Mit einem Rückblick auf die Feierlichkeiten im vergangenen Jahr startete Miesbachs Rathauschefin Ingrid Pongratz in die Bürgerversammlung – ein wohl bewusst gewählter positiver Einstieg in eine Zusammenkunft, die zwischenzeitlich von einigen Kontroversen geprägt war.
Zum Einstieg erst mal die schönen Erinnerungen, denn ohne kritische Themen kam die Bürgerversammlung nicht aus. Beim Thema Wasserschutzzone blieben sogar Zwischenrufe anwesender Stadträte nicht aus, und die Not an Kinderbetreuungsplätzen hatte auch einige Eltern in den Miesbacher Bräuwirt gelockt.
Nach dem Rückblick auf das Jubiläum 100 Jahre Stadterhebung und die Aufführungen der „Rumplhanni“ sprang Bürgermeisterin Ingrid Pongratz zum Katastrophenfall im Januar 2019. Eine „kluge und vorausschauende Entscheidung“ habe das Landratsamt gefällt, als es den K-Fall ausgerufen habe, stellte sie fest. Letztlich profitiert auch die Stadt davon, denn so kann sie hoffen, dass ihr ein Teil des Geldes erstattet wird, den der Winterdienst 2018/19 gekostet hat. Auf knapp 350 000 Euro beläuft sich allein die Summe, die der Kreisstadt durch Fremdleistungen während des K-Falls entstanden ist.
„Wie viel wir davon zurückbekommen, ist noch nicht klar“, erklärte Pongratz. Miesbach kann das Geld auf alle Fälle gut brauchen, denn es sind einige Bautätigkeiten geplant. Dabei wird es heuer aber nicht nur um die Finanzierung von Projekten gehen. Es sei auch fraglich, ob sich Baufirmen finden, die Aufträge übernehmen, machte Pongratz klar und verwies darauf, dass in Holzkirchen die Erweiterung des Kindergartens gescheitert sei, weil nach der Ausschreibung kein Unternehmen ein Angebot abgegeben habe (wir berichteten). Sie habe deshalb Zweifel, ob der Umbau des Klosters in ein Kinderhaus so schnell wie geplant realisiert werden könne, gab Pongratz zu.
Dabei ist gerade die Kinderbetreuung ein brenzliges Thema in Miesbach. Das wurde bei der Versammlung sehr deutlich. Einige Eltern waren extra deswegen gekommen und forderten mit Nachdruck, dass sich die Stadt um mehr Betreuungsplätze bemühen müsse.
Ein kleineres Bauprojekt wird wohl keine Probleme machen: der Neubau der Klostermauer. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts müsse die Mauer bis Ende Juni errichtet werden. Aber sie solle so gebaut werden, dass für die Schulkinder auf dem Gehweg größtmögliche Sicherheit bestehe, versprach Pongratz.
Die Bürgermeisterin ist offensichtlich auch mit der Umgestaltung des Marktplatzes nicht glücklich. „Ist er schöner, zweckdienlicher und verkehrssicherer geworden?“, fragte sie. Kuh und Kälbchen kämen bei den Kindern als Spielgeräte und bei den Touristen als Fotomotiv gut an, und die Geschwindigkeit des Verkehrs habe sich reduziert, gab sie zu. Der Bücherschrank und die E-Ladesäule werden ihrer Meinung nach aber nicht ausreichend angenommen.
Dass nicht alle Bürger dieser Meinung sind, machte das Raunen an einigen Tischen deutlich. „Es wird noch Justierungen geben“, kündigte Pongratz an. Im Sommer werden die Bürger dann nach ihrer Meinung gefragt. Was dabei nicht zur Diskussion stehen wird, ist die neue Aufstellung der Stände bei den Märkten. Sie sei geändert worden, um eine drei Meter breite Rettungsgasse zu garantieren, erklärte die Bürgermeisterin. Mit Beschlüssen des Stadtrats habe das nichts zu tun.
Themen, mit denen sich der Stadtrat vielleicht beschäftigen wird, könnten aber andere Punkte aus der Bürgerversammlung sein – etwa ein Antrag auf eine Feinstaubmessung in der Silvesternacht. Auch darf sich das Gremium wohl auf viele Besucher in seiner nächsten Sitzung am 9. Mai einstellen. Dann soll die kurzfristige Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen auf den Tisch kommen. Pongratz verriet, dass holzverkleidete Container auf der Waitzinger Wiese eine vielleicht realisierbare Möglichkeit wären. Auch soll es Gespräche für eine Umnutzung des Waitzinger Kellers geben.
cmh
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