Laufzeitverlängerung für Atomkraft: Grüne sind sich uneins

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Sollen Atomkraftwerke länger laufen, um Gas zu sparen? - Brandenburgs Ministerpräsident sagt Ja.
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Was könnte helfen, um die Energieversorgung für den kommenden Winter sicherzustellen? Atomstrom, sagen viele. Die Grünen im Landkreis sind in der Frage aber uneins. Für das Partei-Urgestein Marese Hoffmann etwa wäre eine längere Nutzung der letzten deutschen Atomkraftwerke ein „absolutes No Go“.

Dachau – Roderich Zauscher aus Odelzhausen ist ein Ur-Grüner. Seit 20 Jahren Mitglied, „seit noch viel länger Wähler“, wie er sagt. Dennoch hat der langjährige Gemeinde- und Kreisrat in der Frage, die derzeit die Republik spaltet, eine erstaunlich offene Meinung. Den Rufen nach einer Laufzeitverlängerung der drei verbliebenen deutschen Atommeiler könnte er nämlich folgen. „Um ein paar Wochen oder Monate wird es beim Atomausstieg letzten Endes nicht gehen“, findet er. Allerdings müsse sichergestellt sein, „dass der Atomstrom wirklich die drohende Stromlücke füllen kann“ und außerdem alle „rechtlichen, technischen und sicherheitsrelevanten Fragen geklärt sind“.

Laufzeitverlängerung für Atomkraft: Grüne sind sich uneins

Derselben Meinung ist der Dachauer Grünen-Ortsvorsitzende Martin Modlinger. Wenn die Antwort auf die Frage „Hilft Atomkraft“ kurzfristig „ja“ laute, dann würde er „ergebnisoffen“ über das Thema sprechen. Langfristig aber müsse klar sein: „Atomkraft will keiner!“ Und dass die jahrzehntelange Haltung der Grünen, zur Atomkraft „nein danke“ zu sagen, die richtige war, sehe man ja jetzt: „Wir haben es immer gesagt, dass der Weg in die Zukunft nur über die regenerativen Energien führt. Jetzt müssen wir in kurzer Zeit aufholen, was wir in den vergangenen Jahren versäumt haben.“

Um ein paar Wochen oder Monate wird es beim Atomausstieg letzten Endes nicht gehen.

Roderich Zauscher

Hubertus Schulz, Grüner Fraktionssprecher im Indersdorfer Gemeinderat, ist in der Frage dagegen nicht zu Kompromissen aufgelegt. Der Aufwand, der für einen Weiterbetrieb der drei Meiler betrieben werden müsste, „steht in keinem Verhältnis zu dem, was wir dadurch gewinnen“. Außerdem würde dadurch „Abfall produziert, der 40 000 Jahre unsere Nachkommen belastet“. Die ganze Diskussion um die Atomkraft ist in seinen Augen daher nichts anderes als „eine Showdebatte“.

Wir haben ein Gasproblem, kein Stromproblem.

Marese Hofmann

Marese Hoffmann aus Hackermoos, wie ihr Kreistagskollege Zauscher eine Jahrzehnte lange Grüne, ist ebenfalls entschiedene Gegnerin längerer AKW-Laufzeiten. „Wir haben ein Gasproblem, kein Stromproblem“, betont sie. Zudem ist sie skeptisch, ob ein sicherer Weiterbetrieb der Kernkraftwerke Emsland, Isar II und Neckarwestheim II über den 31. Dezember 2022 hinaus möglich sei: „Das kriegen wir doch für diesen Winter niemals mehr hin! Das ist eine Milchmädchenrechnung!“ „Abartig“ findet Hoffmann gar den Vorschlag, den Grünen für eine Zustimmung zur Laufzeitverlängerung ein Tempolimit auf den Autobahnen zuzusagen. „Das ist ein No Go!“

Grüne diskutieren über Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke

Susanne Strauß, Grüne Gemeinderätin aus Petershausen und hauptberuflich Windgutachterin, gibt zu, vor allem im Thema Windenergie firm zu sein. Über Atomkraft glaubt sie aber genug zu wissen, um zu sagen: „Das ist ein Riesenapparat, das ist nicht so schnell steuerbar.“ Sie sei daher „eher gegen eine Laufzeitverlängerung“. Energieknappheit im Winter könnte zudem auch von Vorteil sein: „Vielleicht brauchen wir diese Not, um uns endlich auf die Hinterbeine zu stellen und zu sagen: Jetzt machen wir etwas anderes!“

Ob die Grünen, deren Kampf gegen die Atomkraft zum Gründungsmythos der Partei gehört, an dieser Frage zerbrechen, glaubt Roderich Zauscher übrigens nicht. In ihrer Geschichte hätten sich die Grünen als „erstaunlich wandelbar“ erwiesen. Die Mitglieder würden alle anerkennen: „Besondere Lagen erfordern besondere Mittel.“

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