In Geretsried wird aktuell und in den kommenden Jahren so viel gebaut wie in keiner anderen Stadt im Landkreis. Die Bürger scheinen zufrieden mit der Entwicklung zu sein. Lediglich wegen der einhergehenden Verkehrszunahme machen sie sich Sorgen. Das wurde bei der Bürgerversammlung deutlich.
Geretsried – Rund 60 Interessierte informierten sich aus erster Hand und nutzten die Gelegenheit, an Stehtischen im Quartierstreff in Stein mit Bürgermeister Michael Müller und seinen Mitarbeitern zu reden.
Lob vom Landrat
„Der Stadtrat ist diskussionsfreudig, entscheidungsfreudig und umsetzungsfreudig“, bescheinigte Landrat Josef Niedermaier den Geretsrieder Mandatsträgern in seinem Grußwort. Die von Müller eingeführte Art der Versammlung nannte er „spannend“. Von den Bürgern wird das Format immer besser angenommen. „Nicht jeder mag öffentlich sein Anliegen mit Mikrofon vor großem Publikum vortragen. Hier kann er sich persönlich an die Verwaltung wenden“, sagte der Gartenberger Emmerich Wurst.
Bürgerhaus in Stein
Obwohl die Versammlung diesmal in Stein stattfand, war sie natürlich für alle Geretsrieder gedacht. Ein wichtiges Thema speziell für die Steiner war allerdings der geplante Bau eines Bürgerzentrums mit Neubau des Jugendtreffs. Stadtbaurat Rainer Goldstein präsentierte erstmals die Arbeiten aus einem Architektenwettbewerb zum neuen Bürgerhaus.
Elf Entwürfe gingen ein. Der erstplatzierte sieht ein zweigeschossiges Gebäude mit großem Saal und kleineren Veranstaltungsräumen mit Eingang zum Kochelseeweg hin vor. Das Jugendzentrum Ein-Stein soll dahinter neu gebaut werden, sodass dazwischen ein Innenhof entsteht. Für den Bau gibt es staatliche Mittel aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“. Im Rahmen dieses Programms soll in einem nächsten Schritt der Eingangsbereich des Ortsteils aufgewertet werden. Der Steiner Ring soll fußgängerfreundlich und ansprechend gestaltet werden. Ein dritter Schritt sieht die Verschönerung der Innenhöfe der Wohnblöcke vor.
Ein Bürger regte an, das Bürgerhaus zu unterkellern. Stein wachse und Räume würden künftig sicher dringend gebraucht. Ein anderer bat darum, Tempo-30-Schilder für den Steiner Ring bereits ab dem Penny-Markt aufzustellen und die verblassten 30er-Markierungen auf der Fahrbahn zu erneuern. Um beides will sich das Bauamt kümmern. Ein Kreisverkehr oder eine andere Art der Verkehrsregelung wurde für die Kreuzung Steiner Ring/Richard-Wagner-Straße gewünscht – ein Thema, an dem die Stadt ebenfalls arbeitet.
Stadtentwicklung
Bürgermeister Müller betonte, dass es neben dem Wachstum in den einzelnen Stadtteilen, hauptsächlich durch Nachverdichtung, in absehbarer Zeit keine neuen Baugebiete im Außenbereich geben werde – mit Ausnahme der Böhmwiese, wenn einmal die S-Bahn kommt. Die vier Teile Gelting, Gartenberg, Geretsried-Mitte und Stein würden nicht „zusammenwachsen“. Der Stadtrat sei sich einig, dass man die Grünflächen und Wälder dazwischen erhalten wolle. Laut Müller ist es nicht so, dass überwiegend Münchner in die neu gebauten Wohnungen in Geretsried ziehen: „70 Prozent der Käufer und Mieter kommen aus Geretsried, Wolfratshausen und der unmittelbaren Umgebung“. Ein Bürger äußerte die Befürchtung, auf dem ehemaligen Lorenz-Areal an der Banater Straße, wo rund 750 Wohnungen entstehen, werde es zu Konflikten mit dem angrenzenden Gewerbe kommen. Müller verwies auf die vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen. Die zu erwartende Verkehrszunahme bereitet auch hier Sorge. Gelöst werden muss laut einem Besucher die Situation an der Altvaterstraße. Durch beidseitig parkende Autos komme dort immer nur ein Fahrzeug durch.
Hallenbad und Sauna
Bei fast jeder Bürgerversammlung wird der Wunsch nach einer Sauna laut. Eine Besucherin regte an, im alten Hallenbad eine moderne, neue Sauna zu bauen, sobald das neue betriebsbereit ist. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass die Stadt einen Investor für eine Sauna suche, der sich an das neue Hallenbad „andockt“. Bis jetzt hat sich aber noch niemand gefunden. Die Stadt könne diese Aufgabe nicht auch noch übernehmen. Müller: „Wir investieren schon 16 Millionen Euro in das Schul- und Sportbad.“
Mittelschule
Wie viel Geld die Stadt in dieses weitere Großprojekt stecken wird, konnte Bauamtsleiter Rainer Goldstein noch nicht sagen. Wie berichtet soll die Adalbert-Stifter-Mittelschule mit der Karl-Lederer-Mittelschule am Standort Schulzentrum zusammengelegt werden. Das Stifter-Haus wird rundum saniert und zur Realschule hin erweitert. Während der Bauzeit werden die Schüler in einen Anbau ausgelagert. Goldstein rechnet mit der Fertigstellung der Maßnahme für 2025.
S7 und B11
Die Megaprojekte des Bundes, S7-Verlängerung und B11-Verlegung, sollen laut Müller etwa gleichzeitig „in zehn Jahren plus“ fertig sein. Die Planungen für das Trogbauwerk für die S-Bahn-Gleise unter der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen seien mittlerweile abgeschlossen. Das Eisenbahnbundesamt werde diese Planungen nun mindestens ein Jahr lang prüfen.
Im Anschluss werde die Regierung von Oberbayern das Planfeststellungsverfahren eröffnen, in dem sich alle Betroffenen zu den Plänen äußern können. Man rechne mit ein bis zwei Jahren, um alle Einwendungen abzuarbeiten. Das heißt, der Planfeststellungsbeschluss könnte in drei Jahren stehen. Doch dann stünden erst einmal Grundstücksverhandlungen an (fünf bis sechs Jahre), bevor die Bahn mit dem Bau (etwa viereinhalb Jahre) beginnen könne.
tal
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