VonJonas Napiletzkischließen
Kann Künstliche Intelligenz auch im Handwerk helfen? Ja, meint Alexander Pretschner. In der Schreinerei Eham hat der Informatiker typische Anwendungsfälle von ChatGPT aufgezeigt.
Hausham – „Ich selbst erzähle auch manchmal Quatsch, ganz unbewusst“, eröffnete Alexander Pretschner seinem Publikum. So sei das auch mit ChatGPT, das seit rund einem Jahr Künstliche Intelligenz (KI) allgemein zugänglich macht. In einem Vortrag in der Schreinerei Eham in der Gemeinde Hausham ordnete der Professor für Software und Systemtechnik kürzlich vor rund 70 geladenen Gästen ein, wie KI trotzdem sinnvoll genutzt werden kann und wie ChatGPT arbeitet. Die Zuhörer, überwiegend Zulieferer, Mitarbeiter oder Partner der Schreinerei, zeigten sich aufgeschlossen für die neue Technik. Auch die Frage nach Anwendungsfeldern in handwerklichen Betrieben kam in der Halle in Eckart auf.
Wie ChatGPT funktioniert
Grundsätzlich, erklärte der Informatiker und Lehrstuhlinhaber an der Technischen Universität München (TUM), funktioniere ChatGPT wie ein neuronales Netzwerk, das auf Wahrscheinlichkeiten basiert. Auf der einen Seite werden Wörter eingegeben. Auf der anderen Seite kommen Wörter heraus, die der Wahrscheinlichkeit nach am ehesten auf die Eingabe passen. Das Ergebnis entstehe aber nicht in einem Durchgang. Vielmehr errechnet ChatGPT laut Pretschner zunächst das erste Wort, hängt dieses an den eingegeben Satz an und fügt auf dieser Basis ein zweites Wort an – und so weiter. „Trainiert wurde es mit Texten aus dem Internet“, erklärte der Professor. 600 Gigabyte Material seien dafür verwendet worden, was dem Inhalt von etwa 1200 Bibeln entspreche.
Wo die KI an ihre Grenzen kommt
Pretschner betonte in seinem Vortrag jedoch, dass die KI kein neuer Mensch sei. „ChatGPT weiß nichts, es versteht nichts, es plappert nur das nach, was statistisch im Internet erzählt wird.“ Das Ergebnis sei nie ganz perfekt – aber eben auch nur selten ganz schlecht. Als Anwender müsse man sich deshalb die Frage stellen, ab wann etwas gut genug sei. In jedem Fall sei im Umgang mit ChatGPT aber wichtig, sich Urteilsfähigkeit beizubehalten. So mahnte Pretschner eingangs, die Technologie ernst zu nehmen. Einerseits würde der Chatbot beim Bayerischen Matheabitur oder bei Informatikklausuren der TUM auf Bachelor- und Masterniveau gut abschneiden. Andererseits gebe es keine Technologie, die zweifelsfrei identifiziert, ob Texte von ChatGPT oder von einem Menschen erstellt wurden. „Aber ChatGPT ist nicht nur für Hausaufgaben gut“, meinte Pretschner, der auch dem Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation vorsitzt. „Wir sollten es nicht verbieten, sondern lernen, damit umzugehen.“ Es sei an uns Menschen, die Technik – mit einer gewissen Skepsis dahinter – zu verstehen.
Wie ChatGPT sinnvoll angewendet wird
„Es gibt irre viele Anwendungen“, betonte Pretschner. Während KI in ersten US-amerikanischen Callcentern Menschen ersetzen könne, würden in Deutschland schon viele E-Mails damit verfasst. Als Beispiel nannte der Informatiker Anwälte und Ärzte, die Schreiben aufsetzen – wobei die Qualität stark von den Eingaben abhinge. Er selbst habe bereits ein Gutachten damit erstellt und sich dabei zwei Drittel der Zeit gespart, bekannte Pretschner. „Das ist ein irrer Vorteil in der Produktivitätssteigerung.“ Auch für Assistenzaufgaben könne ChatGPT verwendet werden, etwa bei der Tagesplanung, bei Dokumentationsaufgaben oder um sich Anregungen und Kritik für Ideen zu holen. Als Beispiel für Berufe, die künftig vielleicht durch KI ersetzt werden könnten, nannte der Professor scherzhaft „Katalogmodels“ – sie könnten auch virtuell erstellt werden. Doch grundsätzlich würden sich die Aufgaben wohl eher nur hin zum Überprüfen verschieben.
Auf die Publikumsfrage, wo er Anwendungsmöglichkeiten für eine Schreinerei sehe, nannte der Professor Newsletter, E-Mails, das Befüllen von Sozialen Medien, das Erstellen von Datenbanken mit Mitarbeiterwissen und kreative Bereiche. Überlegen müsse man sich die Idee zwar schon selbst, betonte Pretschner. „Aber durch die Interaktion mit ChatGPT können sich neue Perspektiven öffnen.“ Abschließend appellierte der Informatiker, die Gäste sollten sich zwar an KI und an ChatGPT gewöhnen. „Aber behalten Sie sich die Freude am Denken.“ nap
KI im Alltag: Stimmen Sie mit ab.
Die Umfrage: Wo hilft Ihnen Künstliche Intelligenz im Alltag?
Helmut Karg: „Für mich bietet es sich an, mir Anregungen von ChatGPT zu holen, die ich dann aber stark plausibilisieren muss. Ich glaube, wir verwenden passiv schon jetzt sehr intensiv künstliche Intelligenz – allein, wenn wir eine Suchmaschine nutzen. Mit ChatGPT können wir nicht nur Ergebnisse suchen, sondern auch eine These aufstellen und die Maschine dazu befragen, ob sie plausibel ist. Wichtig ist mir dabei aber, KI nie vor den Menschen zu stellen. Das halte ich für kritisch.“
Holger Klimaschewski: „Künstliche Intelligenz wird uns definitiv helfen – wir setzen sie auch heute schon ein. Anwendungsfälle gibt es viele, beispielsweise bei Texten, Designtools oder kreativen Vorschlägen. Als Schubladenlieferant der Schreinerei Eham müssen wir auch Kundenwünsche in Programmanweisungen umsetzen. Ich habe mir nach dem Vortrag überlegt, ob diese Arbeitsvorbereitung für spätere 3D-Modelle nicht auch KI ersetzen könnte. Ich sehe ChatGPT als sinnvolles Assistenz-Tool.“
Christina Eisl: „Bei SAP nutzen wir, um Kundendaten zu schützen, eine Art eigenes ChatGPT. Das hilft uns beim Erstellen von PowerPoint-Präsentationen, Marketing-Texten und auch beim Schreiben von E-Mails. Die KI kann auch Daten analysieren und Prozesse vereinfachen, indem sie Ergebnisse simpel veranschaulicht, beispielsweise als Text oder in einer Programmiersprache. Im Arbeitsalltag kann man sich so auf den kreativen Teil konzentrieren und sich den ein oder anderen mühsamen Teil ersparen.“
Wolfgang Huber: „Ich bin aus meiner Sicht wenig betroffen von ChatGPT. Als Schnittholzlieferant arbeite ich mit Rohholz und verkaufe es zum richtigen Zeitpunkt. Das ist ein reines Naturprodukt – so wie es der Herrgott hat wachsen lassen. Künstliche Intelligenz kann dazu wenig beitragen. Das finde ich schön und auch irgendwie beruhigend. Vielleicht werde ich mit KI später mal im Büro konfrontiert, beispielsweise bei E-Mails. Aber grundsätzlich glaube ich, dass es mir wenig bringt.“ nap
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