Hotel in Klinik umgewandelt

Corona-Hilfskrankenhaus: Sie sind bereit für die nächste Welle

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Gruppenbild mit Ministerin: die Vertreter des Landratsamts, des Klinikums, des Rettungsdiensts, Feuerwehr und des THW mit Melanie Huml (Mitte).
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Das Hilfskrankenhaus steht bereit: Innerhalb von sieben Tagen haben Feuerwehr und THW das Hotel Select in eine Klinik umgewandelt. Noch wird das Hilfskrankenhaus nicht benötigt, aber das kann sich schnell ändern.

Dachau – Ab sofort stehen 99 sauerstoffversorgte Betten im neuen Corona-Hilfskrankenhaus in der Newtonstraße zur Verfügung – für Patienten, „denen es zu gut geht für das Krankenhaus und zu schlecht für Zuhause“, wie Professor Dr. Hjalmar Hagedorn, Ärztlicher Direktor des Helios Amper-Klinikums, erklärt. Am Montagnachmittag überzeugte sich Staatsministerin Melanie Huml bei einem Besuch über die Einsatzbereitschaft des Hilfskrankenhauses. Mit dabei waren Vertreter des Landratsamts, des Klinikums, des Rettungsdiensts, Feuerwehr und des THW.

„Mit einem Vorlauf von allerhöchstens 48 Stunden kann das Hilfskrankenhaus in Betrieb gehen“, sagte Landrat Stefan Löwl. Die Investitionskosten liegen laut Löwl im sechsstelligen Bereich. In einem Zelt vor dem Hotel stehen 100 Sauerstofftanks bereit, in der Corona-Hilfsklinik wurden die Zimmer für 99 Patienten vorbereitet, im ersten und zweiten Stock. Doch insgesamt könnten 180 Patienten untergebracht werden. Im Erdgeschoss wurden die Seminarräume zu Notbehandlungszimmern, die das BRK mit zwei Sanitätern besetzt. Jedes Zimmer hat – dank der Hotelstrukturen – ein Bad und eine Toilette, einen Tisch und einen Fernseher – optimale Voraussetzungen für die Quarantäne. In der Hilfsklinik werden nur Patienten untergebracht, die nicht beatmet, sondern nur mit einer Sauerstoff- und Inhalationstherapie versorgt werden müssen. Das ärztliche Personal kommt vom Helios Amper-Klinikum Dachau. „Die Ärzte arbeiten in Schichten“, erklärt Kreisbrandrat und Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz, Franz Bründler, „zwei früh, zwei spät, einer nachts“. Geplant sind zwei Stationen, in jedem Stockwerk eine. Die Pflegekräfte rekrutieren sich primär aus dem Pflegepool-Bayern. „Von über 50 Interessierten haben sich 20 Personen, davon 18 examinierte Fachkräfte, bereit erklärt, im Hilfskrankenhaus zu arbeiten“, sagte Löwl. Auch die Pflegekräfte arbeiten in Schichten: drei früh, drei spät, zwei nachts.

Gruppenbild mit Ministerin: die Vertreter des Landratsamts, des Klinikums, des Rettungsdiensts, Feuerwehr und des THW mit Melanie Huml (Mitte).

Sieben Tage lang schufteten die Helfer von Feuerwehr und THW. Sie transportierten Betten, 240 Matratzen und die zugehörige Bettwäsche aus dem Hotel ab. Das klinische Material – „alles von der Bettpfanne bis hin zu Kitteln“, so Bründler – lieferten die Helfer dann in 58 Paletten vom Messegelände München nach Dachau. 80 Einsatzkräfte der Feuerwehren Altomünster, Haimhausen, Hebertshausen, Indersdorf, Oberroth, Pellheim, Petershausen, Röhrmoos, Vierkirchen und das THW Dachau halfen mit, die Corona-Klinik zu errichten.

Welche Patienten in das Hilfskrankenhaus kommen, wird im Amper-Klinikum entschieden. „Wir übernehmen die Steuerung und schauen: Kann der Patient nach Hause oder muss er ins Krankenhaus?“, erklärt Hagedorn.

Eigentlich hatten Experten schon vergangene Woche damit gerechnet, dass die Hilfsklinik in Betrieb gehen muss. Bei einem Treffen vor zwölf Tagen sei man von einer weiteren Aufnahme von sieben Patienten pro Tag ausgegangen. „Doch die Prognosen haben sich verändert“, so Hagedorn. Laut Landratsamt seien die Zahlen der Patienten, die nicht beatmet werden müssten, vergangene Woche stabil geblieben beziehungsweise abgeflacht. Hagedorn ergänzte, dass der Verlauf „wellenförmig“ sei. Daher werde das Hilfskrankenhaus aktuell nur in Bereitschaft gehalten.

„Wir erleben jetzt den Effekt der Schulschließungen und der Ausgangsbeschränkungen“, erklärte Gesundheitsministerin Huml. Sie dankte dem medizinischen und pflegerischen Personal der Klinik sowie den ehren- und hauptamtlichen Kräften der Rettungsorganisationen, den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes und allen anderen beteiligten Personen.

„Dachau ist für den Ernstfall gerüstet“, sagte Dr. Thomas Weiler voller Überzeugung. Der ärztliche Leiter im Bereich der Integrierten Leitstelle, die die stationäre Versorgung in den Landkreisen Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg und Landsberg regelt, betonte außerdem die gute Zusammenarbeit der Regionen und den Zusammenhalt der Bezirke. Und nicht zuletzt zeigen auch die Bürger einen starken Zusammenhalt und Solidarität – ob beim Maskennähen oder bei der Hilfe bei Einkäufen und Erledigungen. „Und das berührt mich emotional und gibt Hoffnung, dass wir das gemeinsam schaffen“, so Thomas Weiler.

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