Seit dem 13. Februar dieses Jahres ist Vanessa Magson-Mann deutsche Staatsbürgerin. Die gebürtige Britin – sie lebt seit 26 Jahren in der Bundesrepublik – darf also am Sonntag zum ersten Mal über die Zusammensetzung des Deutschen Bundestags mitentscheiden.
Icking – Redakteur Peter Borchers sprach mit der 50-jährigen Verlagskauffrau aus Icking über ihre erste Wahl.
Frau Magson-Mann, bei Kommunalwahlen in Deutschland haben Sie Ihre Kreuzchen schon gemacht. Nun aber dürfen Sie wählen, wer das Land, in dem Sie leben, regiert. Lampenfieber?
Natürlich nicht so wie ein junger Erstwähler. Aber der Sonntag ist schon etwas Besonderes für mich.
Inwiefern?
Nun, es ist ein gutes Gefühl, dort wählen zu dürfen, wo ich lebe. Hier wohne und arbeite
ich, hier zahle ich meine Steuern. Ich möchte mitentscheiden über Dinge, die mein Leben betreffen.
In Ihrem Geburtsland Großbritannien durften Sie das nicht mehr?
Nein. Ich habe zwar die britische Staatsbürgerschaft behalten; das war vor dem Brexit noch möglich. Aber für britische Staatsbürger gilt: Wer mehr als 15 Jahre nicht im Land lebt, verliert sein Wahlrecht. Frankreich handhabt das anders. Franzosen behalten ihr Wahlrecht lebenslang – egal, wo sie leben.
Für Sie als politischer Mensch keine schöne Situation, oder?
Seit ich nicht mehr wählen durfte, lebe ich in einem politischen Vakuum. Dieses englische Gesetz hat für mich nichts mit Demokratie zu tun. Und britische Juristen schauen sich diese Sache aktuell auch sehr genau an. Das war übrigens auch das einzig Gute am Brexit: Er hat junge Leute politisiert, ihnen aufgezeigt, was passieren kann, wenn man nicht von seinem Wahlrecht Gebrauch macht.
Zurück zur Bundestagswahl: Sind Sie ein Spontanentscheider oder haben Sie sich bereits auf eine Partei festgelegt?
Ich habe mir alle Wahlprogramme angesehen und weiß im Prinzip, in welche Richtung es geht beziehungsweise, für wen ich keinesfalls stimmen werde. Ich höre mir aber bis zum Schluss alle Argumente an, bevor ich mein Kreuzerl setze.
