VonSabine Hermsdorf-Hissschließen
Angela Buchberger schließt ihr Café Mahlzeit in Wolfratshausen. Als Grund nennt sie die Corona-Pandemie. Die habe die Geselligkeit zerstört
Wolfratshausen – Mitte September ist es soweit. Angela Buchberger wird das letzte Mal den Schlüssel herumdrehen, um ihre Gäste im Café Mahlzeit zu begrüßen – und gleichzeitig zu verabschieden. „Es geht nicht mehr weiter“, sagt die 55-Jährige. Aufgrund der Corona-Pandemie sei eine Entwicklung eingetreten, die ihrem ursprünglichen Grundkonzept völlig widerspricht.
Corona hat zu viel verändert: Wirtin aus Wolfratshausen schließt ihr Café
Sechs Jahre lang hat Buchberger ihre Kunden mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt, vier Jahre lang im Tagescafé in der Altstadt gegenüber vom Schwankl-Eck, zwei Jahre in dem Café mit der rot-weißen Markise an der Königsdorfer Straße. „Es hat Spaß gemacht, zu kochen, das Essen geschmackvoll zu präsentieren und dazu noch ein paar Worte mit den Gästen zu wechseln“, sagt sie. „Eben einfach zu schauen, dass sich jeder wohlfühlt.“
„Zu 90 Prozent to go“: Wolfratshauserin macht Café dicht
Wegen Corona hätten sich die Gegebenheiten und auch die Menschen verändert. „Nun habe ich zu 90 Prozent To-go-Kunden. Kundenkontakte beschränken sich auf zwei Minuten – und selbst das ist vielen zu lang.“ Außerdem blutete der leidenschaftlichen Köchin das Herz, wenn sie das liebevoll gekochte Essen einfach so in die Transportbox „klatschte“. Statt raffinierter Kreationen standen nun eher „Schöpfgerichte wie Thai-Curry“ auf dem Speiseplan. Um zumindest den Umweltgedanken ein wenig weiterzuverfolgen, schaffte Buchberger recycelbare Behälter an. „Nur, dass man hier gleich eine größere Menge abnehmen muss, was ebenfalls einen größeren Brocken an gebundenem Kapital bedeutet.“
Und dann ist da noch die Sache mit der Psychologie. Das Café liegt an einer der Hauptverkehrsadern von Wolfratshausen, ist durch seine Glasfronten gut einsehbar. „Und dann stehe ich alleine da drin – kein Tisch ist besetzt“, sagt sie. „Man geht aber erwiesenermaßen nur dahin, wo was los ist. Ist nichts los, heißt es gleich: ,Da schmeckt’s wohl nicht. Da muss wohl etwas nicht stimmen‘.“
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Buchberger will nun erst einmal Pause machen. Doch so ganz ohne Kochlöffel in der Hand geht es doch nicht. Von Anfang an hatte sich die 55-Jährige einen Namen in der Catering-Szene gemacht, wird auch im Internet immer wieder für ihren geschmackvollen und innovativ kreierten Gaumenschmaus gelobt. Das will sie nun ausbauen. „Ich habe das Café sehr gerne betrieben“, resümiert die Unternehmerin, „aber so kostet es mich einfach zu viel Kraft.“ Nun freut sich Buchberger auf einen Neuanfang.
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