BEFÖRDERUNG

Bus zu voll: Fahrer lässt Schüler einfach stehen - Vater sauer

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Rein in den Bus: Nach Schulschluss versuchen viele Schüler, einen Platz zu ergattern, wie unser Archizeigt. Sind es schultechnisch zu viele, müssen die letzten draußen bleiben. Foto: Archiv Thomas Plettenberg
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Kaum hat das neue Schuljahr begonnen, gibt es bereits den ersten Unmut. Anlass zum Ärger verursachte der Bustransfer der Schüler im Tegernseer Tal, den ein Vater aus Rottach-Egern kritisiert.

Das war passiert: Wie Franz Fährmann berichtet, wurde seine neunjährige Tochter am Mittwoch – also schon am zweiten Schultag – mittags gegen 13.15 Uhr am Tegernseer Gymnasium zusammen mit etwa 20 weiteren Schülern vom Bus einfach stehen gelassen – erst vom 9560er nach Enterrottach, dann von der Ringbuslinie. Die Fünftklässlerin, die darauf überhaupt nicht vorbereitet war und die Situation nicht einschätzen konnte, reagierte panisch, berichtet der Vater.

Immerhin: Fährmann hatte Urlaub und konnte so seine Tochter und drei weitere Schüler abholen. Zufall war das nicht, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt: „Das kennt man ja, dass es in der ersten Schulwoche immer wieder zu solchen Pannen kommt.“ Auch von anderen Eltern höre man das.

„Das ist doch planbar!“

Fährmann meldete sich umgehend beim Regionalverkehr Oberbayern (RVO), um sich zu beschweren, doch dort kam er telefonisch über eine „Endlos-Dauerschleife“ nicht hinaus. Also folgte eine Mail ans RVO-Kundencenter und eine Zusammenfassung an unsere Zeitung. Was den Familienvater besonders ärgert: „Das ist doch alles planbar und jedes Jahr dasselbe.“

Man müsse doch langsam beim RVO wissen, dass die erste Schulwoche ein erhöhtes Fahrgastaufkommen mit sich bringe: Der normale Bustransfer, dazu die Kinder, die ansonsten Nachmittagsunterricht haben oder in der Offenen Ganztagsschule betreut werden, die ebenfalls noch nicht gestartet ist. „Normalerweise entzerrt sich das, aber jetzt am Anfang kommt alles geballt. Das muss man bei der Disponierung der Fahrten doch beachten.“

„Uns trifft der Fachkräftemangel“

Im Grundsatz gibt Peter Bartl, RVO-Betriebsmanager in Tegernsee, Fährmann Recht, doch ganz so einfach sei es nicht. „Uns fehlen aktuell zehn Busfahrer“, erklärt Bartl. „Der Fachkräftemangel macht sich auch bei uns bemerkbar. Da hilft planen nicht mehr.“

Natürlich sei der Vorfall für die Betroffenen ärgerlich, aber zur Not könne man auch den Bus nehmen, der 30 Minuten später fährt. „Insgesamt sind die ersten Schultage für uns schwer zu planen“, stellt Bartl fest. Einiges müsse sich erfahrungsgemäß erst einspielen. So müssten gerade die neuen Schüler aus Rottach dafür sensibilisiert werden, dass sie nicht den ersten, sondern den zweiten Bus, also die Ringbuslinie, nehmen sollen, weil hier der Bus größer sei.

Schon allein mehr Kommunikation wäre gut

Argumente, die Fährmann zwar versteht, aber so nicht stehen lassen will. Er regt zumindest eine Verbesserung der Kommunikation an, damit die Eltern auf die Probleme über die Schule hingewiesen werden. „Dann kann man zur Not selbst fahren und Entlastung schaffen oder seine Kinder vorwarnen.“

Denn auch am gestrigen Donnerstag hätten wieder Kinder stehen bleiben müssen, berichtet er. Auch wenn seine Tochter diesmal nicht betroffen war: An seiner Kritik hält er fest: „Schon allein durch die Realschule in Gmund sind die Busse voll.“

Landratsamt bestätigt: Kein Einzelfall

Im Landratsamt kennt man das Problem, von dem mittlerweile „mehrere Dienstleister“ betroffen seien. Auch sei es kein Einzelfall, dass der Bus an Schülern vorbeifahre. „Wir wissen aktuell auch aus der Gemeinde Weyarn, dass dort ebenfalls mindestens einmal Kinder stehen gelassen wurden“, sagt Behördensprecherin Sophie Stadler.

Das Thema sei sehr ärgerlich, da sich Eltern und Landratsamt auf die Vertragspartner verlassen. Im konkreten Fall helfe es aber nicht, Druck zu erzeugen, da die Ursache struktureller Art sei. „Wenn es zu wenige Busfahrer gibt, hilft es den Kindern wenig, wenn wir als Landkreis auf Verträge und Beförderungspflichten beharren.“ Zumal andere Unternehmen dieselben Probleme hätten. Dennoch werde man erneut mit dem Dienstleister sprechen, den Vorfall aufarbeiten und gemeinsam Alternativen prüfen.

Brief an die Eltern geplant

Bartl hat indes auf Fährmanns Anregung reagiert und kündigt einen Brief an, der in den nächsten Tagen an die Schulen versandt werden soll. Darin heißt es, dass „eventuelle Busausfälle in diesem Schuljahr nicht vermeidbar sind“. Der akute Personalmangel betreffe nicht nur Fahrer, sondern auch Stellen in der Werkstatt sowie die Lieferung von Ersatzteilen. Man sei „ständig bemüht, Fahrerausfälle zu vermeiden – auch durch persönlichen Einsatz auf den Linien“, heißt es darin. „Unsere Fahrer, die ständig einspringen, tun alles, damit nicht komplette Dienste ausfallen.“ Da man auch auf viele ausländische Fahrer zurückgreife, die der deutschen Sprache nur bedingt mächtig sind, „passieren Fehler“. Auch hier unternehme man alles.

ddy

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