VonChristina Jachert-Maierschließen
Am 1. November öffnet der Wiesseer Gasthof Zur Post zum letzten Mal vor der großen Sanierung. Mit den Arbeiten will die Gemeinde als Eigentümerin zügig loslegen. Ziel ist die Wiedereröffnung zur Saison 2024.
Bad Wiessee – Noch herrscht Hochbetrieb im Gasthof Zur Post. Und das unter erschwerten Bedingungen. Wie berichtet, hat es am 25. August im Keller gebrannt, ein Notstromaggregat war wegen eines technischen Defekts überhitzt. „Wir sind deshalb immer noch aufgehalten“, sagt Wirt Kurt Geiß. Was verraucht ist, muss durch eine Fachfirma entsorgt werden, zudem erweist sich die Instandsetzung der Telefonanlage als schwierig. Behoben werden müssen die Schäden trotz der bevorstehenden Schließung. „Wir sind ja noch zwei Monate voll im Betrieb“, sagt Geiß.
Der 1. November, Allerheiligen also, ist der letzte Öffnungstag. „Bis dahin ist die Messe Bauma, da haben wir das Haus voll“, sagt Geiß. Am 2. November gibt’s noch einen internen Abschiedstag, dann tritt Geiß seinen Ruhestand an. Es ist Zeit. „Der 75. Geburtstag war für mich die Deadline“, sagt der Wirt. Den hat er schon im Mai gefeiert. 35 Jahre lang war Geiß Pächter des gemeindeeigenen Gasthofs, der auch Kulturzentrum ist. Sein Abschied ist der Anstoß, das Haus von Grund auf zu modernisieren. „Wir wollen es in einem Tipptopp-Zustand haben, damit wir einen würdigen Nachfolger für Herrn Geiß finden“, meint Bürgermeister Robert Kühn.
Wiedereröffnung 2024 ist das Ziel
Die Gemeinde plant eine Sanierung mit Teilabbruch. Der vordere Teil des Gasthofs steht unter Denkmalschutz. „Wir lassen keine Zeit verstreichen“, verspricht Kühn. Demnächst steht die Vergabe des Planungsauftrags an den Architekten durch den Gemeinderat auf dem Programm. Ziel sei die Wiedereröffnung zur Saison 2024, erklärt Kühn.
In den anderthalb Jahren bis dahin wird der Gasthof dem Ort fehlen. Er ist auch Kulturzentrum, verfügt über den einzigen großen Saal im Ort. Hier finden Versammlungen, Feste. Konzerte, Theateraufführungen statt. Es stünden aber Ausweichquartiere zur Verfügung, macht Kühn deutlich. Der evangelische Pfarrsaal könne dank des Entgegenkommens von Pfarrerin Sabine Arzberger genutzt werden, auch im Feuerwehrhaus sei ein Saal vorhanden, zudem könne auch der Gasthof Königslinde größere Versammlung beherbergen. Die Vereine hätten also durchaus Möglichkeiten, auch ohne den gewohnten Saal Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. „Aber die Übergangszeit erfordert schon einen gewissen Aufwand“, weiß Kühn.
Gemeinde will Schließzeit so kurz wie möglich halten
Die Gemeinde habe auch überlegt, ob nicht zumindest ein Teil des Gasthofs während der Sanierung offen gehalten werden könne. Doch dies hätte den Fortgang der Arbeiten nur in die Länge gezogen. „Wir wollen die Schließzeit so kurz wie möglich halten“, meint Kühn.
Die Sanierung soll allerdings gründlich ausfallen. „Wir machen keine halben Sachen“, versichert Kühn. Um den heutigen Anforderungen zu entsprechen, brauche es kurze Laufwege, eine geschickte platzierte Schenke und Personalwohnungen. Denn: Anders als früher ist es schwierig, Personal zu gewinnen. Der Betrieb müsse mit einer geringen Anzahl von Leuten zu stemmen sein.
Mittelklasse-Hotel mit gut bürgerlicher Küche
Gesetzt ist: Die Gemeinde wird ihren Gasthof nicht aus der Hand geben. „Er ist das Herz unseres Ortes“, meint Kühn. Die Wirtschaft solle eine gut bürgerliche bleiben, das Hotel im Bereich Mittelklasse. Ein Ort eben, der zum Treffpunkt für alle taugt. Wenn die Gemeinde sich selbst darum kümmere, ist der Bürgermeister überzeugt, werde dieses Ziel schnell und effektiv erreicht. Bei privaten Eigentümern sehe dies anders aus. „Da muss man sich nur den Guggemos anschauen“, meint Kühn. Der Tegernseer Gasthof, Eigentum des herzoglichen Hauses, ist seit 2008 geschlossen und zum Schandfleck an der Hauptstraße geworden. Es soll abgerissen werden.
