VonAndreas Steppanschließen
Auch das landkreisweite Ramadama fällt heuer der Corona-Krise zum Opfer. Für den künftigen Sachsenkamer Gemeinderat Matthias Thumfart war das kein Grund, das große Frühlings-Aufräumen in der Natur bleiben zu lassen.
Sachsenkam – Der 55-Jährige Matthias Thumfart und seine Familie nahmen einfach Handschuhe und Müllsäcke mit auf ihre Spaziergänge und sammelten auf eigene Faust herumliegenden Müll ein.
Die Idee zum privaten Ramadama brachte Thumfart in einer Sitzung des Grünen-Ortsverbands ein – die selbstverständlich nur virtuell übers Internet stattfand. „Wir haben uns aber bewusst gegen einen öffentlichen Aufruf entschieden, denn das wäre wegen der aktuellen Ausgangsbeschränkungen womöglich eine rechtliche Gratwanderung gewesen.“ So wie er hätten es aber dann auch noch einzelne weitere Grünen-Mitglieder im Ort gemacht.
Landkreisweites Ramadama ist der Corona-Krise zum Opfer gefallen
Nach den Arbeitstagen, die der Pharmaberater im Homeoffice verbracht hatte, ging er nicht wie sonst zum Joggen, sondern brach zu längeren Spaziergängen auf. Insbesondere entlang der B 13 zwischen den beiden Sachsenkamer Ausfahrten fand Thumfart dabei jede Menge achtlos in die Natur geworfenen Abfall am Straßenrand. „Da bekommt man schon eine Wut auf Fastfood-Restaurants“, sagt er. Denn seine Strecke war übersät mit entsprechenden Tüten, Getränkebechern, den dazugehörigen Plastikdeckeln und Strohhalmen sowie leeren Ketchup-Tütchen. Auch viele Raucher verschmutzen laut Thumfart die Umwelt, indem sie ihre Hinterlassenschaften offenbar einfach im Vorbeifahren aus dem Autofenster schmeißen – wobei: „Zigarettenkippen aufzusammeln, habe ich schon aufgegeben“, sagt der 55-Jährige. Stattdessen verlegte er sich darauf, zumindest die unzähligen Zigarettenschachteln aufzuheben. „Relativ wenig“ Müll fand Thumfart zum Glück auf seiner Runde am Kirchsee. Allerdings entdeckte er hier eine wild in der Natur entsorgte Tüte voll mit Tellern und Besteck.
Sachsenkamer Gemeinderat sammelt mit seiner Familie alleine und freiwillig Müll ein
Da auch seine Ehefrau sowie Tochter Maike (19) eifrig im Ramadama-Einsatz waren, haben sich bei der Familie zu Hause nun acht große Müllsäcke angesammelt. Dazu kommen ein paar Teile von Autoverkleidungen und eine Radkappe, die möglicherweise von den Fahrern unbemerkt heruntergefallen sind. Auch seinen Parteifreunden hatte Thumfart angeboten, dass sie Säcke mit aufgeklaubtem Müll zu ihm bringen. Vorerst hat er alles auf einem Anhänger mit Plane gelagert. Nun freut sich der Sachsenkamer, dass die Greilinger Deponie wieder geöffnet hat. „Falls Entsorgungskosten entstehen, trägt das der Grünen-Ortsverband“, betont er.
Noch die ein oder andere Tour an der B 13 Richtung Tölz hat er sich vorgenommen. Ansonsten hofft Thumfart, dass seine Idee vielleicht noch andere Menschen anregt, den nächsten Spaziergang mit einem kleinen Ramadama zu verbinden.
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