VonCarl-Christian Eickschließen
Im Wolfratshauser Rathaus herrsche Chaos, der Bürgermeister solle seinen Rücktritt in Erwägung ziehen: Jetzt äußert sich Klaus Heilinglechner zu den Vorwürfen der CSU.
Wolfratshausen – Bürgermeister Klaus Heilinglechner ist am Montag an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. „Den Urlaub hatte ich mir anders vorgestellt“, gibt er im Gespräch mit unserer Zeitung zu. Wie berichtet hat die Wolfratshauser CSU die Unterschlagungen von Heilinglechners früherer Sekretärin zum Anlass genommen, den Rathauschef indirekt zum Rücktritt aufzufordern.
Wenn jemand, der äußerst großes Vertrauen genießt, mit krimineller Energie vorgeht, „findet er einen Weg, um zunächst unentdeckt betrügen zu können“, sagt Heilinglechner rückblickend. Die Unterschlagungen seiner ehemaligen Vorzimmerdame seien im Dezember 2017 bei internen Kontrollen aufgefallen. „Wir haben vielleicht ein klein wenig zu lange gewartet“, räumt der Bürgermeister ein. Man habe zunächst mehrfach mündlich Rechnungsbelege angefordert. Als die Sekretärin nicht reagiert habe, „haben wir vermutet, dass sich da etwas anbahnt“ und sie schriftlich angewiesen, die Belege vorzulegen. „Sie hat sich daraufhin krank gemeldet“, berichtet der Rathauschef. Umgehend sei die Polizei eingeschaltet worden, es folgten eine Strafanzeige und schließlich das Urteil des Amtsgerichts: ein Jahr Gefängnisstrafe zur Bewährung.
Bis auf den Tag fehlen Belege für die Betreuung von Gästen aus der japanischen Partnerstadt Iruma. Es geht um mehr als 9500 Euro. „Die Abrechnungen sind unauffindbar“, berichtet Heilinglechner. Er kann nur spekulieren, ob sie „von der Dame vernichtet worden sind“. Der Bürgermeister betont, dass die Verwaltung „hervorragend arbeitet“, das Kontrollsystem habe funktioniert: „Wir haben den Fall aufgedeckt, wir haben ihn der Strafbehörde gemeldet – wir sind hier kein Kindergarten.“ Trotzdem seien die internen Kontrollmechanismen im Dezember 2017 noch einmal verschärft worden. Wer nun schriftlichen Aufforderungen nicht fristgerecht nachkommt, kassiere sofort eine Abmahnung.
Was ist mit dem verschwunden Dienstsiegel der Kommune? Das sei – wie die sogenannte Handkasse – am Schreibtisch der entlassenen Sekretärin zum letzten Mal gesehen worden. Schindluder könne mit dem Siegel nicht getrieben werden: „Das Dienstsiegel, das eine bestimmte Nummer trägt, ist von der Stadt mit Datum vom 16. Januar 2018 für ungültig erklärt worden“, erläutert Heilinglechner. Ein entsprechender Hinweis sei im Bayerischen Staatsanzeiger veröffentlicht worden.
Die Aussage der Verteidigerin der Ex-Sekretärin, dass im Wolfratshauser Rathaus „Kraut und Rüben“ herrschen, widerspricht der Bürgermeister mit Nachdruck und gibt zu bedenken: „Ach wissen Sie, die Verteidigerin muss den Ball ja von ihrer Mandantin wegspielen.“
Dass die CSU hinter der Rathausfassade ein „totales Desaster“ (Ortsvorsitzende Susanne Thomas) ausgemacht hat und ihm rät, seinen Stuhl zu räumen: „Das nehme ich zur Kenntnis“, sagt Heilinglechner. Die, die auf eine wütende Reaktion des Amtsinhabers gehofft haben, der 2020 erneut kandidiert, werden enttäuscht: „Ich führe weiterhin einen fairen Wahlkampf. Punkt.“ cce
