VonManuel Eserschließen
Magdalena Höcherlschließen
Gastro-Betriebe trifft die Corona-Krise besonders hart. Einigen wird die Pacht zwar erlassen. Doch „ich weiß nicht, wie viele überleben – und wie viele untergehen“, sagt die DEHOGA-Sprecherin des Landkreises.
Freising/Au/Hallertau – Diese Nachricht enthält drei Herzen und sieben Kussmünder. Franziska Kreuter, Wirtin des Furtner, hat mit Emojis nicht gespart, um ihre Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. „Wow! Wir sind echt sprachlos, Leute! Und glücklich.“ So beginnt ihr Facebook-Post. Was sie zu berichten hat, gibt aber auch Anlass dazu. „Unsere Pächter haben uns gerade gesagt, dass sie uns bis zum Ende von diesem Corona-Scheiß die Pacht erlassen. Wie geil ist das denn! Jungs, ihr seid einfach die allerallerbesten!“
Die „allerbesten Jungs“ – das sind Reinhard Fiedler, Andreas Adldinger und Franz Hager. Die drei sind Zwischenpächter der Freisinger Kneipen Furtner und Fellas (ehemaliges Schneiders). Für Fiedler war die Aktion, den Wirten beider Gastrobetriebe die Pacht zu erlassen, ein Bedürfnis. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Wirten“, betont Fiedler. „Wir arbeiten mit ihnen seit Jahren eng zusammen und treffen uns oft. Da war es uns wichtig, ihnen in dieser schwierigen Zeit zu helfen.“
„Ein kleiner Beitrag in schwierigen Zeiten“
Was Fiedler als Selbstverständlichkeit darstellt, ist eine noble Geste. Denn er und seine beiden Partner bleiben als Zwischenpächter schlussendlich auf den Kosten sitzen. Schließlich müssen sie selbst weiterhin Abgaben an die Privatbesitzer der Gebäude zahlen. Entsprechend groß ist die Dankbarkeit auch bei den Fellas-Betreibern, dass ihnen „ohne Wenn und Aber“ die Pacht erlassen wurde. In einem Post auf ihrer Facebook-Seite schreiben sie: „Jede Krise bringt auch Positives mit sich.“ In diesen Zeiten müsse man einfach zusammenhalten. Das haben Fiedler, Adldinger und Hager vorgemacht.
Auch das Hofbrauhaus verzichtet derzeit auf Zahlungen seiner Pachtwirte, wie Jürgen Charrois, Geschäftsführer der Brauerei, dem FT mitteilt. „Wir haben unsere Wirte Ende Mä
rz angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass wir die Pacht im April aussetzen – also auf das Geld verzichten.“ Rund 40 Wirtschaften kommt diese Entscheidung zugute. „Damit wollen wir in schwierigen Zeiten einen kleinen Betrag leisten.“ Um den Gastronomen auch im Mai helfen zu können, würden nun Gespräche geführt.
Auch die Brauerei selbst hat in diesen Tagen zu kämpfen. Charrois beziffert den Umsatzrückgang auf 60 Prozent. Dabei leide man nicht nur unter den Absagen von Großveranstaltungen, sondern auch an der Schließung der Gastro-Betriebe. „Was die Menschen in der Wirtschaft an Bier trinken, das trinken sie zu Hause nicht.“
Keine Stellungnahme von Weihenstepahn
Die Schlossbrauerei Au agiert inzwischen hauptsächlich als Getränkelieferant und hat nur noch eine Pachtgaststätte unter Vertrag. Wie Baron Michael Beck von Peccoz Leiter der Schlossbrauerei Au, dem FT mitteilte, habe er dem betroffenen Wirt die Pacht für den Monat April erlassen. Ob das für Mai ebenso gilt, sei jedoch noch nicht klar.
Keine Stellungnahme gab es auf FT-Nachfrage von der Staatsbrauerei Weihenstephan. Auf die Frage, wie er es mit der Pacht handhabt, wollte Brauereidirektor Josef Schrädler der Heimatzeitung keine Auskunft geben.
Dass sie mit ihren Pächtern das große Los gezogen hat, dessen ist sich Franziska Kreuter bewusst. Die Gedanken der Furtner-Wirtin gelten daher bereits ihren Freisinger Gastronomie-Kollegen: „Wir wünschen euch genau solche Vermieter mit dem Herz und dem Hirn am rechten Fleck, wie wir sie haben.“
„Ich weiß nicht, wie viele überleben – und wie viele untergehen“
Unterstützung sei in der Gastronomie absolut notwendig, sagt Anna Elisabeth Hofmeier, Kreisvorsitzende der DEHOGA (Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband). Die Lage sei „sehr besorgniserregend“, gerade für kleine und mittelständische Unternehmen, meist Familienbetriebe. Und die würden im Landkreis deutlich überwiegen. „Ich weiß nicht, wie viele die Corona-Krise überleben – und wie viele untergehen.“
Dass nun viele Lokale versuchen, der Krise mit To-go-Angeboten und Lieferdiensten zu trotzen, sei zwar gut, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Letztlich sei es aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Damit rettet man keine Unternehmen.“
„Anständiges Förderkonzept“ gefordert
Problematisch sei derzeit vor allem, dass gerade Familienbetriebe in der Vergangenheit keine Möglichkeit gehabt hätten, sich Reserven zu erarbeiten. Über die Betriebe habe sich eine wahre „Auflagenflut“ ergossen. „Eine große Hotelkette fängt das aber freilich leichter auf als ein einzelner Inhaber“, erklärt Hofmeier.
Um Lokale und Gaststätten – um die es im ländlichen Raum ohnehin nicht sehr gut bestellt ist – zu retten, fordere die DEHOGA vonseiten der Regierung nun ein „anständiges Förderkonzept“, damit kleine und mittelständische Betriebe nicht durchs Raster fallen. Zudem müsse der Mehrwertsteuersatz unbedingt reduziert werden, wenn das Gastgewerbe die Arbeit wieder aufnehmen darf. Hofmeier sagt: „Das würde sehr viel helfen.“
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