Stammtisch der Christsozialen im Gasthaus Geiger

CSU Geretsried „steht hinter dem kostenlosen Stadtbus“

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Künftig gratis: Das Fahren mit dem Stadtbus soll ab 2019 kostenlos sein, so der Wunsch von einigen Geretsriedern.

Ist der kostenlose Stadtbus schon gestorben, bevor man einen Versuchsballon gestartet hat? Diese Befürchtung äußerte der ehemalige FDP-Stadtrat Ernst Walko am CSU-Stammtisch.

Geretsried – Der Stadtrat hatte auf Anregung Walkos und der SPD-Fraktion hin – beschlossen, zu prüfen, ob der Stadtbus gratis für die Bevölkerung fahren könnte. Er würde dadurch attraktiver, man würde die Umwelt und den Geldbeutel sozial schwacher Mitbürger schonen, so die Argumente für die Einführung, die zunächst probeweise erfolgen sollte. In der jüngsten Bau- und Umweltausschuss-Sitzung war das Thema erneut zur Sprache gekommen, allerdings eher im Hinblick auf die Fahrgastfreundlichkeit des Citybusses. Stadtrat und CSU-Ortsvorsitzender Ewald Kailberth hatte darauf hingewiesen, dass der Platz für Kinderwagen und Rollatoren in den Fahrzeugen nicht ausreiche.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Stadt, wie es generell mit den Untersuchungen zur kostenlosen MVV-Linie 310 ab dem Jahr 2019 stehe, hatte Pressereferent Thomas Loibl geantwortet, das sei „alles nicht so einfach“ – ein Satz, der Walko aufhorchen ließ.

Der Geretsrieder plädierte am CSU-Stammtisch am Sonntag im Gasthof Geiger vehement dafür, an dem Vorhaben festzuhalten. Gerade während der aktuellen Baustelle im Zentrum würde man dadurch einen Teil des Autoverkehrs aus der Stadt bringen. Das Parkplatzproblem wäre dann auch nicht mehr so groß. „Ich bin der festen Überzeugung, die Bürger würden den kostenlosen Stadtbus annehmen“, sagte Walko. Er verwies auf Pfaffenhofen an der Ilm, eine Stadt mit ebenfalls 25 000 Einwohnern, in der ab Mitte Dezember versuchsweise eine Gratis-Linie fahren wird. Der Ex-Politiker meinte, irgendjemand – MVV, RVO oder Landkreis -– werde immer etwas dagegen haben. Geretsried sollte trotzdem im Sinne der Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Personenverkehrs mit gutem Beispiel vorangehen.

Seniorenreferentin Dr. Sabine Gus-Mayer stimmte Walko zu, dass das Projekt eine gute Idee sei. Die 30 000 Euro, die der Stadt an Fahrschein-Einnahmen entgingen, seien „Peanuts“ im Vergleich etwa zu den 170 000 Euro, die sie kürzlich mal eben locker für eine neue Eismaschine im Eisstadion ausgegeben habe. „Die CSU steht hinter dem kostenlosen Stadtbus. Es muss halt machbar und sinnvoll sein“, betonte sie.

Ihr Fraktionskollege Wolfgang Möckel sieht das anders. Seiner Meinung nach würde es reichen, sozial schwache Bevölkerungsgruppen mit Gutscheinen zu versorgen. Ein Ticket zum Preis von 1,50 Euro sei für jeden Normalverdiener erschwinglich. Kailberth schlug vor, einen Anreiz zum Busfahren zu schaffen, indem die Läden den Ticketpreis bei einem Einkauf rückerstatteten, ähnlich wie das mancherorts mit Parktickets gehandhabt werde.  

Tanja Lühr

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