VonStefanie Zipferschließen
Die Corona-bedingten Schulschließungen und der Rat der Behörden, Kinder nicht mehr bei Oma und Opa abzuliefern, bringt berufstätige Eltern in Schwierigkeiten.
Dachau – Nadja Triebel, alleinerziehende Mutter zweier Söhne aus Sulzemoos, sagt von sich: „Ich helfe Menschen gerne!“ Aus diesem Grund tritt sie im Mai einen Job in der Altenpflege an – und bietet nun, solange sie noch Hausfrau ist, allen berufstätigen Eltern mit Betreuungsproblem ihre Hilfe an. „Meine Wohnung ist offen, ich habe einen riesen Garten“, sagt die 43-Jährige. Ihr neunjähriger Sohn, der an die Odelzhauser Grundschule geht, würde sich in den kommenden schulfreien Wochen ohnehin über jedwede Gesellschaft freuen. Klar, sagt Triebel, „ich habe mich informiert, wir würden jetzt keine Ausflüge in die Stadt machen oder so“. Aber Spaziergänge im Wald oder Beschäftigung zuhause könnte sie sich gut vorstellen.
So wie Nadja Triebel wollen viele helfen. Auf einen Facebook-Aufruf der Heimatzeitung reagierten zahlreiche Leser. Auch Einkaufsfahrten würde manche gerne übernehmen. Das Problem: Eine zentrale Vermittlung dieser freiwilligen Helfer gibt es bislang nicht – und dabei soll es auch bleiben. „Wir machen keine ehrenamtliche Betreuungsbörse“, stellt Landratsamtssprecher Wolfgang Reichelt klar. Zwar sieht er ein, dass die Lage für berufstätige Eltern derzeit schwierig ist, da Großeltern zur Kinderbetreuung aus Sicherheitsgründen nicht mehr herangezogen werden sollen. Allerdings gelte eben auch die Coronavirus-Allgemeinverfügung des bayerischen Gesundheitsministeriums, die besagt, dass keine größeren Kindergruppen gebildet werden sollen, da sonst der Effekt der Kita- und Schulschließungen verpuffe. Was Reichelt daher empfiehlt, ist Kinderbetreuung „als Freundschaftsdienst“. Wenn ein Nachbar also den Nachwuchs aus dem Nebenhaus hüte, sei dies „als Gefälligkeit in Ordnung“. Wichtig sei aber, dass diese Gefälligkeit „in überschaubarem Rahmen bleibt“.
Michael Rabl aus Karlsfeld ist einer derjenigen, die die aktuelle Regelung mit voller Wucht trifft. Sowohl er als auch seine Frau sind voll berufstätig, der zweieinhalbjährige Sohn braucht noch Rundum-Versorgung. Nach der Krippe sprang daher oft auch der Opa bei der Versorgung des Buben ein.
Rabls Arbeitgeber zeigt sich insoweit kulant, als er den Mitarbeitern zeitweise Heimarbeit zugesteht – unter der Bedingung, dass auch die Arbeitgeber der Partner einem temporären Home Office zustimmen. Rabl ist zwar zuversichtlich und sagt „Wir werden es schon irgendwie regeln“, gleichzeitig gibt er aber auch zu: „Es ist eine komische Situation, so etwas hatten wir noch nie. Jeder ist ratlos.“ Dass so viele Menschen helfen wollen, findet er toll. Nach entsprechendem Kennenlernen könnte er sich daher auch vorstellen, im Notfall auf einen Helfer zurückzugreifen.
Landratsamtssprecher Reichelt warnt aber noch aus einem weiteren Grund vor allzu großer Hilfsbereitschaft: Wer für seine Babysitterdienste Geld nehme, komme schnell in einem arbeitsrechtlichen Graubereich. Wer gerne unentgeltlich helfen möchte, solle sich daher am besten an die Schulen oder Kindergärten wenden; auch das Netzwerk „Kind in Dachau“ (KiD) oder Pfarrämter böten oft eine entsprechende Kontaktplattform an.
Fest steht: Eine einfache Lösung, wie Hilfesuchende und Helfer zusammenkommen, gibt es nicht. Worauf es derzeit ankomme, fasste gestern der Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands, Martin Löwe, daher so zusammen: Entscheidend sei „die Kreativität und Initiative der Beteiligten, um mit Hilfe von Nachbarn und Freunden Lösungen zu finden“.
Der Kontakt zu Nadja Triebel sowie zu einer ausgebildeten Krippen-Betreuerin aus Bergkirchen kann bei Interesse unter Telefon 0 81 31/5 63 24 erfragt werden. Weitere Kontakte von Helfern finden sich auch auf der Facebook-Seite der Dachauer Nachrichten.
Aus Karlsfeld kam die Kunde, dass ein Fußballer positiv getestet wurde. Die Verunsicherung wächst, der Virus rückt näher.
