VonChristian Fellnerschließen
Die nächste Überraschung in der Landkreispolitik: Der Kreis-Vorstand der CSU präsentiert Vize-Bürgermeisterin (52) als Wunschkandidatin. Das steckt dahinter.
Garmisch-Partenkirchen – Im Grunde ist sie selbst schuld an der ganzen Sache. Ein Satz von Claudia Zolk hat nämlich einiges ins Rollen gebracht. „Alle Deine Wünsche sollen in Erfüllung gehen!“, rief sie Thomas Schwarzenberger an dessen Geburtstag zu. Eine Steilvorlage, die der Kreis-Chef der CSU und Bezirkstagspräsident gekonnt aufnahm: „Ich habe ihr gesagt, ich hätte da schon einen.“ So nahm die Geschichte im Sommer langsam Fahrt auf, die nun kurz vor Weihnachten ihren Höhepunkt findet: Zolk, Vize-Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen und bisher beim Christlich Sozialen Bündnis CSB beheimatet, soll nun für die CSU ins Rennen um den Posten der Landrätin gehen. „Sie hat unsere volle Rückendeckung“, verspricht Schwarzenberger. Der gesamte Kreis-Vorstand habe bereits Unterstützung zugesichert. Wenngleich Zolk bisher nicht nominiert ist. Das stellt Schwarzenberger auch heraus: „Sie ist unser Vorschlag, aber bis Jahresende können sich gerne Kandidaten melden.“ Eines fügt er aber gleich an: „Wobei ich nicht glaube, dass da noch jemand kommt.“
Amtsinhaber Speer hat sich bisher nicht erklärt
Dass Dr. Markus Wäckerle und Zolk, die beiden aktuellen Garmisch-Partenkirchner Gemeinderäte des CSB, zum 1. Januar 2025 zur CSU wechseln, ist seit einigen Tagen bekannt. Nun aber wird die Tragweite dieser Entscheidung erst richtig klar: Die CSU will mit Zolk durchstarten und das politische Spitzenamt im Landkreis zurückerobern. Und das unabhängig davon, ob Anton Speer (Freie Wähler) wieder antritt oder nicht. Der Amtsinhaber hat sich bisher nicht erklärt, ob er 2026 – dann im Alter von 67 Jahren – seinen Hut nochmals für eine dritte Wahlperiode in den Ring wirft. „Wir wissen momentan nicht, was er macht. Wenn er wieder kandidiert, wird es schwierig“, das räumt Schwarzenberger ein. Ohne aber die Flinte ins Korn zu werfen. „Wenn wir uns als CSU gut aufstellen, dann haben wir auch gegen ihn eine Chance, davon bin ich überzeugt.“ Denn Zolk sei der quasi der Gegenentwurf zu Speer, „unser Alternativangebot an die Wähler im Kreis“. Eines steht für den Krüner fest: „Speer zu kopieren, das ist nicht möglich.“ Doch gerade aus politischer Sicht gebe es im Landkreis einige Themenfelder im Sozialbereich oder der Wirtschaft, in denen die CSU-Oberen einen anderen Weg einschlagen möchten. „Da bräuchte es definitiv andere Akzente“, mahnt Schwarzenberger.
Die Familie steht hinter Claudia Zolk
Zolk selbst ist bereit für die Herausforderung. „Ich habe in jetzt gut vier Jahren viel aufgesaugt in der Kommunalpolitik“, sagt die 52-Jährige. Ein Satz ihrer Tochter ermunterte sie ganz besonders, für das höchste politische Amt in der Region zu kandidieren. „Sie meinte nur: Wenn Du es jetzt nicht machst, wann dann? Hinterher bereust Du es eventuell.“ Das Votum der Familie war Zolk extrem wichtig. Aber egal, wen sie fragte, von überall kam ein „Ja“ zurück. Von der Mutter, von der Schwester, den zwei Kindern und ihrem Mann. Also packt sie es an. „Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, Du bist jetzt Zweite Bürgermeisterin und bewirbst Dich um den Landratsposten, ich hätte den Kopf geschüttelt.“ Doch ihr Weg führte steil und schnell nach oben.
Ein Mensch, der verbindet, nicht entzweit
Punkten will Zolk, die neben dem politischen Amt in einer Versicherungsagentur engagiert und zudem als Zweite Vorsitzende im Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes aktiv ist, vor allem mit ihrer Art. „Ich denke, dass ich ein Mensch bin, der verbinden kann und nicht entzweit. Ich denke, ich kann Kompromisse finden.“ Das schätzen auch ihre Mitstreiter an ihr. „Ich habe überall herausgehört, dass sie die richtige Kandidatin ist“, sagt Christian Hornsteiner, der stellvertretende Kreischef der CSU. „Und das aus allen Ecken des Landkreises.“ Schwarzenberger traut ihr die Rolle ohne Weiteres zu. „Sie hat jetzt schon viele Erfahrungen gemacht, und das auch in sehr schwierigen Themen im sozialen Bereich.“ Sie arbeitet im Garmisch-Partenkirchner Rathaus bereits mit einer sehr großen Verwaltung zusammen, besitze Verhandlungsgeschick, habe Routine mit der Leitung von Sitzungen. Schwarzenberger kennt sie seit Jahren vom BRK, die CSU-Bürgermeister sie aus den Dienstbesprechungen. Alles zusammen ergab offenbar ein stimmiges Bild.
Von den CSU-Bürgermeisterin will es keiner machen
Dass die CSU bei der Suche nach einem Kandidaten für den Landratsposten in den eigenen Reihen nicht fündig geworden ist, mag verwundern. Schwarzenberger erklärt es aber recht einfach: „Von unseren Bürgermeistern wollte es keiner machen.“ Alle sitzen zu fest im Sattel. Im Vorstand gab es auch nur Abwinken. Als der Kreis erweitert wurde, kam Schwarzenberger sofort Claudia Zolk in den Sinn. Er blieb hartnäckig – und hatte Erfolg.
Mitte Januar wird es eine nächste Sitzung des CSU-Kreisvorstands geben, in der dann auch ein Empfehlungsbeschluss gefasst werden soll. Die endgültige Aufstellung obliegt dann jedoch der Delegiertenversammlung, die im Frühjahr ansteht. Die Liste für die Kreistagswahl soll dann spätestens bis Herbst 2025 stehen. Dazu haben sich Schwarzenberger und Co. schon einige Gedanken gemacht. „Auch da sind wir dabei, sie etwas anders zu gestalten.“ Was wohl so viel bedeutet, dass neue Namen frischen Wind bringen könnten. Claudia Zolk aus dem Hut zu zaubern, war definitiv eine erste Überraschung.
