist, dem Gemeinwohl dient und dazu noch persönlich Freude bereitet, dann darf es ruhig auch mal etwas länger dauern. Zum höchsten Amt der Stadt gehört voller persönlicher Einsatz.
Florian Hartmann: Weil OB von Dachau zu sein für mich der schönste Job der Welt ist. Dachau ist meine Heimatstadt, und für die will ich weiter Verantwortung übernehmen. Die Unterstützung aus der Bevölkerung empfinde ich als überwältigend. Sie ist für mich eine große Motivation. Da arbeite ich gerne auch länger.
Wolfgang Moll: Weil ich mich als langjähriger gewählter Bürgervertreter und in der Gesellschaft Dachaus verankerter Leistungsträger – familienbewusst, Unternehmer, über 30 Jahre im Vereinsvorstand tätig – gerne für unsere Stadt und unseren Landkreis einsetze und mich in der Pflicht sehe, gerade in Zeiten wie diesen Verantwortung für den in unseren Augen erforderlichen Wandel im Rathaus zu übernehmen.
Peter Strauch: Weil ich Dachau liebe! Ich mag die Menschen in Dachau, die Kultur, ich spreche die gleiche Sprache und ich kenne die Dachauer Themen. Aus diesem Grund kann ich mir gut vorstellen, dass es zwar anstrengend, aber auch sehr erfüllend ist, Oberbürgermeister meiner Heimatstadt zu sein. Ich möchte Dachau weiterentwickeln und ich möchte dass auch meine Kinder einmal sagen können: „Hier in Dachau ist es so schön, da will ich bleiben, gut gemacht Papa!“
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