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Holzkirchen - Im Vorfeld gab es ein Tauziehen zwischen zwei Landkreisen, jeder wollte das Grüne Zentrum auf seine Seite ziehen. Nun aber scheinen alle zufrieden mit dem Neubau in Holzkirchen zu sein. Das ist jetzt bei der offiziellen Einweihungsfeier deutlich geworden.
Nach dem Festreden-Marathon geht es raus in die ungemütliche Praxis. Bayerns Landwirtschaftminister Helmut Brunner (CSU) will vor dem Festzelt einen Walnussbaum pflanzen. „So wie er auf vielen Bauernhöfen in der Mitte steht“, erklärt er. Ein Symbol für reichen Erntesegen. Unter anderem mit der stellvertretenden Ministerpräsidentin Ilse Aigner (CSU) marschiert Brunner über die Gummimatte, die den schlammigen Boden bedeckt. Ein Spaten fehlt. „Und der Baum ist sehr groß“, meint Stefan Gabler, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Alle lachen, es bleibt bei einem symbolischen Akt.
Die Stimmung bei der Einweihungsfeier des Grünen Zentrums in Holzkirchen war gut, das Festzelt voll. Auch der anschließende Tag der offenen Tür lockte viele Besucher an. Wie berichtet, ließ der Bayerische Bauernverband (BBV) als Bauherr das Gebäude für rund 13 Millionen Euro errichten. Der BBV nutzt den Nordflügel. Der Rest wird vermietet. Zu den Mietern gehören AELF, Landwirtschaftsschule, Waldbesitzervereinigung, Kreishandwerkerschaft sowie der Almwirtschaftliche Verein. Nebenan liegt das Schüler-Wohnheim.
Zunächst trat Bauernpräsident Walter Heidl ans Rednerpult: Er erinnerte daran, dass es im Vorfeld eine „große Diskussion“ über den Standort zwischen den beteiligten Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen gab. Holzkirchen setzte sich als „idealer Standort“ durch. Zeit- und Kostenrahmen seien eingehalten worden, Spatenstich war im September 2013. „Das Grüne Zentrum in Holzkirchen ist ein Novum“, meinte er. Zumal der BBV als Bauherr auftrat – eine Ausnahme, die nicht bayernweit als Muster dienen soll.
Minister Brunner stieg mit einem Goethe-Zitat ein. „Was glücklich vollendet ist, soll man feiern.“ Bislang gebe es zwölf Grüne Zentren in Bayern. Diese seien Symbol für Zusammenarbeit. „Und ein Ausdruck, dass wir fachliche Kompetenzen bündeln.“ Das aus Holz und in Passivbauweise errichtete Gebäude zeige, dass hier Energiewende umgesetzt werde. „Wir wollen Ressourcen schonen.“ Auch er betonte, dass das Holzkirchner Modell mit dem BBV als Bauherr nur eine maßgeschneiderte Lösung für diesen Standort sei. Dann machte Brunner einen Schlenker in die aktuelle Agrarpolitik. Produktionspreise, zunehmende Bürokratie und eine gesellschaftliche Diskussion über Umwelt, Klima und Tierwohl stünden im Fokus. Insofern sei ein Dialog mit den Verbrauchern wichtig.
Grünes Zentrum in Holzkirchen eingeweiht: Bilder




Zudem sprach er davon, dass auch kleinere Betriebe künftig eine Chance haben sollen. Bildung, wie sie im Grünen Zentrum umgesetzt wird, sei hier förderlich. Und er dankte dem ehemaligen AELF-Chef Johannes Hütz für seinen Einsatz für das Grüne Zentrum. Den krisengebeutelten und ehemaligen Landrat Jakob Kreidl (CSU), der sich ebenfalls für das Grüne Zentrum eingesetzt hatte, erwähnt an dem Tag keiner namentlich, worüber so mancher im Publikum flüstert.
Lediglich Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan (CSU) sprach „von den beiden Landräten“, die das Projekt damals vorangetrieben hätten. Das Grüne Zentrum habe „viele Mütter und Väter“. Aigner meinte: „Was mich an Grünen Zentren begeistert, ist, dass der Kern mit Bildung zu tun hat.“ Auch Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) trat ans Rednerpult: Es sei kein Zentrum für die „Grünen“, scherzte er. Außerdem richtete er schöne Grüße von seinem Tölzer Kollegen Josef Niedermaier (FWG) aus, der fehlte. „Er ist nicht beleidigt, sondern krank“, sagte er. Holzkirchen sei ein aufstrebender Ort mit einer guten Verkehrsanbindung. Das bestätige Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). „Wir sind uns aber auch der Verantwortung bewusst“, sagte er mit Blick auf das Grüne Zentrum.
Die Verantwortung wiederum wurde am Schluss dann symbolisch an die Nutzer weitergereicht – mit der Schlüsselübergabe.
Marlene Kadach
