Bürgermeisterwahl 2020

Uffinger Bürgermeisterwahl: WGU hebt Thomas Hartmann auf den Schild

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Neuer Abschnitt: Thomas Hartmann, jetzt Uffinger Bürgermeister-Kandidat, mit seiner Frau Beate.

Nun ist es offiziell: Thomas Hartmann bewirbt sich für die Wahlgemeinschaft Uffing (WGU) ums Bürgermeisteramt. Mit 86 Prozent der Stimmen wurde der Doktor der Physik zum Kandidaten gekürt.

Uffing – Ein Abend, der vier Stunden verschlingt, braucht seinen Helden. Vor allem, wenn das Volk solch quälend lange vier Stunden ausharrt. Der Mann, der den Saal im Gasthof Zur Post als Entertainer beglückte, heißt Josef Diepold. Seine Frau Jutta steht immer im Herbst auf der Theater-Bühne, im aktuellen Stück als Schwester Pankratia. Was soll man sagen: Die Uffinger lieben die Metamorphosen der Jutta Diepold. Ihr Mann verfügt über ähnliches Talent. Das war große Unterhaltung, als er etwa seinen urlaubenden Sohn Alexander den Gästen der Aufstellungsversammlung der Wahlgemeinschaft Uffing (WGU) vorstellte. „Mal schnell aus Neuseeland herfliegen, ging leider nicht“ – der Saal lachte.

Die Rolle des Unterhalters ist dagegen keine für Thomas Hartmann. Der Doktor der Physik bewirbt sich um das Bürgermeister-Amt. In der Versammlung stimmten 74 der 86 Wahlberechtigten (86 Prozent) für ihn. Er wird diese Wahl nicht gewinnen, weil er die besten Sprüche auf Lager hat oder die lautesten Reden schwingt. Wenn er denn ins Rathaus einziehen sollte, dann weil Uffing einen klugen, sachlichen Mann möchte, der mit Argumenten und nicht mit Parolen Stimmen fängt.

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Die Bewerbungsrede charakterisierte den Vater von drei Kindern ganz passend. Kurz solle sie sein, betonte Hartmann. „Auch wenn dem Bürgermeister-Kandidaten ein paar Minuten mehr Sendezeit zustehen.“ In seine Fünf-Minuten-Vorstellung packte er tatsächlich alles, was man über ihn wissen muss: Aufgewachsen auf einem Bauernhof, studiert in München und England, gearbeitet in Baden-Württemberg und Thüringen, sozialisiert im Trachtenverein, ein Musik-Narrischer und Gruppenleiter der ersten Stunde.

Als Hartmann über seine Zeltlager-Zeit sprach, drang durch, was für ein Typ Bürgermeister er werden könnte: ein Moderator, der Meinungen der Kollegen schätzt, kein Alpha-Männchen, das eine ganze Herde – den Gemeinderat – mit sich zieht. „Das schöne am Zeltlager ist, dass niemand in eine Schublade gesteckt wird. Man ist einfach beinand.“

Überraschung auf der Gemeinderatsliste: Polit-Neuling erobert Platz vier

Uffing lernte Hartmann kennen, nicht aber sein Wahlprogramm. Die WGU – derzeit größte Fraktion im Gemeinderat mit 8 von 14 Sitzen – erstellt es in den nächsten Wochen. Zunächst wollte die Wahlgemeinschaft Personalfragen klären. Ihre Liste an Gemeinderats-Kandidaten umfasst 14 Bewerber, darunter sechs aktuelle Räte.

Die Reihenfolge überrascht zum Teil gewaltig. Gemeinderat Hubert Schwingshandl erhielt nur 47 Stimmen, landete auf dem vorletzten Platz. Polit-Neuling Albert Huber (übrigens auch ein Zeltlager-Veteran) platzierte sich auf Anhieb auf Rang vier.

Diepold freute sich über die „gute Liste“, noch mehr über das irrsinnige Interesse. „Ich bin positiv perplex“, betonte er. Über 200 Zuhörer kamen in die Post. Vor Beginn schleppten sie Stühle aus dem Schützensaal herbei. Ein Teil saß im Eingangsbereich vor dem Saal. „Ich werte das als Interesse an der Wahlgemeinschaft“, sagt Hartmann. Wolfgang Hirschvogel von der konkurrierenden Liste „Wir für Uffing“ mutmaßte dagegen, dass viele Gäste eine Wahlkampf-Veranstaltung erwartet hatten. Nach der Einführung ging nämlich ein Teil wieder.

Sicher wären mehr daheim geblieben, wenn sie vom Bürokratie-Wahnsinn gewusst hätten, den eine Aufstellungsversammlung mit sich bringt. Erst gegen 22 Uhr – nach über zwei Stunden – stellte sich Hartmann vor. Die restliche Zeit war man mit dem Einsammeln, Zählen und dem Verwalten aller Formalitäten beschäftigt. Als Versammlungsleiter Georg Pantele gegen 23.30 Uhr verkündete, es gebe „keine Stichwahl mehr“, klatschte der nurmehr halb gefüllt Saal. Vor Erleichterung.

Andreas Mayr

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