GEWERBEGEBIET NORD

Der Abschied droht: Gastroservice findet keine Expansionsfläche in Miesbach

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Ohne Platz keine Entwicklung: Die Geschäftsführer Erwin Erb (l., Gastroservice) und Harald Kirch (Milchproduktenhandel) suchen eine freie Erweiterungsfläche in Miesbach.
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Der Miesbacher Gastroservice zählt zu den erfolgreichen Firmen in der Kreisstadt. Doch diese Entwicklung ist nun in Gefahr. Das Tochterunternehmen des Milchproduktenhandels Oberland sucht seit Jahren zusätzliche Flächen, ohne Erfolg. Nun wird die Zeit knapp – der Abschied aus Miesbach droht.

Miesbach – Langsam wird die Zeit knapp. Seit Jahren sucht der Miesbacher Gastroservice eine neue Fläche, um sich zu vergrößern. 2016 ging die erste Anfrage an das Rathaus – ohne Erfolg. An die 5000 Quadratmeter braucht das Unternehmen, um seinen Platzbedarf zu decken. Doch in der Kreisstadt sind solche Gewerbeflächen Mangelware.

Wenn man beim Miesbacher Gastroservice einen Blick in seine Lagerhallen Am Windfeld wirft, fallen sofort die vollen Regalreihen auf. Zehn Meter hoch sind dort die Behältnisse gestapelt. Und die wenigen Lücken, die es dazwischen gibt, sind bereits verplant, erklärt Geschäftsführer Erwin Erb: „Diese Plätze sind alle schon vergeben.“ Entsprechend diffizil sei die logistische Planung.

Breites Produktsortiment für die Gastronomie

An die 7500 Stellplätze umfasst das Lager gesamt. Dazu gehört das Kühllager, das bis vier Grad kühlt. Hier befinden sich Molkerei- und Frischeprodukte. In der Halle nebenan liegen die Trockenprodukte wie zum Beispiel Pizzamehl, das eine nicht unwesentliche Rolle spielt: Denn unter den 2100 Kunden des Gastroservice befinden sich etwa 500 italienische Restaurants. „Hier in der südlichen Region sind wir mit die größten Lieferanten“, sagt Erb mit Blick auf dieses Gastrosegment, „und in München werden wir auch stärker.“

In der nächsten Halle folgt die Tiefkühlzone (minus 22 Grad) , in der die gefrorene Ware gelagert wird. Daneben die eiskalte Frischfischzelle. Auch hier fehlt es überall an Platz für die Ware.

Stark auch im Online-Segment

Doch die eigentliche Problemzone ist ein verhältnismäßig kleiner, unscheinbarer Lagerraum. An die 1000 Sortimentsartikel werden dort aktuell untergebracht – für den Online-Handel. „Wir beliefern nicht nur Gastronomie, sondern verkaufen auch an Privatleute auf Amazon und Ebay“, erklärt Erb. Ein Segment, das deutlich Luft nach oben habe.

Der Online-Markt würde seinem Unternehmen aktuell gute Chancen bieten. „Die 1000 Sortimentsartikel laufen gut, aber wenn man sieht, dass wir 4000  anbieten könnten, sieht man, welches Potenzial da noch für uns vorhanden ist.“ Dazu brauche man aber wesentlich mehr Platz.

Nach der Kochsendung im TV wird online bestellt

Denn bundesweit sei es ein steigender Trend, Lebensmittel online zu bestellen – was Harald Kirch, Geschäftsführer bei der Muttergesellschaft Milchproduktenhandel Oberland, bestätigt. Gerade für Berufstätige sei dies eine bequeme Einkaufsmethode, die nicht nur Zeit spare, sondern auch eine abwechslungsreiche Lebensmittelauswahl biete. Mancherorts wie in Berlin sei es sogar üblich, als Privatperson seine Gäste abends nach den Getränkewünschen zu fragen und diese dann beim Lieferservice zu bestellen. „Oder man sieht eine Kochsendung im TV und bestellt online die kompletten Zutaten dazu“, ergänzt Erb.

Bis zu 1000 Pakete verschicke man täglich via DHL – von Suppen über Olivenöl bis hin zur Teriyaki-Sauce, von München über Berlin bis nach Ostfriesland. „Der Markt wächst rasant“, sagt Erb.

Unternehmen wurde 1973 gegründet

Für den Betrieb ist das Online-Geschäft der nächste Schritt in eine stabile Zukunft. Denn beachtlich ist es schon, wie sich das Unternehmen seit seiner Gründung 1973 in Gmund-Dürnbach entwickelt hat. Mit acht Mitarbeitern fing man damals als Molkereivertrieb Miesbach an. Mit den Jahren wuchsen die Wünsche der Kunden und damit das Sortiment des Frischedienstes.

Größter Bioanbieter der Region

Heute blickt der Miesbacher Gastroservice, wie er seit 2017 heißt, auf einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro. Zusammen mit dem Milchproduktenhandel Oberland kommt man auf 150 Millionen. Zehn Millionen Kilogramm an Bioprodukten verkaufe man pro Jahr und ist damit größter Bioanbieter in der Region. Große Zahlen, die man mit den rund 100 Mitarbeitern des Gastroservices und den 20 beim Milchproduktenhandel erwirtschaftet. 29 Fahrzeuge stehen für den Vertrieb auf dem Hof.

Große Hürde Wasserschutzzone

„Es ist die Höchststrafe für einen Unternehmer, wenn er nicht wachsen kann“, sagt Erb. Zusammen mit Kirch habe man vor wenigen Wochen erneut das Gespräch mit Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller gesucht. „Wir bemühen uns, eine geeignete Fläche zu finden“, versichert der Rathauschef auf Nachfrage unserer Zeitung – sowohl für die 5000 Quadratmeter wie auch alternativ für 1000 Quadratmeter als mögliche Übergangslösung. So stehe die Aufteilung der Erweiterungsfläche im Gewerbegebiet Nord, die seit Jahren durch den Streit um die Erweiterung der Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing blockiert wird, in der März-Sitzung des Stadtrats im nicht öffentlichen Teil auf dem Programm.

Letzte Lösung: abwandern

Der Miesbacher Gastroservice feiert heuer im Juli sein 50-jähriges Bestehen. Und auch künftig wolle man in der Kreisstadt bleiben, sagt Kirch: „Miesbach gehört zu unserem Namen.“ Aber wenn man keine Fläche finde, müsse man die Kreisstadt wohl verlassen und in eine Nachbargemeinde ziehen. Interesse sei vorhanden, wie der Chef des Mutterunternehmens zugibt: „Wir haben eine erfolgreiche, tolle Tochter. Die würden sich viele wünschen.“

ddy

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