Probleme durch Corona-Isolation

„Ist schwer auszuhalten“: Frauenhaus, Kinderschutzbund und Krisentelefon werden jetzt besonders benötigt

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Bei Anruf Beratung: Bärbel Schenk, Leiterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas Freising, ist eine von mehreren Fachkräften, die das Familien-Krisentelefon betreut.
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Corona-Pandemie, Ausgangsbeschränkung, soziale Isolation: Dadurch stehen Kinderschutzbund, Caritas und das Frauenhaus des Landkreises vor großen Herausforderungen. Nicht nur die aktuelle Situation, die nun bis Anfang Mai andauern soll, sei enorm schwierig.

LandkreisDas Frauenhaus im Kreis Freising muss ausgebaut werden. Das fordert Beate Drobniak, Vorsitzende der Diakonie, die die Einrichtung unterhält, schon lange. Die Corona-Krise und die nun beschlossenen weiter andauernden Beschränkungen verschärfen die Situation. Die Anfragen ans Frauenhaus seien nach wie vor hoch. „Wir können niemanden aufnehmen. Unser Frauenhaus ist immer voll“, sagt Drobniak.

Jede Frau, die anruft, erfährt Hilfe

Durch Corona verzeichne vor allem die heuer neu installiert Fachberatungsstelle namens HilDa (Hilfe ist da) mit Schwerpunkt auf häuslicher und sexualisierter Gewalt einen Anstieg. „Räumliche Enge und die Angst vor einem existenziellen Zusammenbruch verschärft Familiensituationen“, sagt Drobniak. Jede Frau, die anrufe, erfahre Hilfe. „Wir hören zu, beraten zum Thema Gewaltschutz, versuchen ein Sicherheitskonzept zu entwickeln. Je nachdem, wo Bedarf besteht, vertiefen wir die Hilfe“, erklärt Drobniak. Die Beratung finde jetzt zwar meist telefonisch statt, aber nicht nur: sei es aufgrund einer Sprachbarriere oder weil eine Frau zu Hause nicht frei sprechen kann. Bei persönlichen Terminen würden freilich die Hygieneregeln eingehalten.

Doch nicht nur für betroffene Frauen ist die aktuelle Situation schwierig. Gerade Kinder leiden laut Drobniak besonders. „Wer häusliche Gewalt erlebt hat, sehnt sich nach Angenommensein und Zugehörigkeit.“ Dass jetzt Abstand zu halten das Gebot der Stunde ist, sei gerade für Mädchen und Buben nicht nachvollziehbar. „Das ist schwer auszuhalten.“

Isolations-Wochen als „verlorene Zeit“

Dass die Krise und vor allem die Folgen von Isolation und Schulschließungen, die erst wieder ab Mai schrittweise gelockert werden sollen, problematisch seien, bestätigt auch Eva Bönig. „Sozial und in puncto Bildung wird sich das sehr negativ äußern“, ist sich die Vorsitzende des Kinderschutzbunds Freising sicher.

Für Kinder, die zu Hause unter normalen oder gar optimalen Bedingungen lernen könnten, sei die Lage relativ unproblematisch. Doch nicht alle Familien hätten die notwendigen Geräte, um digitales Lernen möglich zu machen. „Für viele Kinder sind diese Wochen verlorene Zeit.“ Zudem leide oft das Sozialverhalten; bei Mädchen und Buben mit nicht deutschsprachigen Eltern auch der Spracherwerb und die Kommunikation. Hinzu kämen oft beschränkte räumliche Verhältnisse. „Wer zu fünft in drei Zimmern wohnt, für den ist ,Mir fällt die Decke auf den Kopf’ halt nicht nur ein Spruch“, sagt Bönig. „Es gibt viele Kinder, deren häusliche Situation nicht angemessen für eine gute Kindheit ist.“ Die soziale Schere gehe immer weiter auf.

Trotz der schwierigen Situation versuche der Kinderschutzbund, auch momentan kontaktlos und unbürokratisch Einzelfallhilfe via Telefon oder E-Mail zu betreiben. Dass die Kleiderkammer zur Zeit nicht geöffnet hat, sei ebenfalls für viele Familien schwierig. „In diesen Fällen packen wir aber Päckchen mit der benötigten Kleidung.“

Familien-Krisentelefon der Caritas

Auch die Caritas Freising bietet Hilfe an, um den häuslichen Stresspegel zu reduzieren. Am Familienkrisen-Telefon finden Eltern und Kinder – auch anonym – Rat und Unterstützung. Das kann unterschiedlich aussehen, sagt Bärbel Schenk, Leiterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche. Etwa, wenn Eltern merken, dass sich ihr Kind sehr viele Sorgen wegen der Krise macht, im Alltag viel gestritten wird, das Lernen zu Hause nicht funktioniert oder Jugendliche zu sehr mit Computer und Smartphone beschäftigt sind. „Im Moment besetzen sechs Fachmitarbeiter – Psychologen und Sozialpädagoginnen der Beratungsstelle – das Telefon“, berichtet Schenk.

Um heikle Situationen vorab zu vermeiden, hat Schenk einige Tipps parat: Den Alltag zu strukturieren, sei sehr hilfreich. Zudem sollte man Auszeiten für jedes Familienmitglied einplanen. „Es ist wichtig, auch mal Privatsphäre zu haben und allein sein zu können.“ Eine Botschaft an Eltern sei, sich etwas Gutes zu tun: einen Kaffee genießen, ein Bad nehmen, das Lieblingslied anhören: „Platz für Dinge machen, die kleine Oasen der Erholung und des Auftankens sind.“ Für alle Familienmitglieder sinnvoll sei, an die frische Luft zu gehen und sich auszupowern. „Ein solcher kleiner Tapetenwechsel ist gut, um Körper und Geist durchzulüften.“

Kontaktadressen und Spendenmöglichkeiten

Kontaktadressen sowie die Möglichkeit, die Einrichtungen mit einer Spende zu unterstützen, finden Sie hier: Frauenhaus: Tel. (0 81 61) 9 12 12 (rund um die Uhr), E-Mail: frauenhaus@diakonie-freising.de. Spenden: Sparkasse Freising; IBAN: DE75 7005 1003 0025 6372 57.

HilDa-Beratungsstelle: Tel. (0 81 61) 49 47 40 (Mo. bis Fr. 9 bis 16 Uhr), E-Mail: ist@diakonie-freising.de. Kinderschutzbund: Tel. (0 81 61) 9 29 55 (Anrufbeantworter wird regelmäßig abgehört), E-Mail: kinderschutzbund-freising@freenet.de. Spenden: Sparkasse Freising; IBAN: DE 60 7005 1003 0000 0034 34 oder Freisinger Bank; IBAN: DE 10 7016 9614 0002 5600 03.

Familienkrisen-Telefon: Tel. (0 81 61) 53 879 30 (Mo. bis Do. 9 bis 12 & 14 bis 17 Uhr, Fr. 9 bis 14 Uhr), Beratung: www.caritas.de/onlineberatung. Spenden Corona-Nothilfe: Bank für Sozialwirtschaft; IBAN: DE70 7002 0500 0000 0055 56.

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