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Der studierte Pianist und Dirigent Andreas Lübke (54) aus Erding leitet acht Chöre. Wir sprachen mit ihm über sein Engagement, ein Jugendprojekt und das Schöne am Chorsingen.
Erding - Früher war er Dirigent am Gärtnerplatztheater, heute leitet der studierte Pianist und Dirigent Andreas Lübke aus Erding (54) acht Chöre: vier in Unterschleißheim, zwei in Allershausen, einen Seemannschor in Königsbrunn und den Chor des Dom-Gymnasiums Freising. Dort ist er Musiklehrer.
Als freiberuflicher Chorleiter versuchte er seit Januar Jugendliche aus Unterschleißheim für das Singen zu begeistern: mit dem Projekt „Sing (Deinen) Star“ – alles sollte sich um die Songs von Weltstar Adele drehen. Leider wollten nur wenige Jugendliche mitmachen, sagt Lübke im Interview.
Sie leiten acht Chöre. Warum machen Sie das?
Ja, warum eigentlich? Weil’s Spaß macht und man viele Laien damit froh machen kann. Früher war ich Musikdirigent, unter anderem am Gärtnerplatztheater. Aber die Entwicklung des Musiktheaters hat mir einfach nicht gefallen.
Wieso?
Regisseure wollten mir da erklären, wie Musik funktioniert und haben angefangen, in den Noten herumzustreichen – das geht gar nicht. Und beim Vorsingen wurde eher nach Schönheit als nach Stimme ausgewählt. Dafür hab’ ich nicht Musik studiert.
Vor kurzem wollten Sie Jugendliche mit dem Projekt „Sing (Deinen) Star“ fürs Singen begeistern. Hat’s geklappt?
Naja, wir haben uns durchgekämpft. Wir hatten nur zehn Anmeldungen von neun Mädchen und einem Buben, der Altersdurchschnitt war zwischen zehn und 13 Jahren. Die Jugendlichen haben nicht so mitgemacht.
Woran liegt das?
Das ist immer dasselbe Problem: Die jungen Leute haben viel zu tun, in der Schule und mit ihren Hobbys. Und zum Teil haben sie auch ganz andere Sachen im Kopf. Außerdem ist es unpopulär zu singen, da ist es schon verbreiteter, zu tanzen oder Fußball zu spielen.
Ursprünglich sollte ein Jugendchor aus dem Adele-Projekt entstehen. Wie geht’s jetzt weiter?
Das wissen wir noch nicht. Die Sänger würden natürlich gern weitermachen. Bisher hat der Sängerkreis Lohhof die Kosten für das Projekt übernommen, aber das geht auf Dauer natürlich nicht.
Wenn Sie jemanden vom Chorsingen überzeugen müssten: Was ist das Schöne daran?
Erstens ist es wie bei jedem Verein: Man kommt mit Leuten zusammen, die man sonst nie getroffen hätte. Das erweitert den Horizont für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Außerdem macht Singen intelligent.
Gut zu wissen. Warum ist das so?
Es ist ja nicht so, dass man den Mund aufmacht und singen kann. Man muss unheimlich viele Sachen koordinieren: die Ohren und Stimme benutzen, Noten lesen und sich mit den Chormitgliedern abstimmen. Das ist Multitasking! Was noch schön ist: Man kann selbst singen, was man sonst nur hört.
Apropos: Was hören Sie privat am liebsten?
Mit meinen Chören habe ich schon eine breite Musikpalette abgedeckt, von Shanty, Gospel und Musical bis Rock, Pop und Volksmusik. Deshalb höre ich privat kaum noch Musik. Es ist wie bei einem Arzt: Wenn er zuhause ist, fängt er auch nicht mehr an zu operieren.