VonMagnus Reitingerschließen
Das Buchheim-Museum in Bernried konnte ein Gemälde von Franz Marc erwerben. Auf der Rückseite versteckt sich ein weiteres Werk.
Bernried – Einen „großen Ankauf“ vermeldet das Buchheim-Museum in Bernried. Aus Mitteln der Buchheim-Stiftung konnte kürzlich ein Gemälde von Franz Marc aus dem Jahr 1910/11 erworben werden: „Zwei stehende Mädchenakte mit grünem Stein“. Über den Kaufpreis hüllt man sich zwar in Schweigen. Doch Angaben des renommierten Auktionshauses „Ketterer Kunst“ lassen den Wert zumindest ahnen. Auf dessen Website ist nachzulesen, dass dieses Werk bei einer Auktion 2019 in München schon mal für 437 500 Euro den Besitzer wechselte.
Der Wert fürs Buchheim-Museum liegt freilich auf anderem Gebiet als dem schnöden Mammon. Direktor Daniel J. Schreiber nennt den Ankauf einen „großen Glücksfall“. Denn Franz Marc (1880-1916), einer der ganz großen Maler der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, gehöre „unbedingt“ zum figurativen Expressionismus, der den Schwerpunkt der Sammlung Buchheim bildet. Doch in Bernried ist Marc bislang nur mit Grafik vertreten. „Ein Gemälde von ihm war daher schon immer ein großes Desiderat“, sagt Schreiber.
Das doppelte Kunstwerk Marcs
Man darf davon ausgehen, dass schon der 2007 verstorbene Museumsgründer Lothar-Günther Buchheim dieses 63 auf 48 Zentimeter große Gemälde gern in seiner Sammlung gehabt hätte. In seiner Monographie „Der Blaue Reiter und die Neue Künstlervereinigung München“ aus dem Jahr 1959 führt Buchheim eben jenes Bild als Beispiel für Marcs „Anstrengungen zur Befreiung der Farbe von allen traditionellen Bindungen“ an. Der Maler habe um 1910 begonnen, zur Steigerung der „Wesenheit“ eines Motivs verstärkt Komplementärkontraste einzusetzen. In diesem Gemälde steht der grüne Stein im Kontrast zum roten Wald, und die beiden orange-beige gehaltenen Akte vermitteln zwischen diesen beiden komplementären Polen.
Mit den beiden weiblichen Akten in der Natur, erklärt Schreiber, steht Marcs Gemälde zudem „in motivischer Nähe zu zeitgleich entstandenen Werken der Brücke-Maler“, die das Bernrieder Museum besitzt. Insbesondere Erich Heckels Gemälde „Am Waldteich“, ein bedeutendes Werk aus Buchheims Sammlung und ebenfalls 1910/11 entstanden, weise viele kompositorische Analogien auf. So könne das Buchheim-Museum jetzt „die ,Familienähnlichkeiten’, aber auch die realen Kontakte zwischen Marc und Heckel im Besonderen und ,Brücke’ und ,Blauem Reiter’ im Allgemeinen augenfällig dokumentieren“.
Zu all dem kommt, dass das Museum mit diesem Bild eigentlich gleich zwei Kunstwerke erworben hat. Denn auf der Rückseite von „Zwei stehende Mädchenakte mit grünem Stein“ befindet sich das Fragment einer Zeichnung von Franz Marc: „Zwei Pferde“ aus dem Jahr 1910 – laut Ketterer die „einzige bekannte Vorarbeit zu dem Gemälde ,Streitende Pferde’“.
Gemälde einst als Leihgabe gezeigt
Erste Besitzerin dieses doppelten Kunstwerks von Franz Marc war ab 1912 die Künstlerin Alexe Altenkirch. Sie stellte es seinerzeit für viele Jahre als Dauerleihgabe dem Berliner Kronprinzenpalais zur Verfügung, damals die wichtigste Institution für zeitgenössische Kunst in Deutschland. „Diese Herkunft zeugt von der großen Wertschätzung, die das Werk damals genossen hat, und unterstreicht seine kunsthistorische Bedeutung“, betont Schreiber.
Übrigens war „Zwei stehende Mädchenakte mit grünem Stein“ auch im Buchheim-Museum schon mal zu sehen – als Leihgabe, in der Sonderschau „Brücke und Blauer Reiter“. Wann das Gemälde, nun als eigener Besitz, wieder in Bernried ausgestellt wird, das ist derzeit noch offen.

