Kommunalwahl 2020

Podiumsdiskussion in Egenhofen: Verwaltungsprofi kontra Netzwerker

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Gleich geht’s los: Robert Köll (Bürgervereinigung Gesamtgemeinde Egenhofen) und Martin Obermeier (Neue Liste Egenhofen, r.) mit Tagblatt-Redakteurin Helga Zagermann, die die Podiumsdiskussion in der Mehrzweckhalle Aufkirchen moderierte.
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Wer soll Nachfolger von Josef Nefele und erster hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Egenhofen werden? Vor ihrer Wahlentscheidung wollten viele Bürger wissen, was die beiden Kandidaten Robert Köll und Martin Obermeier vorhaben. Antworten gab’s bei einer Podiumsdiskussion des Brucker Tagblatts.

Egenhofen Als Martin Obermeier (Neue Liste Egenhofen/NLE) und Robert Köll (Bürgervereinigung Gesamtgemeinde Egenhofen/BGE) auf dem Podium in der Mehrzweckhalle in Aufkirchen Platz nahmen, war im Publikum bereits jeder Stuhl besetzt. „Die volle Halle zeigt, wie wichtig das Thema ist“, sagte Tagblatt-Redakteurin Helga Zagermann, die als Moderatorin durch den Abend führte.

In ruhiger Atmosphäre lieferten sich die Kandidaten eine sachliche Diskussion. Allerdings gab es auch kaum wirkliches Konfliktpotenzial zwischen Köll (57) und Obermeier (61). Beide haben seit vielen Jahren mit der Entwicklung Egenhofens zu tun – Köll als Amtsleiter im Rathaus, Obermeier als Gemeinderatsmitglied.

Neues Rathaus

Einig sind sich beide beim Rathaus-Neubau. Er lade alle Skeptiker ein, sich die beengten Verhältnisse im derzeitigen Gebäude anzusehen, sagte Köll. Mittlerweile habe sogar der einzige Sozial- und Besprechungsraum in ein Büro umgewandelt werden müssen. Finanziert werden könne das rund 4,5 Millionen Euro teure Projekt durch eine Kombination aus Rücklagenentnahme und Darlehen. Eine größere Zahl an Grundstücken zu verkaufen, wie von Obermeier ins Gespräch gebracht, sei nicht notwendig. Die Entscheidung wird der neue Gemeinderat treffen. Obermeier will, dass das neue Rathaus „einen Mehrwert für die Bürger hat“, indem etwa der Sitzungssaal für kleinere Veranstaltungen genutzt werden kann.

Bürgerbeteiligung

Die Meinungen und Wünsche von Bürgern und Vereinen einzubeziehen, versprachen beide Bewerber, als es um die Gestaltung des Dorfplatzes in Unterschweinbach ging. Hier ist die Bürgerbeteiligung allerdings ohnehin vorgeschrieben, da die Maßnahme im Rahmen der Dorfentwicklung gefördert werden soll. Doch auch sonst wollen beide die Bürger mehr zu Wort kommen lassen. „Ich würde mir als Bürgermeister Zeit für Gesprächsrunden mit Bürgern nehmen“, kündigte Köll an. Zum Dialog mit einem Seniorenbeirat sollen Beratungen mit der „Generation 55 plus“ hinzukommen sowie jedes Jahr ein Gedankenaustausch mit Ehrenamtlichen. Über Projekte informieren will der BGE-Bewerber die Bürger mit Hilfe ausführlicher Berichte im Mitteilungsblatt und einer neuen Gemeinde-Homepage.

Obermeier will nach Maisacher Vorbild „jährlich zu den Vereinen gehen“, um deren Anliegen zu erfahren. Wichtig seien auch Klausurtagungen zur Formulierung gemeinsamer Ziele. „Das müssen Veranstaltungen mit sehr wenig Vortrag und sehr viel Diskussion sein.“ Über Konkretes wie das Baurecht in Weilern oder die Ansiedlung eines Netto-Marktes in Egenhofen will der NLE-Kandidat das Gespräch mit den betroffenen Bürgern suchen.

