„Wir haben eine Lücke gefüllt“

Gegen den Erzieher-Mangel: Berufsfachschule für Kinderpflege mit Erfolg gestartet – Ansturm auf Schulplätze

+
Kindgerechtes Lernmaterial präsentieren an der neuen Dachauer Berufsfachschule für Kinderpflege Isabelle Bichler, die den Fachbereich Kinderpflege verantwortet, und Frank Ritzel, Leiter der Berufsschule Dachau.

Die Dachauer Berufsfachschule für Kinderpflege ist mit Erfolg gestartet. Es gab einen Ansturm auf die Schulplätze.

Dachau – Im Regal stapeln sich Lernspiele, Bausteine und bunte Handpuppen fürs Kasperltheater, daneben warten Strampler-Sets, Wickelauflage und Babyschalen fürs Auto schon auf ihren Einsatz.

Präsentiert wird diese gut sortierte Kinderausstattung nicht etwa von stolzen Eltern, sondern von Frank Ritzel, Schulleiter der Dachauer Berufsschule, seinem Stellvertreter Christian Oswald und Isabelle Bichler, die als Lehrkraft für Sozialpädagogik verantwortlich ist für die in Dachau neu gestartete Berufsfachschule für Kinderpflege.

In dieser Bildungsstätte, die rechtlich selbstständig, doch organisatorisch der Dachauer Berufsschule angegliedert ist, erhalten junge Menschen eine zweijährige, vollzeitschulische Ausbildung im Mangelberuf „staatlich geprüfte(r) Kinderpfleger(in)“. Ein Angebot, für das sich der Landkreis lange eingesetzt hatte und das sich jetzt vom Start weg als Erfolg erweist.

Denn an den Schulplätzen zur Kinderpflege-Ausbildung gab es riesiges Interesse, auf einer Warteliste stehen 13 Namen. Und die 64 jungen Frauen und Männer, die nun in zwei Klassen ausgebildet werden, lassen fröhlich ausrichten: „Alles läuft super!“

Erfolgreicher Start der Berufsfachschule für Kinderpflege in Dachau

Eine positive Botschaft, die Schulleiter Ritzel und sein Team ebenso vermitteln, auch wenn die Gründung der neuen Schule durchaus eine Herausforderung war. Denn die Berufsfachschule für Kinderpflege konnte unter dem Dach der Berufsschule zwar sofort nagelneue Räume beziehen. Doch mit Klassenzimmern ist es nicht getan, auch geeignete Lehrkräfte galt es zu finden.

Der Lehrplan der angehenden Kinderpfleger und Kinderpflegerinnen ist anspruchsvoll und umfangreich, nur einen Teil des Pensums konnten bereits an der Berufsschule tätige Pädagogen übernehmen, weitere Fachlehrkräfte galt es von außerhalb zu gewinnen.

Mit Erfolg: „Wir sind froh um unser engagiertes Team“, sagt Isabelle Bichler, die als Lehrkraft für Sozialpädagogik den Unterricht koordiniert. Für den Praktikumsplatz, den jeder Schüler beispielsweise in einer Krippe oder einem Kindergarten benötigt, konnte die neue Schule auf die engagierte Kooperation der Kitas im Landkreis zählen.

(Unser Dachau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

„Händisch und digital, wir wollen unsere Schüler in beidem fit machen“

Aber auch die räumliche Ausstattung von acht Klassenzimmern und Fachräumen gestaltete sich anspruchsvoll und ist noch nicht ganz abgeschlossen. Denn Tische, Stühle, Tafel und Kreide reichen nicht. Im Praxisraum gibt es allein drei Beamer, denn was die theoretische Arbeitsvorbereitung angeht, setzen Bichler und das Pädagogenteam auf digitale Medien.

Dagegen lassen bunte Regalboxen, Spiele und ein farbenfrohes Kasperletheater in einem separaten Bereich des Klassenzimmers schon ahnen, „dass hier ein Kindergarten im Kleinen entsteht.“ Dort werden die angehenden Kinderpfleger und Kinderpflegerinnen dann praktisch und ganz analog umsetzen, was sie sich zuvor am Schreibtisch erarbeitet haben. „Händisch und digital, wir wollen unsere Schüler in beidem fit machen“, so Bichler.

Und wenn in den ersten Tagen nach Schulbeginn noch das eine oder andere Detail fehlt, so liegt das an Lieferengpässen, definitiv nicht an mangelnder Hilfestellung. Ganz im Gegenteil! Der stellvertretende Schulleiter Christian Oswald lobt ausdrücklich die enorm engagierte Unterstützung der Schulgründung von Landrat Stefan Löwl und dem gesamten Landratsamt.

Großer Ansturm auf Schulplätze

Doch was wäre ein tolles Bildungsangebot ohne junge Menschen, die es wahrnehmen? Auch in dieser Hinsicht lief es bei der Neugründung der Berufsfachschule gut. Tatsächlich habe es einen regelrechten Run auf die Schulplätze gegeben.

Von den 64 Schülern kommt deutlich mehr als die Hälfte aus dem Landkreis, die Mehrzahl sind junge Frauen, die meisten kommen mit einem Mittelschulabschluss. Aber auch zehn junge Männer wollen Kinderpfleger werden, einige Schüler verfügen über Mittlere Reife, Abitur oder Berufsausbildung, auch einige ältere sind als „Spätberufene“ dabei.

„Eine vielfältige Schülerschaft“, so Bichler. Gerade für jüngere Schüler sei es ein wichtiges Argument bei der Berufsentscheidung gewesen, dass die Kinderpflegeschule im Landkreis liegt, so Schulleiter Ritzel. „Standort und Schulweg müssen attraktiv sein.“ Auch die Tatsache, dass das Berufsbild auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist, Kinderpfleger und Kinderpflegerinnen überall in Kitas dringend gebraucht werden, habe sicher das Interesse an der Dachauer Berufsfachschule befördert. „Wir haben eine Lücke gefüllt.“

Rundum-Ausbildung

Die Ausbildung an der Dachauer Berufsfachschule für Kinderpflege läuft als zweijährige Vollzeit-Schulausbildung. Auch Blockpraktika und pro Woche ein fester Praxistag in einer Kita gehören zum Lehrplan. Der Unterricht umfasst ein breites Fächerspektrum, das unter anderem von Deutsch und Kommunikation, Englisch, Politik und Gesellschaft über Pädagogik, Psychologie bis zu Werk-, Musik-, Bewegungserziehung und Säuglingspflege reicht. Im kommenden Schuljahr 2023/24 werden erneut zwei zehnte Klassen für angehende Kinderpfleger und Kinderpflegerinnen starten, eine Anmeldung ist ab dem Frühjahr möglich. ps

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Dachau finden Sie auf Merkur.de/Dachau.

Kommentare