Flüchtlingslage

Mammutaufgabe: Turnhallenbelegung stellt Helferkreis vor neue Herausforderungen

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Die Bewohner des Bastenhauses haben sich an ihr Zusammenleben gewöhnt. Gemeinsam mit Helfern wie Veronika Bauer (hinten mit Brille) und Sylvia Karpf (Bildmitte auf Stuhl) traf man sich zur Weihnachtsfeier.
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Zuerst das Bastenhaus, dann die ukrainischen Kriegsflüchtlinge, seit Kurzem nun die Landkreis-Turnhalle: Die Stadt Tegernsee bietet derzeit vielen Menschen in Not eine Zuflucht.

Tegernsee – Die Integration der Geflüchteten ist eine Mammutaufgabe, ohne den engagierten Helferkreis ginge es nicht. Das Zusammenleben im Bastenhaus ist fast schon Alltag. Vieles hat sich eingespielt, seit vor gut zwei Jahren die ersten Flüchtlinge in dem ehemaligen Hotel an der Tegernseer Hauptstraße eingezogen sind. Gut 50 Menschen leben dort – Familien, alleinerziehende Frauen und Paare. Die Belegung ist bis auf einige Ausnahmen immer die gleiche geblieben. Die Menschen kamen als Asylbewerber unter anderem aus Afghanistan, Syrien, der Ukraine oder Nigeria. Natürlich ist es beengt, viele sehnen sich nach eigenen vier Wänden. „Aber grundsätzlich fühlen sich die Bewohner hier wohl“, berichtet Veronika Bauer (56). Die Tegernseerin kümmert sich gemeinsam mit Sylvia Karpf seit Beginn an um die Bastenhaus-Familie. Als Ehrenamtskoordinatorinnen leiten die beiden den örtlichen Helferkreis, der bei Bedarf auch die ukrainischen Kriegsflüchtlinge unterstützt, die in Tegernsee in privaten Unterkünften Zuflucht gefunden haben.

Neue Herausforderung

Nun steht der Helferkreis vor einer neuen Herausforderung. Nachdem der Zustrom Asylsuchender nicht abreißt, wurde die landkreiseigene Turnhalle beim Tegernseer Gymnasium Ende vergangenen Jahres zur Notunterkunft umfunktioniert (wir berichteten). Laut Landratsamt leben dort aktuell etwa 150 Menschen, überwiegend aus Afghanistan, Tansania, dem Jemen, der Türkei, dem Kongo oder Nigeria. Auch 17 Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren haben in der Halle vorübergehend Obdach gefunden. Das Landratsamt ist überzeugt: Die auf 200 Bewohner ausgelegten Kapazitäten der Halle werden bald ausgereizt sein. Damit ist auch der Helferkreis mehr gefordert denn je.

„Für das Überlebensnotwendige ist gesorgt“, sagt Bauer über die Notunterkunft. Die Menschen hätten ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und müssten – anders als in ihren Herkunftsländern – nicht um ihre Sicherheit bangen. Integrationsangebote gebe es von behördlicher Seite aber so gut wie keine. Eine Lücke, die der Helferkreis nur allzu gerne füllen würde. Aber auch er stößt bei der Betreuung der Hallen-Bewohner immer wieder an seine Grenzen.

Die Probleme beginnen schon bei der Kontaktaufnahme. Die Bewohner seien dem Helferkreis komplett unbekannt, persönliche Daten dürften nicht einfach so herausgegeben werden. „Es dauert, bis wir hier andocken und Unterstützung anbieten können“, schildert Bauer. Eine erste Annäherung kann nur über schriftliche Aushänge stattfinden, die Helfer dürfen sich nur in einem Vorraum der Halle aufhalten.

Dabei würden Begegnungen dringend nottun. „Das Wichtigste wären Deutsch-Kurse für die Bewohner“, erklärt Bauer. Doch es gibt nur wenige Ehrenamtliche, die sich hier engagieren (können). In Tegernsee ist es derzeit ein Gymnasiallehrer, der zweimal die Woche Sprachunterricht für 15 bis 20 Leute anbieten könne, berichtet die Ehrenamtskoordinatorin. „Ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Alternativ kämen Kurse an der Volkshochschule in Frage, aber auch die leide unter Personalmangel.

Teilerfolg

Ein weiteres Anliegen wäre es dem Helferkreis, sich um die Kinder und den damit verbundenen Jugendschutz zu kümmern. „Wir haben bereits unsere Fühler nach Familienpaten ausgestreckt“, berichtet Bauer. Teilweise mit Erfolg – zwei türkische Familien, die sich um Hallen-Bewohner kümmern würden, seien schon gefunden. Auch Unterstützer, die Freizeitaktivitäten für die Asylsuchenden anbieten, werden gebraucht. Einzelne hätten sich dafür schon gemeldet, sagt die Tegernseerin. Die Aufgabe sollte sich aber auf noch mehr Schultern verteilen. „Man kann ja nicht mit 50 Leuten die Neureuth raufmarschieren.“

Die Turnhalle ist und bleibt eine reine Notunterkunft, in der das Zusammenleben gut organisiert werden muss. Immerhin treffen hier viele unterschiedliche Kulturen und Nationalitäten aufeinander. Deshalb, so das Landratsamt, gebe es einige Vorgaben wie feste Essenszeiten oder eine geregelte Nachtruhe, „durch die für alle ein geregeltes Miteinander geschaffen werden soll“. Bauer hofft, dass sich vielleicht doch noch Talbürger melden, die anderweitigen Wohnraum oder Stellplätze für Container bereit stellen können. Das Leben in der Halle sei für die dortigen Bewohner ohne Perspektive – „da brauchen wir uns nichts vormachen“.

Unterstützung

Wer den Helferkreis unterstützen möchte, kann sich bei Veronika Bauer unter helferkreis-tegernsee@tegsee.de melden.

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