VonSebastian Grauvoglschließen
Die Corona-Krise setzt dem Landkreis Miesbach auch wirtschaftlich schwer zu. Um dem Tourismus wieder auf die Beine zu helfen, hat sich nun eine Task Force gegründet.
Landkreis – Immer weniger aktive Corona-Fälle im Landkreis Miesbach: Die Entwicklung der vergangenen Tage macht Hoffnung, dass die Lage im „Hotspot“ mittlerweile gut beherrschbar geworden ist. Doch die medizinischen Erfolge können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Krise den Landkreis noch in einer weiteren Hinsicht schwer getroffen hat: als Wirtschaftsstandort. Vor allem die Schlüsselbranche Tourismus habe bereits jetzt stark unter dem Shutdown gelitten, teilt der Bürgermeister-Sprecher und designierte Landrat Olaf von Löwis mit. „Unsere wirtschaftliche Zukunft steht auf dem Spiel.“ Wegen der hohen Dringlichkeit des Themas hat Löwis zusammen mit Wirtschafts- und Tourismus-Organisationen sowie Vertretern der Betriebe kurzfristig eine Rettungsmission gestartet: die Task Force „Tourismus und Gastronomie“.
Mit drastischen Worten skizziert Löwis die derzeitige Lage in den betroffenen Betrieben. Ob familiengeführte Gasthäuser, Anbieter von „Urlaub auf dem Bauernhof“, Sterne-Köche oder Wellnessressorts: Sie alle hätten durch die umfangreichen Infektionsschutzmaßnahmen ihren Betrieb so gut wie vollständig einstellen müssen. Mit den Unternehmern würden nun Tausende Mitarbeiter, die in Kurzarbeit geschickt wurden, um ihre Jobs zittern. Und das in einer Zeit, in der der Sommertourismus normalerweise richtig Fahrt aufnimmt in der Region.
„Selbstverständlich steht die Gesundheit, vor allem die der Risikogruppen, an oberster Stelle“, betont Löwis. Dennoch müssten jetzt Lösungen erarbeitet werden, um Tourismus und Gastronomie nach der Pandemie aus der Krise zu führen. Ohne Hilfe würden viele Betriebe nicht überleben. Die Folgen wären fatal. Nicht nur für das Hotel- und Gaststätten-Personal, sondern auch für Handwerker, Dienstleister und Einzelhändler im Landkreis. „Die Verunsicherung in der Region ist sehr groß“, sagt Löwis. Deshalb habe er das Thema nun zur Chefsache gemacht.
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Die Task Force sieht Löwis als „Plattform zur Sammlung von Problemen, aber auch von konkreten Lösungsansätzen zur Rettung des Tourismus und der Arbeitsplätze in der Branche“. Neben den beiden Tourismus-Organisationen Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) und Tegernseer Tal Tourismus (TTT) arbeiten Vertreter der Standortmarketinggesellschaft (SMG), der Betriebe und der Politik darin mit. Als ersten Schritt habe man einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder sowie Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner geschrieben, in dem die Probleme benannt und Strategien für die Zukunft vorgeschlagen werden.
In erster Linie, so Löwis, brauche die Branche eine klare Perspektive. „Bei allem Verständnis für die Dynamik der Lage ist ein längerer Planungshorizont dringend notwendig, um Vorbereitungen und Auflagen erfüllen oder Buchungen und Veranstaltungen abzuwickeln zu können.“ Ferner bittet die Task Force um Prüfung mehrerer Maßnahmen, etwa die Ausdehnung der geplanten Mehrwertsteuersenkung von Speisen auf Getränke und Frühstücksleistungen. Der aktuelle, auf ein Jahr befristete Ansatz, sei zu wenig, um wirklich greifen zu können.
Die Task Force schlägt außerdem einen eigenen Schutzschirm des Freistaats für die Hotellerie und Gastronomie vor. Auch wenn viele Unternehmer derzeit mit Krediten versuchen, ihren Betrieb zu retten, werde das das Problem nur verschleppen, fürchtet Löwis. Die meisten würden die zusätzlichen Kredite in den kommenden Jahren nicht mehr zurückzahlen können. Allein im Landkreis Miesbach sei daher mit „nicht mehr einholbaren Umsatzeinbußen in Millionenhöhe“ zu rechnen.
Klare Worte an die große Politik also. Und Löwis verspricht, die Task Force werde an der Sache dranbleiben. Ab dem 1. Mai werde er die Rettung von Hotellerie und Gastronomie als neuer Landrat weiter vorantreiben.
