Alle zwei Wochen mit dem Bus

Andrang reißt nicht ab: Landkreis in Bayern hat bald Geflüchtete in allen Gemeinden

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Der Landkreis Dachau müht sich nach Kräften mit der Unterbringung Geflüchteter. Ende des Jahres sollen 600 weitere Betten geschaffen werden. Die Verteilung der Menschen innerhalb des Landkreises aber ist ungleich.

Auf diesem Grundstück an der Indersdorfer Heinrich-Lanz-Straße wurde ein Zelt für die Notunterbringung von Flüchtlingen bereitgestellt. Bislang wurde es nicht belegt, soll aber bis Ende November vorgehalten werden.

Dachau – Alle zwei Wochen ein Bus. Das ist der Rhythmus, der die Arbeit der Ausländerbehörde im Landratsamt seit vielen Monaten bestimmt. Rund 100 Geflüchtete aus aller Welt erreichen damit monatlich den Landkreis, der sich nach Kräften bemüht, diese Menschen bis zum Abschluss ihres Asylverfahrens möglichst menschenwürdig unterzubringen.

Um dies zu erreichen, hat Landrat Stefan Löwl im Sommer gegenüber der Heimatzeitung ein ambitioniertes Zahl ausgegeben: 600 weitere Betten sollen bis Jahresende landkreisweit zur Verfügung gestellt werden. Wobei: Die Schwierigkeit besteht nicht nur darin, die schiere Masse an Betten zu schaffen, sondern sie auch wirklich landkreisweit zu verteilen.

Löwl betont diplomatisch, dass sich sein Landratsamt „gemeinsam mit den Bürgermeistern seit Beginn der Flüchtlingskrise 2014/2015 um eine gleichmäßige, dezentrale Verteilung der Unterkünfte im Landkreis“ bemüht. Eine feste Verteilungs- beziehungsweise Zuweisungsquote gibt es rechtlich bisher jedoch nur bis auf Landkreisebene. Und so kommen Gemeinden, die sich etwa auf eine schlechte ÖPNV-Anbindung oder vermeintlich ungeeignete Grundstücke berufen, bislang um die Unterbringung der Asylbewerber herum. Noch.

Denn spätestens bis Anfang 2024 sollen nun auch Hilgertshausen-Tandern und Sulzemoos mitmachen bei der Mammut-Aufgabe, den Geflüchteten zu helfen. Löwl zufolge reicht es nicht, nur einen Ort zu finden, wo man ein Bett aufstellt: „Es bedarf eben auch Kita- und Schulplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und sozialen Anbindungen, damit die Integration der in den Gemeinden untergebrachten Flüchtlinge gelingen kann.“ In Sulzemoos und Hilgertshausen bedeutet dies: Der Landkreis mietet je ein Einfamilienhaus an, in dem 15 beziehungsweise zwölf Flüchtlinge leben sollen.

Die anderen Gemeinden sind seit langem wesentlich stärker in die Pflicht genommen worden (siehe auch Tabelle auf der Lokalseite 2). Von dem Ziel, bis Jahresende 600 weitere Betten zu schaffen, sind laut Sina Török, Pressesprecherin des Landratsamts, bereits 250 realisiert – und zwar über Containerlösungen in Schönbrunn, den Umbau des ehemaligen Seniorenheims Esterhofen bei Vierkirchen sowie Plätze in mehreren angemieteten Einfamilienhäusern und Wohnungen. In Planung seien zudem weitere 300 Betten in Containern und angemieteten Wohnräumen in Indersdorf, Dachau, Vierkirchen und Altomünster. „Somit sind insgesamt 550 Betten erstellt beziehungsweise fest in der Planung. Weitere Mietobjekte sind noch offen, sodass die 600 Betten erreicht werden können“, rechnet Török vor.

Hinzu komme das Zelt im Indersdorfer Gewerbegebiet, das 100 „Interimsplätze“ bietet. Török zufolge wurde es bislang nicht belegt, soll aber bis Ende November vorgehalten werden: „Das Zelt gilt als Notfalloption.“ Und: „Es verhindert die Belegung einer weiteren Turnhalle.“

Was Landrat Löwl sowie viele seiner Kollegen anmahnen, nämlich die konsequente Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern, hat im Landkreis Dachau zuletzt nicht wirklich stattgefunden. Im ganzen Jahr 2023 gab es laut Landratsamt bisher „acht Abschiebungen und sechs freiwillige Ausreisen. Die Zielländer waren Kosovo, Bulgarien und Nigeria.“

Was Löwl aktuell aber besonders ärgert an der Asylpolitik der Ampel-Regierung: „Die jetzt schon viel zu schwach aufgestellte Migrationsberatung des Bundes soll massiv zurückgefahren werden, trotz deutlich steigender Zugangszahlen!“ Nicht nur der bayerische Landkreistag protestiere. Sondern, so Löwl, „auch alle Sozialverbände“!

Rubriklistenbild: © Höltl

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