VonTobias Gehreschließen
Eigentlich ist es für Diabetes-Patienten gedacht. Doch weil es auch beim Abnehmen helfen kann, gibt es jetzt einen weltweiten Hype um das Medikament Ozempic. Auch im Landkreis geht das Präparat weg wie warme Semmeln. Das bleibt nicht ohne Folgen.
Fürstenfeldbruck – Eine kleine Spritze pro Woche – und schon purzeln die Pfunde. Das versprechen sich derzeit offenbar viele Menschen von Ozempic. Bemerkbar macht sich der Glaube an das Wunder-Medikament vor allem in den Apotheken. Vielerorts ist das Präparat bereits Mangelware. „Es gibt eine extrem hohe Nachfrage“, bestätigt Thomas Benkert, Inhaber der Amper-Apotheke in Fürstenfeldbruck. Und das ist offenbar nicht nur bei ihm so. Benkert berichtet davon, dass das Medikament derzeit extrem schlecht lieferbar sei. „Die Nachfrage ist größer als das Angebot.“
Patienten wegschicken
Das wird vor allem für diejenigen zum Problem, für die das Medikament eigentlich gedacht ist – nämlich Diabetes-Patienten. Es komme manchmal vor, dass man diese wegschicken müsse, weil das Präparat derzeit nicht verfügbar sei. Die Apotheken würden aber mit Hochdruck daran arbeiten, Ozempic wieder zu bekommen. „Wir tun unser Bestes“, sagt Thomas Benkert.
Das bestätigt auch Jutta Strasdat von der Rasso-Apotheke in Grafrath. Sie sieht vor allem die Abhängigkeit vom Weltmarkt als ein Problem. So könne das Medikament etwa in den USA wesentlich teurer als in Deutschland verkauft werden. Weil der Hersteller dort also mehr verdienen könne, gingen auch größere Mengen in die Staaten. Für Europa und Deutschland bleibe dann weniger übrig. Strasdats Fazit: „Es geht nur ums Geld.“
Warnung vor Fälschungen
Auf das haben es auch Betrüger abgesehen. Immer wieder gibt es Berichte über Fälschungen, die über das Internet vertrieben werden. Apothekerin Strasdat warnt davor. „Das sollte man auf keinen Fall kaufen.“
Als reines Abnehm-Medikament sollten an sich gesunde Menschen auch das Original nicht unbedingt verwenden, findet der Eichenauer Allgemeinarzt Dr. Alexander Wiedemann. Man wisse schließlich noch nicht viel über mögliche langfristige Nebenwirkungen.
Dass eigentlich gesunde Menschen Kranken ihr Medikament wegkaufen, kann Wiedemann ohnehin nicht nachvollziehen. Er selbst würde Ozempic niemals als „Lifestyle-Präparat“ verschreiben – also als schnellen Weg zur Strandfigur.
Sinnvoll sei der Einsatz des Medikaments allerdings bei stark beziehungsweise krankhaft übergewichtigen Menschen. Die müssten zum Beispiel erst einmal abnehmen, um dann mit Sport anfangen zu können. Denn eines ist für den Mediziner klar. Ohne eine Änderung des Lebenswandels geht es nicht – also eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung. „Die Spritze alleine wird es nicht richten.“
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