VonChristian Fellnerschließen
Bei der Aufstellungsversammlung der CSU in Farchant erhält die Junge Union zwei feste Listenplätze, während nur eine Frau aufgestellt wird.
Viel zu rütteln gab es an den 100 Prozent für Christian Hornsteiner nicht. Und das, obwohl es eine geheime Wahl war, also jeder anonym sein Unbehagen hätte ausdrücken können. Geschah aber nicht: 34-mal „Ja“ bei 34 Zetteln – eine klare Geschichte. Mathematisch eben 100 Prozent. Die erhielt der Farchanter Bürgermeister von den Mitgliedern des CSU-Ortsverbands bei der Aufstellungsversammlung im Explorer-Hotel. Sechs weitere Jahre soll der 52-Jährige die Geschicke des Dorfs lenken.
Die Liste der CSU:
1. Christian Hornsteiner, 2. Johann Schmid senior, 3. Johann Schnitzbauer, 4. Andrea Buchwieser, 5. Klement Schmid (JU), 6. Hannes Porer, 7. Anton Klöck, 8. Johann Ostler junior (JU), 9. Michael Fessenmayer, 10. Johann Schmid junior, 11. Georg Urban junior, 12. Michael Eibensteiner, 13. Matthias Kahoun, 14. Rainer Huch, 15. David Buchwieser (JU), 16. Steve Kaufhold.
Ersatz: Leon Wackerle, Andreas Berndaner.
Hans Schmid gab den starken Fürsprecher. Er reagierte zuerst bei der rein hypothetischen Frage, wer es denn machen solle – und hielt ein kurzes Plädoyer auf Hornsteiner. „Er macht das richtig gut“, stand für den Vize-Bürgermeister fest. Es sei Hornsteiners Verdienst, dass die Arbeit im Gemeinderat mit drei Fraktionen so gut laufe, „er holt alle ins Boot“. Die CSU habe die absolute Mehrheit, „die gilt es bei der Wahl auch zu verteidigen“, aber das Schöne sei, dass sie dieses Druckmittel im politischen Alltag nicht brauche. Schmid wünsche sich dafür aber die vollen 100 Prozent für Hornsteiner. Gesagt, getan.
Hornsteiner selbst blickte auf die sechs Jahre zurück. 2020 sei er als Kandidat aller drei politischen Parteien im Ort angetreten, Freie Wähler und SPD hätten ihn unterstützt. Ein Vertrauen, das er mit geradliniger und offener Zusammenarbeit zurückgezahlt habe. Heuer nun trete er aber rein für die CSU an, stehe deshalb auch an Position eins der Liste.
Parteiübergreifend habe man viel erreicht im Dorf. Die städtebauliche Sanierung des Ortskerns nannte er, die Digitalisierung von Rathaus und Schule, den Breitbandausbau für alle, aber auch die Investitionen ins Sportzentrum. Aktuell laufe das Seniorenprojekt richtig an, die Vergabe der Aufträge steht an. Auch im Schwimmbad werde weiter maßvoll saniert, „um unser Bad für die nächsten 20 bis 25 Jahre zu erhalten und zu modernisieren“. Und die Ideen gehen nicht aus: So gebe es zum Beispiel für den alten Sportplatz schon einige Ansätze.
Die 100 Prozent Zustimmung wertete der Rathauschef als starkes Signal für „Geschlossenheit“. Diese Überzeugung gelte es nach draußen zu transportieren. „Jeder bekommt mit, was politisch unterwegs ist um uns herum“, monierte Hornsteiner. „Wir sind die Mitte, wir müssen mit der Jugend in Kontakt kommen, sie aufklären, was links und rechts von uns passiert.“ Es sei nicht einfach, diese Gespräche zu führen, „aber wir müssen es versuchen, den einen oder anderen zu überzeugen, dass er bei uns richtig ist“. Ein Tenor, in den Wahlleiterin Claudia Zolk einstimmte. Für die CSU dürfe keine Wahl mehr im Vorfeld eine „g‘mahde Wiesn“ sein. „Wir müssen rausgehen, uns wieder zeigen, alle miteinander für unsere Ziele kämpfen.“
Kleines Manko: Nur eine Frau dabei
Mit einer gemischten Liste will die Farchanter CSU an alte Erfolge anknüpfen. Nur Andreas Berndaner vom bisherigen Gemeinderat verzichtete aus eigenen Stücken auf eine weitere Kandidatur. „Ich will einfach Jüngeren Platz machen, die nachrücken sollen“, begründete er, ließ sich aber als Ersatz nominieren. Das mit der Verjüngung ist so eine Sache. Daran erinnerte Altbürgermeister Michael Lidl mit einer Anekdote aus 1972. „Ich bin damals zum ersten Mal angetreten, und wir hatten den gleichen Fall.“ Die Junge Union sollte vier Fixplätze bekommen. „Daraufhin haben einige Ältere fluchend den Saal verlassen.“ Lidl musste also schmunzeln, dass genau dieses Prozedere 53 Jahre später wieder zum Zuge kommt. Diesmal wurden Klement Schmid als JU-Chef und Johann Ostler junior auf die Positionen fünf und acht gesetzt. Der Unterschied zu damals: Niemand murrte. Weit nach vorne auf Platz drei der Liste wählten die Mitglieder Johann Schnitzbauer, den Schützenmeister der SG Kuhflucht, der bisher im Gremium nicht vertreten ist, nun aber beste Chancen hat.
Einziges Manko der Liste: Ortschefin Andrea Buchwieser ist die einzige Frau. Taugt niemandem. „Wir haben sehr viele Gespräche geführt, aber es ist nicht einfach, die Damen zu überzeugen, dass sie geeignet sind“, räumte Hornsteiner ein. „Und wir können niemanden zwingen.“ Da hatte auch Mister 100 Prozent kein Glück.
