- VonJulian Limmerschließen
Mit dem Spatenstich beginnt nun der Bau der Tram-Westtangente in München offiziell. Nicht allen Anwohnern gefällt das.
Auf den Start dieses Mega-Projekts musste München 33 Jahre warten: Die Bauarbeiten der Tram-Westtangente haben begonnen. Eine rund 8,3 Kilometer lange Tramlinie mit 17 neuen Haltestellen, die vom Romanplatz bis zur Aidenbachstraße führt. Quer durch den Münchner Westen. Die Bauarbeiten laufen zwar schon etwas, doch gestern war der offizielle Spatenstich: „Die Linie bringt eine enorme Verbesserung für die anliegenden Stadtteile und entlastet die Innenstadt“, sagt Münchens Zweiter Bürgermeister Dominik Krause (Grüne). Bereits im Jahr 1991 hatte der Stadtrat das Projekt beschlossen.
Insgesamt soll die Tram fünf Stadtteile miteinander verbinden, die bisher durch die Buslinien 51 und 151 abgedeckt werden. Rund 250 000 Bewohner der anliegenden Viertel sollen direkt profitieren: So bieten Trams mehr Platz für Fahrgäste und sind pünktlicher als Busse.
Krause: Tram-Westtangente schließt Verkehrslücke in München
Denn: „Sie sind wesentlich staufreier unterwegs“, sagt MVG-Chef Ingo-Wortmann. Ein weiterer Vorteil für sein Unternehmen: Gerade in Zeiten mit Personalnot sei es wichtig, möglichst viele Personen in einem Fahrzeug transportieren zu können.
Mit der neuen Linie schließe die Stadt nun eine zentrale Lücke, sagt Dominik Krause: „Denn an einer Stelle krankt das ÖPNV-Netz noch gewaltig: Das sind tangentiale Verbindung.“ Also Verbindungen, die nicht durch die Innenstadt verlaufen. Die neue Tram soll so die Lebensqualität der Menschen im Münchner Westen verbessern und eine klimafreundliche Alternative zum Auto bieten.
„Doch die Einschränkungen waren massiv“
Doch das Projekt hat nicht nur Befürworter: Zu teuer, zu massiv die Einschränkungen, sagen Kritiker. Die Tram-Westtangente bleibt umstritten. „Anwohner klagen über gesperrte Zufahrten, die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrenden ist teilweise gefährdet, und der halbe Westen steht auf der einspurigen Fürstenrieder Straße im Stau“, sagt die Laimer Stadträtin Alexandra Gaßmann (CSU). Erst vor einigen Tagen hatten Anlieger darüber geklagt, dass ihre Einfahrten durch die Baustelle nicht mehr befahrbar waren (tz berichtete). Mittlerweile sei das Problem behoben, berichtet Anwohner Rolf Raisch (91): „Doch die Einschränkungen waren massiv“, sagt er.
MVG räumt Schwierigkeiten ein – „Wo gehobelt wird, fallen Späne“
MVG-Chef Ingo Wortmann räumt anfängliche Schwierigkeiten ein und spricht von „Abstimmungsproblemen vor Ort“: „Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wichtig ist, dass wir das dann schnell beheben“, fügt er an.
Bleibt der Stau und die Kosten – die CSU beklagt, dass das Projekt rund 490 Millionen Euro verschlingen soll. E-Busse wären günstiger und schneller einsetzbar gewesen. Bürgermeister Dominik Krause kontert: „Mit der Tram schaffen wir langfristig eine lebenswertere Stadt.
Krause zeigte zwar Verständnis für Kritik, aber ergänzte: „Diese Grundsatzablehnung einiger Bürger kann ich in diesem Maße nicht nachvollziehen.“ Behinderungen ließen sich zwar während des Baus nicht vermeiden, doch am Ende profitierten alle, so Krause. Sogar die Autofahrer, deren Straße durch die neue Tramlinie entlastet werde. So zumindest der Plan. „So wie die Stadt wächst, ist ein Ausbau des ÖPNV-Netzes unabdingbar“, sagt Krause.
Die Linie wird jetzt in drei Abschnitten gebaut: Der erste Abschnitt zwischen Ammersee- und Agnes-Bernauer-Straße soll bereits Ende 2025 in Betrieb gehen. Das komplette Projekt soll im Jahr 2028 fertig sein.

