50 tapfere Schneiderlein

Ehrenamtliche produzieren täglich rund 500 Stoffmasken: Ab Donnerstag werden sie an Bürger verteilt

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In Action: die Helfer bei der Masken-Produktion.

Sie leisten Enormes: 50 Näherinnen stellen derzeit Stoffmasken her. Jetzt sollen Bürger damit versorgt werden. Die ersten Vorbestellungen gibt‘s schon.

Landkreis – Am Sonntag wurde Stephan Sprenger streng. Eineinhalb Stunden Pause verordnete er Astrid Schweiger. „Mindestens.“ Seit über zwei Wochen näht die Schneiderin in ihrer kleinen Werkstatt in Partenkirchen Masken für das Rote Kreuz. Von 7 Uhr bis spät abends, unterbrochen nur von einer kurzen Mittagspause. Am Wochenende konnte er nicht mehr zuschauen, verordnete die Zwangspause. Sprenger ist im Hauptberuf Ausbilder beim BRK, erklärt Führerscheinneulingen und Mitarbeitern in Unternehmen, wie sie erfolgreich Erste Hilfe leisten können.

Im Moment gibt es keine Kurse, deshalb hilft er bei der Organisation der vielen Freiwilligen im Landkreis, die zusammen mit dem Roten Kreuz Masken nähen. So kümmert er sich auch um Astrid Schweiger. Denn mit der 53-Jährigen hat das BRK eine große Maskenproduktion aufgebaut. „Wir bestellen die Stoffe mittlerweile in Dänemark oder Österreich, sind permanent auf der Suche nach Draht und Tüten zum Verpacken“, betont Marc Lehmann. Der Leiter der Wasserwacht im Landkreis organisiert die Herstellung gemeinsam mit Sprenger. Alle Näherinnen erhalten eine Box mit Stoff, Garn und einer Anleitung zur Herstellung. Sobald das Material aufgebraucht ist, tauscht ein Fahrer die Box mit fertigen Masken gegen eine mit Nachschub aus. „Jeder kann in seinem Tempo nähen“, sagt Lehmann. „Uns ist wichtig, dass möglichst viele Näherinnen möglichst lange dabei bleiben, damit wir dauerhaft die Versorgung sicherstellen können.“

Nicht immer läuft alles glatt

Dabei gibt es viele Probleme zu bewältigen. Ein Lieferant, der mehrere hundert Meter geeigneten Baumwollstoffs zugesagt hatte, konnte nicht liefern. Utensilien wie Schrägband sind schlicht ausverkauft. Also muss immer wieder neues Material getestet werden. Das heißt: Schweiger näht ein paar Muster, die werden von Rotkreuz-Helferinnen gewaschen und getrocknet. Wenn alles funktioniert, wird der Stoff an die derzeit rund 50 Näherinnen verteilt. Nicht immer läuft alles glatt. „Am Anfang wollten wir die fertigen Masken von Profis mit Desinfektionswaschmitteln waschen und maschinell trocknen lassen“, sagt Lehmann. Das Ergebnis war ernüchternd. Die Helfer zogen einen nassen Klumpen verknoteter Masken aus der Maschine. Nun wird in den Räumen der BRK-Bereitschaft Partenkirchen jede fertige Maske ausgekocht und auf einer Wäscheleine getrocknet. Die Helferinnen tragen bei der Arbeit Handschuhe und Schutzmasken. Nach dem Trocknen werden jeweils drei Masken in eine Tüte mit Sicherheitsverschluss verpackt.

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Die letzte große Herausforderung ist nun die Verteilung. Ab Donnerstag werden BRK-Helfer in allen Orten des Landkreises die Masken verteilen (siehe unten). „Einige hundert sind schon vorbestellt“, betont Lehmann. Die Exemplare werden kostenlos abgegeben, jeder Haushalt erhält bis zu fünf Päckchen. „Die Masken sind auskochbar und damit oft wiederzuverwenden. Wenn eine durchfeuchtet ist, einfach die nächste aus dem Beutel verwenden und die alte fünf Minuten in kochendes Wasser werfen.“ Jedem Beutel liegt eine ausführliche Bedienungsanleitung bei, in der das BRK auch deutlich darauf hinweist, dass die Masken nicht zertifiziert sind.

Logistische Herausforderung

Aber: „Eine Maske ist besser als keine“, sagt Landrat Anton Speer, der am Dienstag die ersten Masken von Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl erhielt. „Wir können im Moment jeden Tag 500 Masken herstellen, waschen und verteilen“, sagt Reindl, „das ist eine logistische Herausforderung, wie wir sie bisher noch nicht hatten.“ Reindl ist stolz auf seine Mitarbeiter und die Ehrenamtlichen, die das Projekt innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt haben. „Aber ohne die vielen freiwilligen Näherinnen wären wir nicht in der Lage, das zu leisten.“ Sie kommen aus dem gesamten Landkreis.

Mindestens drei Wochen soll die Produktion nun laufen. Drei Wochen, in denen Rotkreuz-Retter Sprenger wohl noch öfter Astrid Schweiger in die Pause schicken muss. Am Montag hat er ihr schon einen Kasten Wasser vorbeigebracht. „Sie hat nichts getrunken“, sagt Sprenger bestürzt. Denn eine Toilette hat sie nicht in ihrer Mini-Werkstatt. Dafür geht sie normalerweise in ein Café in der Nachbarschaft. Das hat nun aber in Zeiten der Ausgangsbeschränkung geschlossen.

So bekommen Sie eine Maske: 

Sie wollen auch Stoffmasken für Ihre Angehörigen und sich selbst? Dann füllen Sie auf der Internetseite des Freiwilligenzentrums „Auf geht’s“ das Bestellformular aus. Bitte unbedingt einen Ablageort angeben, damit die Helfer des Roten Kreuzes die Masken auch liefern können, wenn Sie nicht zu Hause sind. Sie erhalten eine kurze Nachricht, wenn die Päckchen verteilt wurden. Über das Formular können Sie auch nachbestellen. Internet-Adresse: www.aufgehts-gap.de Telefonisch können Sie eine Bestellung am Corona-Telefon des Freiwilligenzentrums unter der Rufnummer 0 88 21/ 781 05 25 aufgeben. Die Telefone sind von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr besetzt. Institutionen und Organisationen, die größere Mengen benötigen, können sich direkt an das BRK unter der Mailadresse maske@brk-gap.de wenden.

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