Christian Pröbst will Bürgermeister werden

CSU schickt „Mister 100 Prozent“ in den Ring

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Er will das Wartenberger Rathaus erobern: Christian Pröbst am Donnerstag bei seiner Nominierung im Bergcafé.
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„Jetzt lassen wir die Bombe platzen“, sagte Markus Straßberger, und lautstarkes Lachen war die Folge. Explosionscharakter hatte die Nachricht nämlich nicht. Wartenbergs CSU-Ortschef schlug am Donnerstagabend im Bergcafé Christian Pröbst als Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahlen im März 2020 vor. Alle 27 Stimmberechtigten votierten für Pröbst, den „Mister 100 Prozent“, wie ihn Landtagsabgeordnete und Wahlleiterin Ulrike Scharf gleich taufte.

Wartenberg – Nur wenige Minuten, nachdem Pröbsts Ergebnis feststand, gingen die erst vor ein paar Monaten gegründeten Wartenberger Grünen mit einer Pressemitteilung raus und erklärten, dass sie mit Dominik Rutz ebenfalls einen Kandidaten stellen werden – der mittlerweile sechste für die Wahlen im Markt (siehe Artikel rechts). Währenddessen saß Rutz wie SPD-Kandidat Michael Gruber bei der CSU im Publikum.

Straßberger ließ durchblicken, dass es in der CSU mehrere Namen gegeben, sich Pröbst letztlich auch durch seine derzeitige Tätigkeit im Rathaus als der geeignete Mann herausgestellt habe. Denn der 43-jährige 3. Bürgermeister leitet in Vertretung der erkrankten Manfred Ranft und Peter Schickinger (beide FWG) bereits seit einigen Wochen die Geschicke Wartenbergs. „Viele haben gefragt: ,Warum sagts es ned glei?‘ Aber man muss nicht der Erste sein, sondern man muss nur den besten Kandidaten aufstellen“, sagte Straßberger über den längst gehandelten Bewerber.

In seiner ebenso leidenschaftlichen wie umfangreichen Rede berichtete Pröbst, dass er derzeit von 4 Uhr morgen bis 10 Uhr in seiner Metallbaufirma arbeite, bis spätabends gehe es im Rathaus weiter. Deswegen stieg er auch mit einem Dank an die Familie ein. Ehefrau Nina, die Kinder Maxi (9) und Benedikt (6) sowie seine Eltern würden ihn kräftig unterstützen. Bei der Arbeit im Rathaus habe er gemerkt, dass es ihm Riesenspaß mache, dass er dafür brenne: „Ich will mein Hobby zum Beruf machen.“

Und wie soll es dann mit der Firma des Metallbaumeisters weitergehen? Anfang 2018 habe er einen Teil seines Unternehmens verkauft. „Es ist vertraglich geregelt: Sollte ich Bürgermeister werden, bin ich raus“, sagte der Wartenberger. Sollte er nicht gewählt werden, werde er in der Firma bleiben.

„Betriebsleitung habe ich einfach drauf“, sagte Pröbst über seine Erfahrung, die ihm auch als hauptamtlicher Gemeindechef zugute kommen könnte. Wenn etwas nicht gehe, dann werde er das auch so sagen. „Wer mich kennt, der weiß, ich mache keine leeren Versprechungen. Was ich sage, halte ich“, stellte Pröbst klar.

Als „riesengroße Baustelle“, bei der er seit Tag eins dabei sei, sei die Druckleitung in Thenn (Kosten: 248 000 Euro). Wie bei dieser komme man mit den kalkulierten Kosten auch bei der Kläranlage aus. Finanzen sind in Wartenberg ein sensibles Thema. Derzeit liegt der Schuldenstand bei rund fünf Millionen Euro. Davon müsse man runterkommen, betonte Pröbst.

Beim Alten Schulhaus packt er seit Anfang des Jahres federführend mit an. Man müsse den Firmen einfach Druck machen, dann laufe es auch hier. Am 13. Oktober sei nun die Einweihung.

Es brauche bei allem eine klare Linie, betonte Pröbst. Seine To-Do-Liste sei mittlerweile auf 25 Seiten angewachsen. „Das Bauamt erstellt jetzt eine Prioritäten-Liste für die Verwaltungsgemeinschaft. Ohne Struktur geht’s nicht.“ Pröbst habe zudem daran gearbeitet, dass es nun jede Woche eine VG-Sitzung gebe. Für die Gemeinderäte brauche es eingehendere Informationen.

Stolz ist Pröbst auf die Sanierungssatzung, die die CSU vorangebracht habe. Im Blick hat er dabei leer stehende Gebäude am Nikolaiberg. Und: „Parkplätze am Marktplatz schaffen wir nicht ab. Sonst gehen unsere Geschäfte zu Grunde.“ Er stehe für nachhaltiges, langsames Wachstum. Man solle nicht einfach Baugebiete für 150 Wohneinheiten ausweisen. Für die weniger betuchte Bevölkerung müsse Wohnraum her, aber auch für reichere Menschen. Die könnten sich derzeit in Wartenberg nichts kaufen, weil es schlicht nichts gebe. Es müsse Bauland geschaffen werden.

Zu einer Busverbindung zum Flughafen meinte er: „Die kriegen wir hin.“ Im Bereich Kindergarten habe man noch eine Gruppe in Reserve. „Wir müssen schauen, dass jedes Kind weiterhin einen Platz in Wartenberg bekommt“, so der Kandidat.

Für die Erweiterung der Marie-Pettenbeck-Schule müsse man die Machbarkeitsstudie abwarten. „Aber eigentlich bin ich schon dafür, dass wir eine eigene Schule bauen.“ So komme man aus dem Mittelschulverband raus, was sich laut Pröbst finanziell positiv für den Markt auswirken würde. Er sprach viele weitere Themen an, unter anderem ein Medizinisches Versorgungszentrum, das er sich im Markt vorstellen kann – wenn nicht, müsse man zumindest den einen jüngst verlorenen Arzt ersetzen. Oder das Hochwasserschutzkonzept („Was haben wir bis jetzt hingekriegt in Pesenlern? Gar nichts“). Außerdem will Pröbst den Leonhardiritt zurückhaben.

Es brauche Bürgerversammlungen in den Außenorten, das hätten diese verdient. Er habe ein offenes Ohr für alle Bürger und wolle eine Bürgermeistersprechstunde. „Ich bin keine One-Man-Show“, meinte Pröbst zudem und erhielt am Ende im voll besetzten Wintergarten des Bergcafés lautstarken Applaus. 

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