Neuer Netto?

Stichwort Netto-Markt: Unterstützen die Bewerber eine Ansiedlung oder nicht? Beide wollten sich nicht festlegen, klangen aber eher skeptisch. Obermeier führte den Flächenverbrauch und den geringen Nutzen einer Einkaufsmöglichkeit am äußersten Rand der Gemeinde an, Köll die Belastung durch den zusätzlichen Verkehr und die Auswirkungen auf die vorhandenen Läden. Und auch der Grundstücksverkauf bedeute für die Gemeinde „keinen großen Reibach“.

Bei den Bürgern scheint das Interesse gering zu sein. Auf die Frage der Moderatorin, wie viele Zuhörer den Netto nutzen würden, hoben sich nur wenige Hände.

Glonnau-Zugang

Ein Thema, das viele Egenhofener beschäftigt, ist der Zugang ins Erholungsgebiet Glonnau. Dass Köll als Amtsleiter dem Abriss der Freigraben-Brücke durchs Wasserwirtschaftsamt zugestimmt hatte, ohne den Gemeinderat zu informieren, nehmen ihm einige immer noch übel, obwohl er den Fehler längst eingeräumt hat. „Ein direkter Zugang soll wieder möglich werden“, versicherte Köll. Man müsse aber „ökologische, wirtschaftliche und juristische Aspekte“ berücksichtigen. Obermeier will, dass „im Laufe des Jahres“ eine Lösung gefunden wird.

Ortsentwicklung

In Sachen Ortsentwicklung wünscht sich Obermeier einen moderaten Zuwachs an Gewerbe – und die Schaffung von mehr Mietwohnungen, gerade für junge Leute, „in Zeiten, in denen ein Einfamilienhaus zwischen 750 000 und einer Million Euro kostet“. Köll strebt eine Neuaufstellung des Flächennutzungsplans, die Ausweitung der Gewerbegebiete in Unterschweinbach und Rottenfuß sowie ein organisches Bevölkerungswachstum bis maximal ein Prozent pro Jahr an.

Werbung für Gegner

Die letzte Frage von Moderatorin Helga Zagermann hatte es in sich. Sie wollte von den beiden wissen, warum der jeweils andere ein guter Bürgermeister wäre. Ebenso fair, wie die Diskussion verlaufen war, fielen die Antworten aus. Köll bezeichnete Obermeier als „kommunikativen Menschen, der es versteht, die Interessen der Bürger zu vertreten, und Gehör bei der Bevölkerung findet“. Obermeier lobte Köll wegen seines Verwaltungswissens und seiner präzisen Art.

Fragen der Zuhörer

Viele Bürgerfragen folgten auf den Diskussionsblock. „Was passiert mit dieser Halle?“, wollte eine Abteilungsleiterin des FSV Aufkirchen wissen. Im Raum steht eine Sanierung, die Obermeier mit den Nutzern und Bürgern diskutieren möchte. Köll kann sich auch einen Teil- oder Komplettneubau vorstellen. Ein Bürger kritisierte die Kosten des neuen Rathauses, während bereits ein Investitionsstau bei Straßen- und Gebäudesanierungen bestehe. Ein anderer vermisste eine Zukunftsvision für die Gemeinde und befürchtete, Egenhofen verliere den Anschluss an die Großräume München und Augsburg. Ein zu starkes Wachstum lehnen aber beide Bewerber ab. Den Radweg von Aufkirchen nach Nannhofen, auf den viele warten, werde der Landkreis bauen, sagte Obermeier. Voraussetzung sei, dass die Gemeinde den notwendigen Grund erwerben könne. Beide Bewerber wollen in der Gemeinde weitere Radwege realisieren.

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