Schon manchen Kunden geht es an der Supermarkt-Kasse zu eng zu. Doch wie schützen sich Verkäufer? Und welche besonderen Hygiene-Maßnahmen ergreifen sie in ihren Geschäften?
Dorfen – Kassierer und Verkäuferinnen, Metzger und Bäckerinnen – sie halten die Versorgung mit Lebensmitteln aufrecht. Ein Streifzug durch Dorfens Geschäfte zeigt: Bäcker oder Metzger achten beim Verkauf derzeit noch mehr auf Hygiene. „Die Leute sind sehr dankbar, dass wir geöffnet haben – das hören wir immer wieder von den Kunden“, sagt Quirin Brugger, Chef von Martins Backstube in Dorfen. Der Einkauf an sich sei für viele Kunden zudem ein Zeichen von Normalität, so Christian Empl, Geschäftsführer des Bioladens Tagwerk: „Es gibt Sicherheit, dass wir geöffnet haben und die Regale voll sind.“
Gerade in kleineren Geschäften stehen die Kunden nicht so dicht beieinander, wie teilweise bei den großen Lebensmittelketten. In der Tat – bei Aldi, Lidl und Co. in Dorfen drängen sich nach Beobachtungen unserer Zeitung am gestrigen Montag nach wie vor die Käufer an der Kasse – auch wenn meist ein gewisser Sicherheitsabstand eingehalten wird.
Bei Aldi steht Desinfektionsspray im Eingangsbereich. Kundin Luise Kramer sprüht sich die Hände ein, bevor sie die Filiale betritt: „Meine Eltern gehören zur Risikogruppe, da möchte ich schon auf Nummer Sicher gehen“, sagt die 47-jährige Dorfenerin. Eine ältere Frau steht mit Handschuhen an der Kasse und kritisiert harsch eine andere Kundin, die ihr zu nahe kommt. Ein Mann, weit über 70 Jahre, hat einen Mundschutz angelegt.
Ansonsten scheint in den Geschäften an der Haager Straße Alltag zu herrschen – wenn auch große Schilder im Eingangsbereich der Läden vor Covid-19 warnen.
„Ich habe Angst, dass sich mein Lebenspartner mit dem Corona-Virus infiziert“, sagt eine Dorfenerin (Name der Redaktion bekannt). Der Mann sitze bei einem der Filialisten an der Kasse – ohne Mundschutz und Handschuhe, ärgert sich die junge Frau. Auch sie habe schließlich Eltern und Großeltern, die sich anstecken könnten.
Andere Geschäfte ergreifen bereits Vorsichtsmaßnahmen. Bei der Metzgerei Stirner in der Dorfener City etwa dürfen momentan maximal acht Leute an der Wurst- und Fleischtheke stehen. „Mehr lassen wir nicht gleichzeitig in den Laden, das entspricht dem Sicherheitsabstand von 150 Zentimetern“, sagt Sonja Schweiger, stellvertretende Filialleiterin. Auch kommen die Verkäuferinnen nicht mit Bargeld in Kontakt: „Wir haben schon lange Bargeld-Automaten, das zahlt sich jetzt aus“, meint Schweiger. Angst vor einer Ansteckung hat keine der Verkäuferinnen. „Wir gehören nicht zur Risikogruppe, und es muss ja weitergehen“, sagen sie.
Nebenan bei Martins Backstube weiß Inhaber Quirin Brugger den Einsatz seiner Verkäuferinnen zu schätzen: „Unsere Damen stehen an vorderster Front“, sagt der Bäcker. Mehrmals täglich wird die Theke desinfiziert: „Die Verkäuferinnen waschen sich sehr oft die Hände, tragen Handschuhe. Und wir haben genügend Desinfektionsmittel in der Filiale.“
Für ihn sei die Situation ungewiss, beschreibt er sein Dilemma. „Es gibt keine klaren Ansagen vom Landratsamt, was wir beachten müssen, wenn sich beispielsweise eine Mitarbeiterin infiziert hat“, erklärt Brugger.
Im Bioladen Tagwerk liegen die Schichten der Verkäufer so, dass bei einer Infizierung eines Mitarbeiters immer noch gewährleistet ist, dass das andere Team weiterarbeiten kann. „Natürlich desinfizieren wir noch mehr als sonst die Theken.“ Wer hier einkaufe, sei allerdings ohnehin schon sensibilisiert, meint Chef Empl: „Die Kunden halten alle den Mindestabstand ein, gehen sehr verantwortungsvoll mit der Krisensituation um.“
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