VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Kurz und schmerzlos: So lief die Nominierung des Tölzer SPD-Bürgermeisterkandidaten Michael Ernst am Mittwochabend. Das hat er vor.
Bad Tölz – Es war eine klare Sache: Alle 15 stimmberechtigten Genossen kürten Michael Ernst am Mittwochabend im „Kolberbräu“ zu ihrem Bürgermeisterkandidaten. Genauso einstimmig hatten sie ihn erst im Oktober zu ihrem Ortsvorsitzenden gewählt. Der 39-Jährige hofft auch in den kommenden elf Monaten auf breite Unterstützung. „Das wird kein einfacher Wahlkampf.“
Zuvor hatte sich der Vater von zwei Kindern, der Vizevorsitzender beim Turnverein ist, ausführlich vorgestellt. Ihm sei schon klar, dass es einige vermeintliche Voraussetzungen für das Bürgermeisteramt nicht erfülle, sagte Ernst. „Ich bin weder hier geboren noch spreche ich Bairisch. Weder bin ich katholisch noch war ich im Stadtrat oder politisch engagiert“, sagte der in Sachsen-Anhalt aufgewachsene gelernte Zimmerer, der später eine Lehre als Bankkaufmann absolvierte. In diesem Beruf arbeitet er auch heute – momentan in Penzberg, ab Juli in Bad Tölz. „Ich weiß, welches Potenzial diese Stadt hat. Was in Tölz alles geht, was nicht geht und was alles gehen könnte“, sagte Ernst. Er sei neugierig auf Themen, auf Herausforderungen, auf die Menschen. „Ich habe Spaß daran, Lösungen zu entwickeln. Ich möchte Altbewährtes beibehalten, aber auch neue Wege wagen.“
SPD-Kandidat für Bürgermeisterwahl 2020 in Bad Tölz: Ein „ideenreicher gesunder Spinner“
Freunde würden ihn mit den Worten „zuverlässig, konsequent, humorvoll, ideenreicher gesunder Spinner“ beschreiben, sagte Ernst. Seine Schwester sage über ihn, er sei ein Macher. „Bei allem Machen kann einem immer ein Fehler unterlaufen. Wer keine Fehler macht, erleidet Stillstand. Wichtig ist mir, aus meinen Fehlern zu lernen und es dann besser zu machen.“
Auch wenn der 39-Jährige gerade erst an seinem Programm für den Wahlkampf arbeitet, hat er bereits einige Themen abgesteckt, die ihn bewegen. Ganz oben stehen bezahlbare Mieten und Wohnraum für jeden Geldbeutel. „Das Problem zu lösen wird nicht einfach“, bekannte Ernst. Wenn man es gemeinsam anpacke, finde man aber bestimmt einen Weg. Darauf „alle Beteiligten mit ins Boot zu holen“, setzt der SPD-Kandidat auch beim Thema Tourismus und Hotelentwicklung. Ernst möchte sich für Chancengleichheit einsetzen. „Egal, aus welchem Umfeld jemand kommt: Jeder sollte die gleiche Chance auf Bildung bekommen.“ Der Kampf gegen die Politikverdrossenheit liegt dem 39-Jährigen ebenfalls am Herzen. Deshalb setzt er sich unter anderem für ein Wahlrecht ab 16 ein.
SPD-Kandidat für Bürgermeisterwahl 2020 in Bad Tölz: Kandidatenliste offen für Nicht-Mitglieder
Ernst möchte möglichst viele Menschen motivieren, sich aktiv in die Politik einzubringen. Da 2020 viele altgediente Stadträte aufhören, steht dem Gremium ein großer Umbruch bevor – „ein Austausch an Persönlichkeiten, die neue Ideen und hoffentlich neuen Schwung mitbringen“. Um nicht zu reden, sondern auch Dinge umzusetzen, brauche es Macher. Ernst wünscht sich daher, dass sich viele Bürger für eine Kandidatur auf einer der Stadtratslisten entscheiden. Wer das auf der SPD-Liste tun möchte, muss übrigens kein Parteimitglied sein. In der Versammlung wurde die Öffnung der Liste für Nichtmitglieder beschlossen.
„Ich finde es klasse, dass Du dich für die SPD zur Verfügung stellst“, sagte Stadträtin Camilla Plöckl. Sie sei froh, dass es noch Menschen wie Michael Ernst gebe. „die sich mit so viel Herz für etwas einsetzen“. Kreis-Chef Wolfgang Werner schloss sich dem an. Eine starke Tölzer SPD sei auch ein Gewinn für den Kreisverband. Er bat darum, dass Ohr immer nah am Bürger zu haben. „Dabei muss man ihm aber nicht immer nach dem Mund reden.“
Vor der SPD hatte bereits die CSU mit Ingo Mehner ihren Kandidaten nominiert. Anfang Mai werden die Frei Wähler Michael Lindmair aufstellen. Auch die Grünen haben eine Kandidatur angekündigt. Dass es so viele Bewerber für die Nachfolge von Josef Janker (CSU) gibt, findet Ernst positiv. „Das stärkt die Demokratie.“
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