Er ist erst 23 Jahre alt

Nun also doch: Bayernpartei nominiert Überraschungkandidat

Erst wollte sie nicht, jetzt tut sie’s doch. Mit Simon Brown schickt nun auch die Bayernpartei einen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt in Garmisch-Partenkirchen ins Rennen.

  • Nun gibt es sechs Bürgermeister-Kandidaten in Garmisch-Partenkirchen.
  • Simon Brown (23) ist Kandidat der Bayernpartei.
  • Er ist erst seit Sommer Parteimitglied und hofft auf Wähler, die eine Alternative zu den „alten Hasen“ suchen.

Garmisch-Partenkirchen – Damit hat wohl niemand gerechnet. Noch vor wenigen Monaten schloss die Bayernpartei eine Kandidatur für den Chefsessel im Garmisch-Partenkirchner Rathaus kategorisch aus. Jetzt die Überraschung. Für den plötzlichen Sinneswandel hat ein frisches Parteimitglied gesorgt. „Der junge Bursch hat sich gut engagiert, seit dem er bei uns ist“, sagt Andreas Grasegger, der zusammen mit Hubert Filser für die Bayernpartei im Marktgemeinderat sitzt.

Für den Neuling sei es unverständlich gewesen, dass sich seine Partei nicht mit einem Bürgermeisterkandidaten an der Kommunalwahl 2020 beteiligt. „Ob er sich das denn vorstellen könnt’, habe ich ihn gefragt“, sagt Grasegger. Lange überlegen musste er nicht. „Keine Minute“, sagt der ledige Notarfachangestellte. Sein junges Alter sieht er nicht als Nachteil. Im Gegenteil: „Ein neues Gesicht hat durchaus Chancen“, ist Brown überzeugt.

An Selbstbewusstsein fehlt es ihm jedenfalls nicht, wohl aber an kommunalpolitischer Erfahrung. In Garmisch-Partenkirchen geboren und zum Großteil auch aufgewachsen, hatte er bisher keine Berührungspunkte zur Politik. Auch seine Familie nicht. Da sein Großvater sowohl in Garmisch-Partenkirchen als auch in Gera eine Steuerkanzlei unterhielt, hat er auch zeitweise in Thüringen gelebt. 2015 ist er wieder in seine Heimat zurückgekehrt, seinen Arbeitsplatz hat er bei einem Notar in Wolfratshausen.

Bürgermeisterwahl 2020 in Garmisch-Partenkirchen: Simon Brown trägt sogar während der Arbeit Tracht

Sein Eintritt in die Bayernpartei sei voller Überzeugung erfolgt. „Tradition und der Erhalt unserer Kultur sind mir sehr wichtig“, sagt er. Kein Lippenbekenntnis, sondern eine Herzensangelegenheit. Dass er sogar im Büro und im Alltag Tracht trägt – für ihn selbstverständlich. Auch sein Engagement als Schriftführer beim Trachtenverein Die Werdenfelser Partenkirchen sieht er als ein Zeichen „gelebten Brauchtums“ an.

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Wenig bayerisch klingt dagegen sein Nachname. Den hat er von seinem Adoptivvater – einem ehemaligen amerikanischen Soldaten – übernommen. „Ich bin mit ihm aufgewachsen und fühle mich mit ihm sehr verbunden. 2017 habe ich ihn gefragt, ob ich auch seinen Namen tragen darf“, erzählt er. Seit drei Wochen heißt er nicht mehr Dönges, sondern Brown. Daran muss er sich noch gewöhnen, und manchmal rutscht ihm am Telefon noch ein „Dönges“ heraus.

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„Gedient“ hat er auch – als freiwilliger bei der Bundeswehr. Mit „Leib und Seele“ ist er heute Reservist im Gebirgsaufklärungsbataillon 230 in Füssen. In seiner Freizeit macht er sich als Lektor und Kommunionsspender bei der katholischen Pfarrei Maria Himmelfahrt verdient. Zudem ist er Mitglied in der Kolpingfamilie Partenkirchen. Wandern mag er auch. Am liebsten über die Esterbergalm auf „unseren Hausberg, den Wank“.

Bürgermeisterwahl 2020 in Garmisch-Partenkirchen: Wahlprogramm der Bayernpartei wird am 28. November vorgestellt

Gefragt nach seinem Wahlprogramm, verweist Brown auf die Versammlung am Donnerstag, 28. November. „Da besprechen wir alles“, sagt Grasegger. Nur so viel will er verraten: Der Klimawandel, die E-Mobilität und die Landwirtschaft stehen auf der Agenda. Ebenso ein Gewerbegebiet für Handwerker. „Da gibt’s noch nichts bei uns.“ Grundsätzlich sollen nach seinem Dafürhalten die Bürger mehr in die Entscheidungen der Gemeinde eingebunden werden. Diese sollen bei einer Wahlkampfveranstaltung befragt werden, wo ihnen der Schuh drückt.

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Mit Brown sind es nun sechs Bürgermeister-Kandidaten in Garmisch-Partenkirchen: Neben der Amtsinhaberin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) treten Elisabeth Koch (CSU), Martin Schröter (FDP), Lilian Edenhofer (Freie Wähler) und Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen) im März 2020 an. Möglicherweise gibt es aber weitere Überraschungskandidaten. „Man munkelt, dass noch was von AfD kommt“, berichtet Grasegger. „Aber wissen tu’ ich nichts Konkretes.“

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Die Alternative für Deutschland kam gestern im Gasthof Rassen zu ihrer Mitgliederversammlung zusammen. Natürlich ohne die Medien dazu einzuladen.

VON THOMAS KARSCH

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